Bester Ausbilder im Handwerk, bester Arbeitgeber in der Baubranche und Sieger des Deutschen Baupreises – Jökel Bau bietet ein Feuerwerk an Maßnahmen zur Mitarbeiterzufriedenheit. Neue Mitarbeiter kommen überwiegend auf Empfehlung der eigenen Belegschaft. Sogar ein eigenes Lied haben sie ihrem Arbeitgeber gewidmet.

Stefan und Peter Jökel waren 26 und 29 Jahre alt, als sie 2001 den Familienbetrieb übernahmen. "Für uns war klar, dass wir mit Freude zur Arbeit gehen wollen", sagt Stefan Jökel. "Und das können wir nur, wenn unsere Mitarbeiter diesen Spaß an der Arbeit mit uns teilen." Heute, mit 48 und 52 Jahren, blicken die Bauunternehmer aus Schlüchtern auf eine ganze Reihe von Auszeichnungen, die alle besagen: Sie gehen mit dem Konzept der Mitarbeiterbegeisterung den richtigen Weg.
Das war nicht von Anfang an so. "Als wir das erste Mal bei ’Great Place to work’ mitgemacht haben, haben wir grottenschlecht abgeschnitten", gibt Peter Jökel grinsend zu. Beide Brüder hatten von Kindesbeinen an im Betrieb gearbeitet, hatten ein Studium als Bauingenieur absolviert und den Betriebswirt des Handwerks gemacht. Gute Mitarbeiterführung jedoch hatten sie nirgends erlernt. "Aber genau das ist für uns bei solchen Wettbewerben das Ziel; es geht nicht um den Preis, sondern darum, ein Benchmark zu bekommen und zu sehen, was wir noch besser machen können", erklärt Stefan Jökel.
Sie verstanden, dass sie ihre Personalführung verbessern mussten, besuchten Coachings und Seminare und schicken seither auch ihre Abteilungs- und Teamleiter dorthin.
Netzwerken zum Vergleich
Der Austausch und Vergleich mit anderen Unternehmern – sei es die örtliche Metzgerei oder ein Industriekonzern – ist ein zentraler Punkt bei Jökels Erfolg. Ständig suchen die Brüder nach Wegen, das eigene Unternehmen voranzubringen. "Wenn Sie entlang der internen Kennzahlen und mit diesen externen Benchmarks immer wieder neue strategische Ziele setzen, dann verbessern Sie automatisch ihr Unternehmen. Das haben wir über Jahre konsequent getan", sagt Stefan Jökel.
Gewinner des Heribert-Späth-Preises als bester Ausbilder im Handwerk
Für seine vielfältigen Engagements in der Ausbildung hat Jökel Bau Ende vergangenen Jahres den Preis als bester Ausbilder im Handwerk gewonnen. Die Jury begeisterte sich unter anderem für:
- Hochhinausbildung: Der Betrieb nennt seine Ausbildung "Hochhinausbildung" und hat dazu einen Film mit den Azubis gedreht.
- azubi_bau: Unter dieser Marke dürfen Lehrlinge und junge Facharbeiter in Eigenregie einen Rohbau errichten. Begleitet werden sie dabei von einem erfahrenen Polier. Verschiedene Fernsehsender haben bereits darüber berichtet, darunter RTL Hessen, Sat1 und ServusTV.
- JES-Ausbildungskooperation: Seit 2017 haben sich drei Unternehmen aus dem Altkreis Schlüchtern zu einer Ausbildungskooperation zusammengeschlossen. Neben Jökel Bau sind das Edeka Habig und die Kreissparkasse Schlüchtern. Trotz der verschiedenen Wirtschaftssektoren Handwerk, Handel und Finanzen verfolgen alle drei ähnliche Ausrichtungen. Sie besuchen gemeinsam Ausbildungsmessen, veranstalten Seminare für die Azubis zu gesunder Ernährung, Knigge oder Umgang mit Finanzen.
- Nacht der Ausbildung: Im Rahmen dieser Ausbildungskooperation haben die Brüder Jökel mit befreundeten Unternehmen eine Nacht der Ausbildung ins Leben gerufen. Ziel ist, zukünftige Schulabgänger und deren Eltern über die zahlreichen Ausbildungsmöglichkeiten in der Region zu informieren. 2022 besuchten 2.000 junge Menschen diese Nacht der Ausbildung. "Wir und die anderen Betriebe haben dadurch schon zahlreiche Lehrlinge gefunden, das ist wirklich eine tolle Geschichte", freut sich Stefan Jökel.
- Unternehmertage: Die Schulen der Region veranstalten jährlich Unternehmertage, auf denen Jökel das Unternehmen und seine Ausbildungsberufe präsentiert. Auch an Technikerschulen sowie Universitäten stellt der Familienbetrieb sich vor.
- Dein erster Tag: Mithilfe dieser Online-Plattform hat Jökel Ausbildungsvideos entwickelt, die in Schulen zur Berufsinformation verwendet werden.
- Karriereseite für Auszubildende: Die Webseite der Firma hat einen eigenen Bereich für Auszubildende und Praktikanten.
- Förderung: Einmal im Monat erhalten die Azubis zusätzlichen Unterricht, um Lerninhalte zu vertiefen. Vor den Abschlussprüfungen können Azubis an Vorbereitungskursen teilnehmen. Mithilfe regelmäßiger Gespräche stimmt der Betrieb mit Lehrlingen, Eltern und Ausbildern individuelle Fördermaßnahmen ab.
- Integration: Einmal pro Woche gibt es im Betrieb einen Sprachkurs "Deutsch als Fremdsprache". Ein ehemaliger Lehrling mit Migrationshintergrund ist Integrationsbeauftragter im Unternehmen. Er fungiert als erster Ansprechpartner für Mitarbeiter mit Migrationshintergrund, um ihnen beim Zurechtfinden zu helfen und den Einstieg zu erleichtern.
- Prämien: Für besonders gute Absolventen übernimmt Jökel den LKW-Führerschein, Kosten für die Meister- oder Technikerschule oder die Weiterbildungskosten zum Polier, außerdem gibt es bei guten Leistungen Prämien, bis zu 1.000 Euro pro Ausbildungsjahr.
- Jökel-Akademie: Das Familienunternehmen bietet Mitarbeitern hausintern fachspezifische Weiterbildungen und Schulungen über das gesamte Jahr an, z.B. zu Erste-Hilfe oder Life-Kinetik.
Allerdings treffen die beiden Chefs von 170 Mitarbeitern ihre strategischen Entscheidungen nicht allein. Sie haben ein Strategieteam, dem 23 Mitarbeiter angehören, sowohl aus dem Büro als auch von der Baustelle. Dieses Team entwickelt langfristige Visionen, mittelfristige Strategien und kurzfristige Ziele für den Familienbetrieb. Weitere 13 Mitarbeiter kümmern sich um das Feld der Mitarbeiterbegeisterung. Zweimal im Jahr treffen sich alle Mitarbeiter, um über diese Pläne zu sprechen. "Unsere Visionen und Strategien sind also keine Kopfgeburt von meinem Bruder und mir, sondern das gemeinsame Commitment von allen 170 Jökelanern", sagt Peter Jökel.
Mitarbeiter stolz auf Betrieb
"Jökelaner" – diesen Namen haben sich die Mitarbeiter selber gegeben. Und sie haben für ihr Unternehmen einen eigenen Jökel-Song getextet. Beides werten die Brüder als sichtbare Zeichen dafür, wie stolz die Mitarbeiter auf ihren Betrieb sind.
Diese spezielle Unternehmenskultur baut der Betrieb konsequent auf. Schon im Einstellungsverfahren klopfen die Jökels ab, wie ein Bewerber tickt und ob er zum Unternehmen passt. Jeder Neue, ob Azubi oder Fachkraft, ob im Büro oder auf der Baustelle, wird innerhalb des ersten halben Jahres schrittweise an das Leitbild und die Firmenkultur herangeführt. Auch für die Azubis gibt es eigene Leitbildtage, an denen sie über ihre Themen und Probleme sprechen.
Innovationen dank Mitarbeiterbefragung
Einmal im Jahr befragt die Firma per Innovationsbogen alle Mitarbeiter, was gut läuft, was nicht und welche Anregungen jeder hat. Jedes Team fasst seine Themen zusammen und übergibt sie dem Strategieteam, das daraus die nächsten Schritte ableitet.
Bei der Jahresauftaktveranstaltung werden alle Mitarbeiter über die wichtigsten Themen informiert. "Wir investieren zwei komplette Tage, um alle Mitarbeiter auf den gleichen Stand zu bringen", sagt Stefan Jökel. Hinzu kommen jährliche persönliche Mitarbeitergespräche, in dem die Belange der einzelnen Mitarbeiter besprochen werden.
Dank der Innovationsbögen und der vielen Gespräche fließen viele gute Ideen ins Unternehmen hinein. Ein Bauleiter beispielsweise hatte die Idee für das Projekt azubi_bau. Ein anderer Mitarbeiter konzipierte den Lorenzo-Treff, einen Aufenthaltsraum für alle Mitarbeiter mit Tischkicker, Dartscheibe und Carrera-Rennbahn. "Wir nutzen die tollen Ideen, die unsere Mitarbeiter haben, auf die wir beiden gar nicht kommen würden und die das Unternehmen sehr voranbringen", sieht Stefan Jökel nur Vorteile darin, dass er und sein Bruder viel Macht an die Mitarbeiter abgeben.
Mitarbeiterbegeisterung im Zentrum des Unternehmens
Ob ein Mitarbeiter von der Jökel-Unternehmenskultur begeistert ist oder nicht, zeigt sich innerhalb der ersten zwei bis drei Jahre. Nach dieser Anfangszeit gebe es kaum mehr Fluktuation – und die Chefs können sich über gute Bewerbungen freuen. "Vor sieben Jahren waren wir noch 80 Mitarbeiter, jetzt sind wir um die 170", berichtet Peter Jökel von einem Wachstum in Zeiten, wo am Bau extremer Personalmangel herrschte.
Über 40 Prozent der neuen Kräfte kommen per Mitarbeiterempfehlung zu Jökel. Dennoch, das ist Peter Jökel wichtig, sei die Fachkräfteakquise nicht Ziel ihrer Unternehmensphilosophie, sondern deren logische Folge. Viele Unternehmer, mit denen er im Austausch stehe, fragten ihn, was all diese Maßnahmen denn kosten. "Aber das ist der komplett falsche Ansatz", findet Peter Jökel. "Wenn ich Mitarbeiterbegeisterung ins Zentrum des Unternehmens stelle und daran glaube, dass ich damit die Firma auf Dauer erfolgreich mache, dann ist jeder Euro, den ich investiere, sehr gut investiertes Kapital."