266.000 Geflüchtete aus der Ukraine haben bereits einen Job. Und es sollen noch mehr werden – auch aus anderen Ländern.

Trotz Wirtschaftskrise hat sich die Integration Geflüchteter in den vergangenen Monaten verbessert. "In einem konjunkturell schwierigen Umfeld stieg die Beschäftigung von Personen aus der Ukraine und den wichtigsten acht Asylherkunftsländern im Vorjahresvergleich an", sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in einer Diskussionsrunde zum Job-Turbo im Kanzleramt. Bis Juli 2024 hätten rund 266.000 Geflüchtete aus der Ukraine in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Dies sei ein Plus von 71.000 im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 700.000 Ukrainer und Ukrainerinnen im erwerbsfähigen Alter.
Job-Turbo geht weiter
Und auch aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern hat sich nach den Worten des Kanzlers die Zahl der Beschäftigten zufälligerweise ebenfalls um 71.000 auf rund 704.000 erhöht. "Der Job-Turbo hat seit Oktober 2023 zu diesem Anstieg beigetragen", sagte Scholz. Dies sei ein Erfolg, aber man könne noch besser werden. "Wir werden nicht nachlassen", sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Der Job-Turbo werde weitergeführt. Und noch eine Botschaft hat er. "Je mehr mitmachen, desto besser", sagte er.
Gezielte Ansprache soll helfen
Heil hatte den Jobturbo im Oktober 2023 angesichts der gestiegenen Flüchtlingszahlen aus der Ukraine initiiert. Als Ziel hatte Heil im Herbst 2023 rund 400.000 Geflüchtete genannt. Sie sollten durch gezielte Ansprache und eine bessere Vernetzung aller Akteure schneller in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden, um nicht zuletzt den Druck auf die Sozialsysteme zu verringern. Das alles sei kein "Selbstläufer" gewesen, unterstrich BA-Chefin Andrea Nahles. Sie verwies auf rund 3.000 regionale Veranstaltungen und insgesamt 600.000 Beratungsgespräche.
Zuletzt 8.500 ukrainische Geflüchtete im Monat in Job integriert
Zuletzt kamen rund 8.500 ukrainische Staatsangehörige pro Monat in Beschäftigung. Das waren doppelt so viele wie im September 2023. Im November werde ein genauer Erfahrungsbericht vorgelegt, fügte Nahles hinzu. Schon jetzt sei klar, wie wichtig es sei, schon während der Integrationskurse eine Orientierung über Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten zu geben. Sie verwies außerdem auf die Möglichkeit berufsbegleitender Sprachkurse.
Migrationsexperte: Beschäftigungsquote steigt deutlich
IAB-Migrationsexperte Herbert Brücker sieht insbesondere seit März 2024 eine "sehr erfreuliche Entwicklung" bei der Integration ukrainischer Geflüchteter in den deutschen Arbeitsmarkt. Die Beschäftigung und die Beschäftigungsquote seien deutlich gestiegen. Letztere liege derzeit bei 29 Prozent. Zu Beginn des Job-Turbos im Herbst 2023 waren es rund 25 Prozent. Bis zum Jahresende könnten es sogar 34 Prozent sein. Insgesamt liege Deutschland bei der Integration ukrainischer Geflüchteter im Vergleich zu Nachbarländern im Mittelfeld.
Nahles: Können von anderen Ländern lernen
Bessere Quoten erreichen etwa die Niederlande und Dänemark, wo weniger Wert auf Sprachkenntnisse gelegt wird. "Da können wir uns eine Scheibe abschneiden", sagte Nahles. Es brauche noch mehr Pragmatismus. Schaue man auf die mittelfristige und nachhaltige Integration von Geflüchteten – etwa nach fünf oder sechs Jahren –, brauche sich Deutschland schon jetzt nicht zu verstecken.