Arbeitsmarktintegration Job-Turbo für Geflüchtete zeigt erste Wirkung

Mit dem Job-Turbo sollen Geflüchtete direkt nach dem Integrationskurs in Arbeit vermittelt werden. Arbeitsminister Hubertus Heil sieht die Maßnahme auf einem guten Weg. Das Handwerk hat gute Erfahrungen mit der Integration gemacht – weiß aber auch, woran es in der Praxis mitunter scheitert.

Hunderttausenden Geflüchteten, vor allem aus der Ukraine, will die Regierung schneller als bisher zu Jobs verhelfen. Nun sieht Arbeitsminister Hubertus Heil erste Erfolge. - © picture alliance / Flashpic | Jens Krick

Anfang des Jahres trafen sich in Calw am Rande des Schwarzwaldes Vertreter von Jobcenter, Arbeitsagentur und den Kammern vor Ort. "Wir wollten gemeinsam ausloten, wie wir Geflüchtete noch schneller in Arbeit bringen könnten", sagt Kreishandwerksmeister Uwe Huber. Mittlerweile haben sie eine Jobbörse eingerichtet, bei der rund 500 Geflüchtete 17 Unternehmen aus der Region kennenlernen konnten. Auch Bäcker waren dabei.

In Calw passiert, was sich Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) für ganz Deutschland wünscht: Noch mehr Engagement für die Integration Geflüchteter aus der Ukraine und anderswo in den Arbeitsmarkt. Deshalb hat er im vergangenen Herbst den "Job-Turbo" angekündigt, mit dem er 400.000 Geflüchtete – darunter rund 200.000 aus der Ukraine – direkt nach ihren Integrationskursen in Jobs vermitteln will. Nicht zuletzt soll so auch die Zahl der Bürgergeldempfänger gesenkt werden.

Das Bundesarbeitsministerium sieht den sogenannten Job-Turbo auf Erfolgskurs. Mit dem "Job-Turbo" habe sich die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen, die durch Zuwanderer besetzt werden können, von November bis Februar fast verdoppelt, hieß es diese Woche aus dem Ressort von Minister Hubertus Heil.

Schnell Erfahrung sammeln

Im Herbst 2023 hat der Bundesarbeitsminister den Vorstand bei der Bundesagentur für Arbeit (BA), Daniel Terzenbach, zum Sonderbeauftragten der Bundesregierung für die Arbeitsmarktintegration ernannt. Und der sagt ganz klar: "Wer einen Integrationskurs absolviert hat, soll so schnell wie möglich Arbeitserfahrung sammeln und parallel dazu die deutsche Sprache direkt im Berufsalltag weiter vertiefen und weiter qualifiziert werden." Dabei hilft die BA Arbeitgebern und Arbeitnehmern, etwa über Eingliederungszuschüsse oder Berufssprachkurse.

Handwerkspräsident Jörg Dittrich unterstützt den Job-Turbo: "Das Handwerk steht auch aktuell trotz der schwierigeren wirtschaftlichen Situation bereit, gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit passgenaue Lösungen für Beschäftigung, Qualifizierung und Sprachförderung geflüchteter Menschen in Handwerksbetrieben anzubieten." Das Handwerk zeige seit Jahren, welche Integrationskraft von seinen Betrieben ausgehe.

Das gilt auch für viele Bäckereien: "Das Bäckerhandwerk hat nach der Welle von 2015 viele Geflüchtete in den Arbeitsprozess integriert, dabei oft gute Erfahrungen gemacht und ist auch weiterhin offen", sagt Nils Vogt vom Zentralverband des Bäckerhandwerks, dort zuständig für Fachkräftesicherung. Gerade im Verkauf gebe es gute Arbeitsmöglichkeiten für Geflüchtete. Damit Mütter hier arbeiten können, sei eine verlässliche Betreuung der Kinder entscheidend.

Herausforderungen seien auch die Dauer der Anerkennungsverfahren und die Sprache. "Hinzu kommt, dass arbeitslose Menschen aufgrund der schwachen konjunkturellen Lage derzeit schwerer einen Arbeitsplatz finden – trotz Beschäftigungsrekord", betont er. Positiv wertet er, dass bei den Ukrainern die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen weiter gestiegen ist. Diese Tendenz müsse mit "gebündelten Kräften" verstetigt werden. Im Gegensatz dazu hatte die allgemeine Arbeitslosigkeit im Februar um 200.000 gegenüber 2023 zugenommen.

Gebäudereiniger stehen bereit

Insgesamt leben nach Angaben der BA rund 840.000 Ukrainer und Ukrainerinnen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland. Davon gingen 169.000 einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Im Februar 2022 waren es 112.000. Ungefähr ein Fünftel des Zuwachses der Beschäftigung von Ukrainern geht auf "sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen" wie Zeitarbeit, Gartenbau und Gebäudemanagement zurück. Aber auch im verarbeitenden Gewerbe, im Bau- und im Gastgewerbe habe es Zuwächse gegeben. Das Gebäudereiniger-Handwerk steht weiter bereit: "Als Branche mit riesigem Personalbedarf sind wir für alle Programme, Konzepte und Ideen offen, die Politik und Bundesagentur für Arbeit ins Leben rufen", sagt Hauptgeschäftsführer Wolfgang Molitor. "Die Branche prüft gerade mit einigen Mitgliedsunternehmen, wie effizient die Vermittlung im Job-Turbo im Praxisalltag funktioniert, erst dann können wir urteilen."