21,5 Prozent der leichten Transporter bis 3,5 Tonnen weisen bei der Hauptuntersuchung erhebliche oder gefährliche Mängel auf. TÜV-Experten benennen die drei häufigsten Mängelfelder – und erklären, warum gerade ältere Fahrzeuge ein unterschätztes Risiko im Betriebsalltag sind.

Gut jedes fünfte Nutzfahrzeug in Deutschland fällt bei der Hauptuntersuchung (HU) durch. Das ist das zentrale Ergebnis des TÜV-Reports Nutzfahrzeuge 2026. 20,3 Prozent der geprüften Fahrzeuge wiesen "erhebliche" oder "gefährliche Mängel" auf. Im Vergleich zum Vorjahresreport sank die Quote leicht um 0,1 Prozentpunkte. Grundlage des Reports sind rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen aus den Jahren 2024 und 2025.
"Technische Mängel sind eine Gefahr für die Verkehrssicherheit. Daher sind Wartung, Pflege und unabhängige Prüfungen im betrieblichen Alltag von Transportunternehmen, Handwerksbetrieben und Versorgern unabdingbar", sagt Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband.
Transporter im Handwerk: Hohe Beanspruchung, hohe Mängelquote
Besonders relevant für Handwerksbetriebe: Leichte Transporter bis 3,5 Tonnen haben mit 21,5 Prozent eine der höchsten Mängelquoten aller Fahrzeugklassen. "Transporter werden im Lieferverkehr und von Handwerksbetrieben stark beansprucht. Entsprechend hoch ist der Verschleiß", sagt Goebelt.
Das Durchschnittsalter von Nutzfahrzeugen liegt laut Kraftfahrt-Bundesamt aktuell bei 8,9 Jahren – ein Jahr mehr als noch vor zehn Jahren. Ältere Fahrzeuge fallen deutlich häufiger durch: Bei zehn Jahre alten schweren Lkw liegt die Mängelquote bereits bei 28,5 Prozent.
Diese 3 Schwachstellen sollten Betriebe im Blick haben
Die TÜV-Sachverständigen beanstanden am häufigsten drei Problemfelder:
Ölfreuchte und Ölverlust nehmen mit dem Fahrzeugalter deutlich zu. Bei fünf Jahre alten Fahrzeugen werden 5,2 Prozent beanstandet, bei zehnjährigen bereits acht Prozent. "Austretendes Öl belastet die Umwelt und kann bei einem Unfall brandbeschleunigend wirken", warnt Goebelt.
Beleuchtungsmängel sind noch häufiger. Die Mängelquote an der hinteren Beleuchtung liegt nach fünf Jahren bei 6,7 Prozent und steigt nach zehn Jahren auf 11,3 Prozent. "Beleuchtungsmängel sind ein häufig unterschätztes Risiko. Sehen und gesehen werden ist für die Verkehrssicherheit essenziell. Mit regelmäßigen Kontrollen der Halter und Flottenbetreiber ließen sich viele dieser Mängel deutlich reduzieren", sagt Goebelt.
Achsaufhängungen verschleißen ebenfalls mit dem Alter: von 1,5 Prozent Mängelquote bei fünfjährigen Fahrzeugen auf fünf Prozent bei zehnjährigen. "Schäden an der Achsaufhängung können die Fahrstabilität beeinträchtigen und im Extremfall dazu führen, dass Fahrerinnen und Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren", sagt Goebelt.
Elektro-Transporter: Noch kein klares Bild
Erstmals sind drei Elektro-Transporter im TÜV-Report vertreten – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Im Ranking der ein bis zwei Jahre alten Fahrzeuge belegt der Peugeot E-Expert mit 8,4 Prozent Mängelquote den fünften Platz; der Mercedes E-Vito liegt mit 19,7 Prozent auf dem vorletzten Platz unter 27 Transportern. Auffällig sind beim E-Vito überdurchschnittlich viele Mängel an der Feststellbremse, den Antriebswellen und am Abblendlicht.Bei den drei bis vier Jahre alten Fahrzeugen bildet der Streetscooter mit 26,4 Prozent das Schlusslicht.
"Für eine Bewertung der technischen Zuverlässigkeit von Elektro-Transportern insgesamt reichen die Ergebnisse noch nicht aus", sagt Goebelt.
Chinesischer Transporter fällt massiv durch
Erstmals ist mit dem Maxus Deliver 9 des chinesischen Konzerns SAIC Motors ein Fahrzeug chinesischer Herkunft in der Auswertung. Das Ergebnis ist deutlich: Gut jeder dritte Deliver 9 (33,6 Prozent) der ein bis zwei Jahre alten Fahrzeuge fällt bei der HU durch – besonders wegen Mängeln an der Bremsanlage und der Beleuchtung. "Das ist in dieser Altersklasse ein extrem hoher Wert", sagt Goebelt.
Elektroantrieb gewinnt an Fahrt – Ladeinfrastruktur bleibt Hürde
Der Anteil reiner Elektrofahrzeuge an den Neuzulassungen bei Nutzfahrzeugen stieg von Januar bis Juli 2026 auf 13 Prozent – gegenüber 8,7 Prozent im Vorjahreszeitraum. Für Handwerksbetriebe, die einen Umstieg erwägen, bleiben zwei Hürden: die noch deutlich höheren Anschaffungspreise und der fehlende Ausbau der Ladeinfrastruktur. Ein neues Förderprogramm des Verkehrsministeriums stellt eine Milliarde Euro zur Verfügung, um die Ausrüstung von Fuhrparkdepots und den Aufbau von Megawatt-Ladern an Raststätten zu beschleunigen. fre
Grundlage des TÜV-Reports Nutzfahrzeuge 2026 sind rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen der Jahre 2024 und 2025. Die Ergebnisse werden für vier Gewichtsklassen ausgewertet: leichte Transporter bis 3,5 Tonnen, leichte Lkw von 3,5 bis 7,5 Tonnen, mittelschwere Lkw von 7,5 bis 18 Tonnen sowie schwere Lkw ab 18 Tonnen.