Eine aktuelle Umfrage offenbart den tiefen Frust im Gebäudereiniger-Handwerk. Die Betriebe leiden unter dem Verwaltungsaufwand – und wünschen sich sogar die klassische Krankmeldung zurück.

Negative Prognosen, Ärger über Bürokratie: das ist die Kurzzusammenfassung der Herbstumfrage im Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks. Denn neben einem verhaltenen Geschäftsausblick macht dem Gebäudereiniger-Handwerk vor allem der zunehmende bürokratische Aufwand in den eigenen Verwaltungen zu schaffen. "Es ist alarmierend, dass sich der Arbeitstag unserer Beschäftigten in den Firmenzentralen zu einem Drittel nur um Bürokratiebewältigung dreht", sagte Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich. Rund ein Fünftel der befragten Betriebe* gibt sogar an, etwa die Hälfte der Arbeitszeit in der Verwaltung für Bürokratie aufzuwenden. "Wir wollen gestalten statt verwalten", erklärt Dietrich und fordert Abhilfe.
Zusätzliche Bürokratie erfordert oft mehr Personal
Von den befragten Unternehmen gaben 62 Prozent sogar an, für die Bewältigung der Bürokratievorgaben zusätzliches Personal eingestellt zu haben. Der Auftrag an die Politik ist nach den Worten Dietrichs klar: "Dinge vereinfachen, im Zweifel weg mit unnützen Regularien und bitte digital, wann immer das sinnvoll und möglich ist", forderte er. Allerdings sei der Glaube der befragten Betriebe an einen deutlichen Bürokratieabbau eher gering, heißt es.
Mehr Unternehmen rechnen 2026 mit schlechteren Geschäften
Mit Blick auf die Konjunktur zeigt die Umfrage, dass sich die Gefühlslage zum negativen verändert hat:
- nur 23,1 Prozent der befragten Unternehmen blicken positiv auf das Geschäftsjahr 2025. Im Frühjahr waren es noch 24,3 Prozent. Für 2026 sind es sogar nur 19,4 Prozent.
- Eine Mehrheit geht von gleichbleibenden Geschäften für 2025 aus. Im Herbst gaben dies 52,6 Prozent an, im Frühjahr 48,2 Prozent. Für 2026 sagen das nur 41,7 Prozent.
- Eine negative Geschäftsentwicklung für 2025 erwarten 24,3 der Befragten. Vor wenigen Monaten waren es 27,5 Prozent. Für 2026 liegt der Wert bei 38,9 Prozent.
Sonderumfrage benennt bürokratischen Mehraufwand
Darüber hinaus wollte der Verband in einer Sonderumfrage von den Unternehmen wissen, welche bürokratischen Anforderungen sie im Betriebsalltag besonders belasten. An oberster Stelle stehen dabei arbeitsschutzrechtliche Unterweisungen. Hier beklagen die Befragten den immer komplexeren Dokumentations- und Bewertungsaufwand. Verärgert sind sie auch über die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für Beschäftigte, die Prüfung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bei Nicht-EU-Bürgern, die Nachhaltigkeitsberichterstattung, den Datenschutz sowie wiederkehrende Statistikpflichtangaben.
Viele wünschen sich die gelben Papierzettel zurück
Gerade bei der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zeigt die Umfrage, dass Digitalisierung den Aufwand nicht unbedingt minimiert. "Das System trägt Unmut, Zeitaufwand und Stress in die Betriebe, sodass sich die Branche absurderweise nach den gelben Papierzellen zurücksehnt", sagte Dietrich. Der Grund: Geht der Beschäftigte zum Arzt, meldet dieser den Krankheitsfall zwar der Krankenkasse, doch anders als früher erfährt das Unternehmen davon erst einmal nichts. Vielmehr muss die Personalstelle die Krankmeldung und deren Dauer aktiv bei der Krankenkasse abrufen. Dabei reiche der erste Abruf oft nicht, da die digitalen Daten erst nach ein paar Tagen den Kassen vorlägen. "Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht", so Dietrichs Fazit.
* An der Online-Umfrage haben im Oktober 2025 bundesweit knapp 300 Mitgliedsbetriebe des Bundesinnungsverbands teilgenommen.