"Jamaika-Aus" ist Wort des Jahres Die Top Ten 'Wörter des Jahres' 2017

"Jamaika-Aus" ist das Wort des Jahres. Das gab die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden bekannt. In die Top Ten hat es auch ein dänisches Wort geschafft. Die Platzierungen im Überblick.

"Jamaika-Aus" ist Wort des Jahres 2017. - © picture alliance / Frank Rumpenhorst/dpa

"Jamaika-Aus" ist zum Wort des Jahres 2017 gekürt worden. Der Begriff stehe nicht nur für die schwierige Regierungsbildung, sondern sei auch sprachlich interessant, erklärte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden. Nicht nur der Landesname Jamaika habe eine neue Bedeutung angenommen, sondern auch die Aussprache wurde eingedeutscht: Nachdem die englische Lautung "Dschamäika" bereits seit langem zu "Dschamaika" geworden war, hört man am Wortanfang anstelle von "Dsch" heute zunehmend auch ein "J" wie in "Jahr". – Mit der Substantivierung das Aus wird umgangssprachlich auf das Ende, das Scheitern von etwas verwiesen; die Zusammensetzung Jamaika-Aus bringt somit prägnant den komplexen Sachverhalt ›Abbruch der Sondierungsgespräche für eine schwarz-gelb-grüne Koalition‹ zum Ausdruck, erkärte die GfdS.

Auf dem zweiten Platz landete "Ehe für alle", dahinter "#MeToo". In die Liste schaffen es Begriffe, die nach dem Urteil der Sprachexperten für 2017 gesellschaftlich und politisch besonders relevant sind. Die Häufigkeit der Wörter ist weniger entscheidend.

"Ehe für alle" und "#MeToo" erhalten Silber und Bronze

"Ehe für alle" beschreibt die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Dabei könne der Ausdruck auch falsch interpretiert werden, denn "alle" würde ja beispielsweise auch Kinder umfassen, sagte der GfdS-Vorsitzende Peter Schlobinski. Die Bedeutung des Begriffs "Ehe" sei mit der neuen Regel erweitert worden.

Mit dem Internet-Schlagwort "#MeToo" prangern Frauen weltweit sexuelle Übergriffe an. Auslöser für die Kampagne im Herbst 2017 waren Vorwürfe gegen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein. Die Opfer wollten auf das Ausmaß des Problems aufmerksam machen, erklärte die GfdS.

Auf den weiteren Plätzen der Zehner-Liste landeten unter anderem "Obergrenze", "Diesel-Gipfel" und "Videobeweis". Auch ein Begriff ohne erkennbare Bedeutung ist darunter: "covfefe". US-Präsident Donald Trump nutzte das Wort in einem Tweet.

Platz 10 belegt das aus dem Dänischen eingedeutschte " hyggelig" (dänisch hygge ›gemütlich, angenehm, nett‹). Zur Begründung heißt es bei der Gesellschaft für Deutsche Sprache: "Das Wort steht ursprünglich im Zusammenhang mit skandinavischer Lebensart und ist in Deutschland mittlerweile für ein Lebensgefühl verwendet wird; es kann als Beleg dafür dienen, dass auch aus anderen Sprachen als aus dem Englischen Wörter ins Deutsche übernommen werden."

Die Top Ten "Wörter des Jahres" 2017

  1. Jamaika-Aus
  2. Ehe für alle
  3. #MeToo
  4. covfefe
  5. Echokammer
  6. Obergrenze
  7. Diesel-Gipfel
  8. Videobeweis
  9. "Denkmal der Schande"
  10. hyggelig

So wird das Wort des Jahres gewählt

Die Jury wählt Begriffe aus, die laut GfdS "den sprachlichen Nerv des Jahres treffen und einen Beitrag zur Zeitgeschichte leisten". Das "Wort des Jahres" wurde erstmals 1971 und seit 1977 regelmäßig gekürt. Mit der Liste sei "keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden", sagen die Sprachforscher.

Eine Jury, bestehend aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft und ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern, erstellt am Jahresende eine Rangliste mit zehn Wörtern, an deren Spitze das "Wort des Jahres" steht. Mehr als tausend Vorschläge sammelt die Gesellschaft für deutsche Sprache Jahr für Jahr - aus Medienberichten oder privaten Einsendungen.

Bei der Entscheidung geht es letztendlich darum, "den sprachlichen Nerv des Jahres zu treffen", wie die Gesellschaft sagt. In den vergangenen Jahren wurden "postfaktisch", "Flüchtlinge", "GroKo", "Rettungsroutine", "Stresstest" oder "Wutbürger" zu den Wörtern des Jahres gewählt.

dhz