Edelmetalle Ist Gold die beste Krisenwährung?

Hohe Inflation, drohende Rezession, Zukunftsängste: In diesem Umfeld sehnen sich Anleger nach Sicherheit. Das bedeutet Hochkonjunktur für die Goldindustrie und ihre Fans, die seit Jahren den Mythos vom Gold befeuern als einzig wahren Rettungsanker in wirtschaftlicher Not. Doch ist dem wirklich so?

Momentan kostet die Förderung einer Feinunze Gold rund 1.400 Dollar. - © Olivier Le Moal - stock.adobe.com

Gold ist eine Krisenwährung. Die Marketingexperten der Goldindustrie malen für dieses Argument gerne ein Horrorszenario an die Wand, in dem das aktuelle Geldsystem zusammenbricht. Diese Möglichkeit lässt sich nicht ausschließen, ist meiner Meinung nach aber zumindest kurz- und mittelfristig höchst unrealistisch. Insofern ist die Anlage eines kleinen Vermögensteils in Gold eher wie eine Versicherungsprämie zu betrachten, für den unwahrscheinlichen Fall des Falles.

Produktionskosten entscheiden

Wenn Gold nicht mit traditionellen Methoden nach Substanz und/oder Ertrag bewertet werden kann, sehe ich den einzig greifbaren Orientierungspunkt für die Wertermittlung in den Produktionskosten. Ganz emotionslos betrachtet ist damit das Kurspotenzial des Edelmetalls in beide Richtungen limitiert. Wenn der Goldpreis deutlich über die Gesamtkosten der Metallgewinnung steigt, wird das Angebot zunehmen und der Goldpreis in der Folge wieder fallen. Wenn der Goldpreis stärker fallen sollte, käme es bei den Goldminen zu Verlusten. Sie würden in der Folge den Abbau einschränken. Weniger Angebot würde den Goldpreis stabilisieren.

Eine natürliche Untergrenze

Das zeigen die Daten aus der Vergangenheit. Im Jahr 2000 lagen die Gesamtkosten für die Förderung bei etwa bei 270 Dollar. Der Goldpreisverfall zwischen 1980, als der Höchststand bei 850 Dollar lag, und dem Jahr 2000 wurde etwa genau auf diesem Niveau gestoppt. Wegen der globalen Finanzkrise notierte das Edelmetall elf Jahre später bei 1.800 Dollar. Weil sich Rohstoffe und insbesondere Öl stark verteuerten, stiegen die Kosten der Minen bis 2011 auf fast 1.500 Dollar pro Unze.

Nach 2011 schöpften die Anleger wieder Mut und kauften lieber Aktien. Der rund 40-prozentige Preisrückgang endete im Jahr 2015 wieder etwas über den Gesamtkosten der Minenindustrie. Die Förderung von Gold wurde bis 2015 stark reduziert, gleichzeitig fielen die Förderkosten durch die Schließung unrentabler Minen und rückläufiger Energiekosten auf etwas über 1.000 Dollar. In schwachen Goldjahren bildeten diese Gesamtkosten also immer die Preisuntergrenze. Selbst in Übertreibungsphasen war in der Vergangenheit meist bei einem Aufschlag von 50 Prozent zu den All-In-Kosten der Hochpunkt erreicht. Genauso wird Gold nie längere Zeit unter die Kosten der Goldindustrie fallen.

Ausblick in die Zukunft

Im Moment kostet die Förderung einer Feinunze Gold rund 1.400 Dollar. Da Energie und Arbeit teurer werden, dürften die Produktionskosten 2023 auf rund 1.500 Dollar pro Unze steigen. Die Preisspanne dürfte 2023 demnach zwischen 1.500 und 2.100 Dollar pro Unze liegen. Einen Anstieg weit über die Höchstmarken der Vergangenheit halte ich aktuell für unwahrscheinlich. Wer immer in der Nähe der Gesamtkosten der Goldindustrie einkauft, macht mittelfristig nicht viel falsch.

Selbst wenn Gold langfristig die Aktienanlage inflationsbereinigt nicht schlagen konnte, sollte man es wie die Notenbanken machen und einen kleinen Teil des Vermögens in Gold als Reserve für den wirklichen Ernstfall halten.

Zum Autor: Gottfried Urban ist Geschäftsführer der Urban & Kollegen GmbH in Altötting.