Gestiegene Material- und Energiekosten infolge des Iran-Kriegs treffen eine Branche, die sich gerade erst zaghaft erholt hatte. Für 2026 erwartet die Bundesvereinigung Bauwirtschaft nur ein Mini-Plus von 0,3 Prozent – und einen Rückgang der Beschäftigten.

Der Iran-Krieg und seine Folgen bremsen die Baukonjunktur aus. "Von einem Ende der Talsohle kann noch keine Rede sein", sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, Marcus Nachbauer. "Die zaghaften Erholungssignale des vergangenen Jahres treffen nun auf eine neue außenwirtschaftliche Belastung", erklärte er. Zu schaffen machten den Unternehmen vor allem die gestiegenen Material- und Energiekosten. Für 2026 rechnet die Bundesvereinigung mit einem kleinen nominalen Plus von 0,3 Prozent auf 433,2 Milliarden Euro.
Nicht alle Betriebe können höhere Preise weitergeben
Die Sperrung der Straße von Hormus hat nach den Worten Nachbauers die Energie- und Rohstoffmärkte erfasst. Bitumen, Zement, Kunststoffe und Diesel seien binnen Wochen spürbar teurer geworden. Gut drei Viertel der Betriebe meldeten höhere Materialpreise. Rund 43 Prozent der Betriebe hätten die Preise schon erhöht, weitere 55 Prozent planten dies. Allerdings könnten nicht alle Betriebe die höheren Preise weitergeben, was die Ertragslage schmälere. Die Zahl der Beschäftigten dürfte den Angaben zufolge 2026 um 0,3 Prozent auf 3,76 Millionen zurückgehen.
Bundesvereinigung fordert entschlossenes Handeln im Inland
Daneben wird die Baukonjunktur hierzulande durch die zögerliche Reformpolitik ausgebremst. "Die Lage wäre auch ohne Golfkrieg durchwachsen", sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Bauwirtschaft. "Wenn nicht bald etwas passiert, könnte es noch schlechter werden“, warnte Nachbauer. Im Wohnungsbau seien etwa bessere Förderbedingungen nötig. Auch müsse der Gebäude-Typ E schneller kommen.
Sondervermögen muss schneller umgesetzt werden
Darüber hinaus fordert die Bundesvereinigung eine schnellere Umsetzung des Sondervermögens Infrastruktur. Auch dürfe nach den Worten Nachbauers das Infrastruktur-Zukunftsgesetz, das dem Bau von Straßen, Brücken, Schienen und anderen Infrastrukturprojekten ein überragendes öffentliches Interesse einräumt, nicht dadurch verwässert werden, dass der Schutz von Mooren, Auen oder Biotopen ebenfalls diesen Status erhalten solle. Ansonsten laufe "der Beschleunigungseffekt ins Leere", warnt er.
Leichtes Plus in der Gebäudetechnik
Mit Blick auf die einzelnen – in der Bundesvereinigung Bauwirtschaft vertretenen – Sparten sind unterschiedliche Entwicklungen zu verzeichnen. So wird im Bauhauptgewerbe und dem Garten- und Landschaftsbau für 2026 mit einem leichten Rückgang von nominal 0,7 Prozent auf 145 Milliarden Euro gerechnet. In der Gebäudetechnik wird ein Plus von 1,3 Prozent auf 181,4 Milliarden Euro prognostiziert.
Wohnungsbau bleibt größtes Sorgenkind
Die Ausbauhandwerke wie Stuckateure, Fliesenleger und Maler erwarten unter dem Strich ein leichtes Umsatzminus von 0,2 Prozent auf rund 107 Milliarden Euro. Dabei meldete das Tischlerhandwerk robuste Perspektiven, während die Malerbetriebe weniger Aufträge im Privatkundengeschäft erwarteten. Größte Baustelle ist dem Verband zufolge der Wohnungsbau. "Der Wohnungsbau muss endlich wieder in Fahrt kommen", sagte Nachbauer. 206.000 fertiggestellte Wohnungen seien bei einem Bedarf von 400.000 pro Jahr viel zu wenig.