Eine deutlich verschlechterte Stimmungslage meldet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in ihrer Frühjahrsumfrage unter 1.246 Handwerksunternehmen. Höher sei die Zahl der Pessimisten zuletzt in der Finanzkrise 2009 gewesen.

Die Rezession in Deutschland hinterlässt auch im Handwerk tiefe Spuren. Die Zahl der Insolvenzen von Handwerksbetrieben sei im vergangenen Jahr um ein Viertel auf 4050 gestiegen, teilte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Donnerstag auf der Handwerksmesse in München mit. Die Investitionsbereitschaft im Handwerk sei "so gering wie seit 20 Jahren nicht mehr". Nur noch 41,5 Prozent der im Januar und Februar von Creditreform befragten Betriebe planten Investitionen.
Mehrheit der Betriebe rechnet mit Umsatzeinbußen
"Kostensteigerungen, politische Unwägbarkeiten und das Ende des Baubooms führten zu einer historischen Verschlechterung der Stimmungslage", sagte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. Nur noch 55 Prozent der befragten Handwerksbetriebe beurteile die eigene Geschäftslage positiv – das sei der niedrigste Wert seit mehr als zehn Jahren. Eine Mehrheit der Betriebe rechne mit real schrumpfenden Umsätzen und melde sinkende Beschäftigtenzahlen. Einzig das Kfz-Handwerk habe eine Verbesserung der Geschäftslage gemeldet.
Nur knapp ein Viertel (24,2 Prozent) der Befragten rechne dieses Jahr mit einem Umsatzplus (Vorjahr: 33,3 Prozent). 27,2 Prozent erwarten sinkende Umsätze. "Die meisten erwarten Umsatzeinbußen angesichts der schlechten Rahmenbedingungen", so Hantzsch. Die Politik müsse Vertrauen und Planbarkeit wieder herstellen. Sichtbarstes Zeichen sie die geringe Investitionsbereitschaft.
Finanzierungskonditionen haben sich weiter verschärft
Dementsprechend niedrig ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen das Interesse an Finanzierungen. Nur noch 21 Prozent der Betriebe hätten in den letzten sechs Monaten ein Darlehen beantragt, teilte Creditreform mit. Vor der Zinswende (2021) habe der Anteil noch bei 32,7 Prozent gelegen. Auch die Verschärfung der Finanzierungsbedingungen und gestiegene Zinsen bremsten die Investitionsneigung. Gut die Hälfte der befragten Betriebe berichte von einer Verschlechterung der Finanzierungskonditionen. Bei 13,6 Prozent der Antragsteller sei der Kreditantrag abgelehnt worden.
Damit hätten sich allerdings die Eigenkapitalquoten verbessert. Der Anteil der Betriebe mit einer niedrigen Eigenkapitalquote (unter 10 Prozent) habe sich von 34,1 auf 32 Prozent verringert. Inzwischen weisen 25,9 Prozent der Befragten eine Quote von mehr als 30 Prozent auf. Vor Corona lag die Quote noch bei 22,8 Prozent. "Das deutet auf eine höhere Stabilität und Finanzierungssicherheit hin, aber auch auf große Vorsicht, sich finanziell nicht zu übernehmen", sagte Hantzsch.
Bei der Zahl der Insolvenzen folge das Handwerk dem gesamtwirtschaftlichen Trend. "Die Belastungen der zurückliegenden Jahre seit Beginn der Pandemie haben sich kumuliert und führen seit nunmehr zwei Jahren zu einem Anstieg der Insolvenzen", sagt Hantzsch. Viele Betriebe hätten Kostensteigerungen nicht mehr ausgleichen können. Der schwache Konsum und Auftragsrückgänge seien zusätzliche Belastungen.
Betriebe stellen weniger Leute ein
Infolgedessen ist auch die Zahl der Beschäftigten im Handwerk in den vergangenen Monaten geschrumpft. Laut Creditreform sei das zuletzt 2009 und 2010 der Fall gewesen. Die Einstellungsbereitschaft der Betriebe habe unter der schlechteren Auftragslage gelitten. Fast ein Viertel der Befragten (23,5 Prozent) habe gesunkene Mitarbeiterzahlen gemeldet (Vorjahr 17,9 Prozent). Dennoch habe etwa jeder fünfte Handwerksbetrieb das Personal aufgestockt. Als arbeitsintensiver Sektor bleibe das Handwerk auf Fachkräfte angewiesen. Dementsprechend planen 20,6 Prozent der Befragten eine Aufstockung. Bei gleichzeitig weniger Ausbildungsabschlüssen und der Verrentung vieler Leistungsträger würden die Kapazitäten im Handwerk weiter verknappt.
Zunehmend überlastet fühlten sich die Handwerksbetriebe von den wachsenden staatlichen Auflagen und Pflichten. Das lasse weniger Zeit für die Auftragsbewältigung, sagten 79 Prozent der von Creditreform befragten 1246 Handwerksunternehmen. Die Folge seien auch höhere Preise und längere Wartezeiten für Kunden. fm/dpa