Steuerlast reduzieren Investitionsabzugsbetrag: Steuertipps für Handwerker

Der Investitionsabzugsbetrag ist eines der letzten echten Steuersparmodelle, die das Einkommensteuergesetz Handwerksunternehmern bietet. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Plus: Zwei Steuertipps, damit der Betriebsausgabenabzug klappt.

Dynamische Fahrt von einem Kleintransporter.
Der Investitionsabzugsbetrag kann auch beim Kauf eines neuen Transporters genutzt werden. - © th-photo - stock.adobe.com

Voraussetzungen für Investitionsabzugsbetrag

Der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 5 Einkommensteuergesetz (EStG) gibt einem selbstständigen Handwerker die Möglichkeit, seinen Gewinn zu mindern, ohne einen Cent auszugeben. Abzugsfähig sind 50 Prozent der voraussichtlichen betrieblichen Investitionskosten, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Es muss sich um bewegliche Wirtschaftsgüter handeln (z.B. Maschine, Möbel, Werkzeug).
  • Es sind geplante Investitionen innerhalb der nächsten drei Jahre begünstigt.
  • Der Gewinn des Jahres, in dem der Investitionsabzugsbetrag abgezogen werden soll, darf vor dem Abzug nicht mehr als 200.000 Euro betragen.
  • Im Jahr des Kaufs und im Jahr danach muss der Unternehmer nachweisen, dass der Gegenstand insgesamt zu mindestens 90 Prozent für betriebliche Zwecke genutzt wird.
  • Die Gegenstände, deren Kauf geplant ist, müssen im Jahr des Kaufs und im Jahr danach im Betrieb genutzt oder vermietet werden.

Beispiel: Die selbstständige Malerin Erna Huber plant im Jahr 2025 den Kauf eines neuen Transporters für 60.000 Euro netto. Ihr Gewinn im Jahr 2022 betrug 180.000 Euro. Folge: Sie kann bereits bei der Gewinnermittlung einen Investitionsabzugsbetrag von 30.000 Euro abziehen (voraussichtliche Investitionskosten 60.000 Euro x 50 Prozent).

Steuertipp 1: Musterprozess zur Gewinnobergrenze

Zur Frage, wie die Gewinnobergrenze von 200.000 Euro zu ermitteln ist, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Deshalb läuft derzeit ein Musterprozess beim Bundesfinanzhof (BFH, Az. X R 14/23). Hintergrund ist die Frage, ob der Steuerbilanzgewinn maßgeblich ist oder der um abzugsfähige und nicht abzugsfähige Aufwendungen bereinigte Gewinn.

Beispiel: Ein selbstständiger Bäcker hat mit seinem Betrieb im Jahr 2022 einen Steuerbilanzgewinn von 199.000 Euro erzielt und möchte deshalb für geplante Investitionen einen Investitionsabzugsbetrag abziehen. In diesem Steuerbilanzgewinn stecken jedoch Ausgaben für Gewerbesteuerzahlungen von 10.000 Euro (= nicht abziehbare Betriebsausgabe) und 30 Prozent nicht abziehbare Bewirtungskosten in Höhe von 600 Euro.

Ermittlung der Gewinngrenze 2022

 So rechnen UnternehmerSo rechnet das Finanzamt
Steuerbilanzgewinn 2022199.000 Euro199.000 Euro
Korrekturen0 Euro+10.800 Euro
Maßgeblicher Gewinn 2022 für § 7g EStG199.000 Euro209.800 Euro
Abzug eines Investitionsabzugsbetrags möglichjanein

Praxis-Tipp: Liegt der Steuerbilanzgewinn also unter 200.000 Euro und mit Korrekturen über 200.000 Euro und es soll ein Investitionsabzugsbetrag geltend gemacht werden, empfiehlt es sich, gegen einen nachteiligen Steuerbescheid Einspruch einzulegen und mit Hinweis auf den Musterprozess beim Bundesfinanzhof ein Ruhen des Einspruchsverfahrens nach § 363 Abs. 2 Satz 2 Abgabenordnung zu beantragen. Die Chancen, dass der Bundesfinanzhof zugunsten der Unternehmer entscheidet, stehen gar nicht so schlecht. Bereits in der Vorinstanz haben sich die Richter auf die Seite der Unternehmer gestellt (FG Baden-Württemberg, Urteil v. 2.5.2023, Az. 10 K 1873/22).

Steuertipp 2: Korrekturen im Rahmen einer Betriebsprüfung

Die Frage zur Ermittlung der Gewinngrenze von 200.000 Euro zu Steuertipp 2 kann auch bei laufenden Betriebsprüfungen eine Rolle spielen. Es kann durchaus vorkommen, dass ein selbständiger Handwerker in den vergangenen Jahren Investitionsabzugsbeträge vom Gewinn abgezogen hat. Stößt der Betriebsprüfer im Rahmen seiner Prüfung auf nicht abzugsfähige Betriebsausgaben, kann es passieren, dass dadurch der Gewinn auf einen Schlag über 200.000 Euro steigt und die Voraussetzungen für den Investitionsabzugsbetrag rückwirkend entfallen.

Praxis-Tipp: Auch hier empfiehlt es sich, unter Hinweis auf das Musterverfahren beim Bundesfinanzhof Einspruch einzulegen und das Ruhen des Einspruchsverfahrens zu beantragen. Das Ruhen des Einspruchsverfahrens ist wichtig, da das Finanzamt ansonsten über den Einspruch im Rahmen einer Einspruchsentscheidung entscheiden muss. Gegen diese Einspruchsentscheidung könnte der Unternehmer dann nur noch mit einer Klage vorgehen. Das Ruhen des Einspruchsverfahrens verhindert dies. Das Finanzamt prüft den Einspruch erst wieder, wenn der Bundesfinanzhof in dem Musterverfahren entschieden hat.