Geldanlage in ökologische Fonds gilt langfristig als sicher
Von Elke Pohl
Investieren mit gutem Gewissen
Immer mehr Anlegern genügt die Rendite nicht als Auswahlkriterium für ein Investment. Angesichts zunehmender Umweltprobleme, sozialer Spannungen und politischer Krisen will man sicher sein, dass das sauer Verdiente nicht Projekten zugutekommt, die den eigenen Anschauungen widersprechen. Daher boomt der Markt der „nachhaltigen“, „ethischen“, „ökologischen“ oder „grünen“ Investments seit einigen Jahren. Der Grundgedanke ist alles andere als weltfremd: Unternehmen, die in Umwelttechnik investieren und sich langfristig auf den Klimawandel vorbereiten, sind wirtschaftlich im Vorteil. Insofern bedeutet ein Investment in diese Unternehmen nicht nur, dass man einen eigenen Beitrag zum Umweltschutz leistet, sondern auch, dass das Geld zumeist gut angelegt ist.
Allerdings ist auch beim grünen Investment wie überall im Finanzbereich Vorsicht geboten. Nicht alles, was sich grün nennt, ist es auch. Wo es eine positive Entwicklung gibt, versuchen auch Trittbrettfahrer und schwarze Schafe ihren Reibach zu machen. Ein Beispiel, über das die Zeitschrift „FINANZtest“ in ihrer Februar-Ausgabe berichtete, ist die Hamburger EECH-Gruppe. Das Emissionshaus wollte 25 Millionen Euro Anlegergeld für Genussscheine einsammeln und in Solarenergieanlagen investieren. Nur ein Bruchteil des Geldes wurde wirklich in Umweltprojekte investiert. Tipp: Allen interessierten Anlegern wird empfohlen, vor einem Engagement die „Warnliste“ mit dubiosen Anlagefirmen unter www.test. de/warn-liste anzuschauen (kostet 2,50 Euro) und ungedingt die Hände von den dort Genannten zu lassen. Wer mit dem Gedanken spielt, in den Umweltschutz zu investieren, sollte sich zunächst darüber klar werden, welchen Beitrag Unternehmen leisten, um den Umweltproblemen zu begegnen. Zum einen versuchen sie, dem Ausstoß von Kohlendioxid oder anderen umweltschädlichen Gasen und Stoffen zu begegnen, etwa durch alternative erneuerbare Energien. Andere bemühen sich darum, die Energieeffizienz zu steigern, entweder im eigenen Unternehmen oder durch Produkte, die anderen Firmen dabei helfen sollen. Die dritte Möglichkeit besteht darin, sich geschäftlich an den Klimawandel anzupassen. Empfehlenswert ist es, in mehrere Lösungen zu investieren. Finanzexperte Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Hessen rät zudem, nicht das gesamte verfügbare Geld in Nachhaltigkeitsfonds zu stecken, da solche einseitigen Investments generell gefährlich sind. Mai: „Wenn in der Branche irgendetwas nicht so läuft wie gewünscht, dann ist das ganze Kapital hier gebunden. Ich wäre sehr vorsichtig, zu viel Geld auf ein Pferd zu setzen.“
Anlagen sind vielfältig
Die Möglichkeiten, als Privatanleger echte „grüne“ von so genannten „grau-grünen“ Investments, die oft den Umweltschutz nur als Aushängeschild benutzen, zu unterscheiden, sind sehr gering. Der Markt ist intransparent. Ein Qualitätssiegel wie bei anderen Bio- oder umweltverträglichen Produkten gibt es nicht. Jedes Unternehmen bestimmt im Prinzip selbst, was es unter ökologisch oder nachhaltig versteht, einheitliche Kriterien wurden bisher nicht definiert. Anhaltspunkte bietet der so genannte NAI-Index (Natur-Aktien-Index), der 30 internationale Unternehmen umfasst, die nach besonders konsequenten Maßstäben als erfolgreiche Ökovorreiter ausgewählt werden. Der seit 1997 bestehende Index gilt als Orientierung für grüne Geldanlagen. Werden die ökologischen oder ethisch-sozialen NAI-Kriterien nicht mehr erfüllt, müssen Titel aus dem NAI genommen werden. Daneben erstellt die UmweltBank wöchentlich den UmweltBank-AktienIndex (UBAI), der die Kursentwicklung des Umwelt-Aktienmarktes im deutschsprachigen Raum aufzeigt. Man sollte sich darüber klar werden, ob man reinrassige „dunkelgrüne“ Anlagen bevorzugt oder ob etwa schon ein Produkt genügt, bei dem das Geld nicht in Rüstung fließt (siehe Liste „Anlagemöglichkeiten“ rechts).
Neben Ökofonds gibt es weitere grüne Anlagemöglichkeiten, sie umfassen im Prinzip die gesamte Bandbreite der Finanzdienstleistungsprodukte. Neben den risikoarmen Sparbriefen, Sparkonten und Festgeldern, die es sowohl bei herkömmlichen Banken und Sparkassen als auch bei speziell auf nachhaltige Produkte spezialisierten Banken gibt und die marktüblich verzinst werden, können auch grüne Rentenpapiere gekauft werden. Das können zum Beispiel Anleihen von öffentlichen Körperschaften sein, die damit etwa die Abwasserinfrastruktur modernisieren. Nachhaltige Kapitallebens- und Rentenversicherungen beachten ähnlich wie Fonds eine Reihe von Ausschlusskriterien oder kaufen Anteile an Nachhaltigkeitsfonds.
Zu den bekanntesten Banken in Deutschland, die sich auf grünes Investment spezialisiert haben, zählen die Ethikbank (www.ethikbank.de), die Umweltbank (www.umweltbank.de) und die GLS Gemeinschaftsbank (www.gls.de). Darüber hinaus erheben Finanzdienstleister wie Versiko AG (www.versiko.de) und ProVita GmbH (www.provita-gmbh.com) sowie oeco capital (www.oeco-capital.de, Lebens-, Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen) den Anspruch auf Nachhaltigkeit in der Geldanlage. Beispiel Ethikbank: Hier angelegte Gelder werden nach Aussage der Bank nur in Staatsanleihen von Ländern investiert, die nach einem strengen sozialökologischen Rating zu den überdurchschnittlichen OECD-Staaten gehören. Aktien und Industrieanleihen werden nur von Unternehmen gekauft, die eine Liste von Standards erfüllen. Dazu zählen etwa eine nachhaltige Umweltpolitik sowie Gleichberechtigung der Mitarbeiter und Personalentwicklung.
Weitere Informationen: www.oeko-invest.de, www.ecoreporter.de, www.forum-ng.de,
www.nachhaltiges-investment.org
