Es drohen lange Laufzeiten für wenig Gewinn. Trotzdem lohnen sich Investitionen mit 50plus durchaus, um später neben der Rente genügend Geld auf der Seite zu haben.
Michael Sudahl

Dachdeckermeister Hans P. hat es geschafft, seinen Handwerksbetrieb in 20 Jahren zur ersten Anlaufstelle bei Problemen rund ums Dach zu etablieren. Trotzdem belastet ihn ob sein eigener Wohlstand im Alter anhält. Denn seit ihm sein Freund "Noch rund 15 Jahre dann hast's geschafft!" auf seiner eigenen Geburtstagsparty zum 50sten ins Ohr grölte, ist ihm eines klar geworden: Nur noch 15 Jahre.
So lang ist die Frist, Geld rentabel anlegen zu können, um neben der Rente was auf der Seite zu haben. Bis jetzt ist nämlich mehr Euro in Betrieb und Haus geflossen. Doch was lohnt sich tatsächlich noch in Zeiten mit der Null vor dem Komma beim Thema Zinsen?
Lange Laufzeiten schrecken ab
Viele Selbstständige schrecken bei der Laufzeit von Investitionen zurück. Denn wie in den rückliegenden Jahrzehnten gesehen, bringen die meisten Anlagen erst nach einigen Jahren die gewünschte Mehrung des Geldes. Wieso sollten sie ihr Geld also 15 Jahre oder länger ungenützt anlegen, nur um dann beim Renteneintritt kaum einen Erfolg erzielt zu haben?
"Grundsätzlich vergessen die meisten Handwerker dabei aber, dass der Großteil des Geldes einen deutlich längeren Anlagezeitraum hat. Wer beispielsweise in Aktien investiert, muss sein Geld nicht nach 15 Jahren abziehen, sondern kann es weiter liegen lassen", weiß der Finanzexperte Niels Nauhauser der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. So könne das Geld durchaus 30 Jahre in den Aktien bleiben – selbst wenn der Rentner es erst ab einem Alter über 50 Jahren angelegt hatte.
Sicherheit oder Gewinnchance
Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Investitionen. Die erste ist die sichere, wenig Gewinn bringende. Für Sicherheitsorientierte sind Zinspapiere wie Tagesgeldkonten und Sparbücher sinnvoll. Bei den meisten "Banken um die Ecke" gibt es für kurzfristige Anlagen bei den Zinssätzen jedoch nicht nur die Null vor dem Komma, sondern auch noch dahinter.
Bei größeren Beträgen lohnt sich also durchaus der Vergleich verschiedener Banken im Web oder der Wechsel zu einer Direktbank. Zumindest eine Fünf nach dem Komma kann der Anleger hier aktuell erwarten. Rund zwei Prozent gibt es nur, wenn das Geld einige Jahre fest angelegt ist.
Die zweite Investitionsart eignet sich vor allem für Menschen mit einem dicken Nervenkostüm. Risikofreudige können durch Aktienkauf durchaus vier Prozent mehr erwarten als ihre sicherheitsorientierten Kollegen. Voraussetzung ist dabei aber, das ständige Auf und Ab an der Börse zu ertragen und nicht schon nach fünf Jahren in Panik auszusteigen.
Zwar kann keiner den Verlauf des Kurses vorhersagen oder garantieren. Doch zeigt die Erfahrung, dass erst nach einer Laufzeit von mindestens zehn Jahren die Chance auf Rendite steigt. Dann treibt die Investition die Altersvorsorge deutlich schneller voran als die risikoarme Alternative. Finanzexperte Nauhauser rät generell zu Aktienindexfonds, um das Risiko zu streuen und die jährlichen Kosten niedrig zu halten.
Geschäftsmodelle sind keine Alternative
Durch Solaranlagen dauerhaft selbst Stromproduzent und somit Unternehmer zu sein, lockt viele zu großen Investitionen. Zwar mag diese Option für das Alter gutes Geld abwerfen. Jedoch vergessen die meisten die großen Risiken, die jeder Unternehmer trägt. Werfen die Solaranlagen weniger ab oder gehen kaputt, ist die Altersvorsorge im Eimer. "Von Investitionen in Geschäftsmodelle, an denen sogar schon große Energiekonzerne pleitegingen rate ich dringend ab", meint Nauhauser. Besser seien sichere Anlagen mit weniger Risiko, um die Altersvorsorge zu stabilisieren.
Riestern nur bedingt geeignet
Ebenso sind zusätzliche (Riester-)Renten nur bedingt geeignet für ein gemütliches Rentnerdasein. Denn das Geld ist ab Renteneintrittsalter nur monatlich verfügbar. Fallen aber größere Kosten wie Reparaturen am Haus an, muss der Senior schlimmstenfalls sogar einen Kredit aufnehmen, um liquid zu sein. Sofort zugängliche Investitionen sind also in den meisten Fällen durchaus sinnvoller. In was der Handwerker aber letztendlich investiert, hängt ganz davon ab, was er mit dem Geld vorhat und in welchen Umständen er lebt.
Wegen niedriger Zinsen ist eine gute Idee, sein Geld der nächsten Generation zu leihen. Etwa, wenn die Kinder ein eigenes Haus bauen wollen. Zwar sind Kreditzinsen aktuell günstig, doch das Darlehen von Papa oder der Tante kann als Familienkredit und damit als Eigenkapital ausgewiesen werden. Dies wiederum erleichtert der Bank die Kreditzusage. Tochter oder Neffen wird das freuen. Das Verwandten-Darlehen sollte man allerdings nicht ohne Vertrag gewähren und es empfiehlt sich, wie eine Bank eine Grundschuld eintragen lassen.