Finanzexperte Franz Falk über Fehler in Kreditverhandlungen, unbelehrbare Banker und den richtigen Umgang mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken.
Steffen Range
Einige Finanzexperten haben die Befürchtung, dass die Bürokratie bald auch auf die Kreditversoregung des Handwerks durschlagen könnte. Franz Falk, Geschäftsführer Management und Technik und betriebswirtschaftlicher Berater bei der Handwerkskammer Region Stuttgart, über Fehler bei Bankverhandlungen, eine mögliche Kreditklemme und Tipps zur Weiterbildung.
DHZ: Herr Falk, wie schwer ist es für Handwerksbetriebe derzeit, einen Kredit zu bekommen?
Falk: Das kommt ganz aufs Unternehmen an. Auf die attraktiven Kunden stürzen sich die Banken, gute Betriebe werden geradezu hofiert und finden teils hervorragende Konditionen vor.
DHZ: Und wie steht es um kleine Betriebe mit nicht so guter Bonitä t?
Falk: Für die wird es schwierig. Das ganz kleinteilige Geschäft mit schwierigen Kunden wird zunehmend uninteressant für die Banken.
DHZ: Viele Betriebe berichten von frustrierenden Erlebnissen bei ihrer Bank...
Falk: Es gibt kein Recht auf Kredit. Das ist noch nicht bei allen angekommen. Ein Kredit ist ein ganz normales Geschäft. Ein Kreditinstitut muss darauf nicht eingehen. Dahinter steckt keineswegs böser Wille. Manche Unternehmer muss man auch vor sich selbst schützen.
DHZ: Welchen Fehler machen Unternehmer bei Kreditverhandlungen?
Falk: Viele Betriebe haben keine brauchbaren Unterlagen. Sie wissen nicht immer, welche Informationen die Bank benötigt. Und sie können zum Beispiel den Nutzen einer Investition nicht präzisieren.
DHZ: Es liegt also an den Betrieben?
Falk: Nicht nur. Einigen Banken fehlt auch der Einblick ins Handwerk, sie verstehen die Geschäftsmodelle nicht immer. Erschwerend kommt hinzu, dass es immer weniger kleine Banken gibt und das Filialnetz im ländlichen Raum ausgedünnt wird. Das ist bedauerlich für das Handwerk, weil gerade Sparkassen und Genossenschaftsbanken wichtige Partner des Handwerks sind.
DHZ: Was raten Sie Unternehmern, um an Kredite zu kommen?
Sie müssen ihre Kommunikation verbessern und kontinuierlich Kontakt zum Kundenberater halten. Sie müssen ihn über Projekte und über das Geschäft auf dem laufenden halten - und nicht nur kommen, wenn sie gerade Geld brauchen. Unterlagen sollten gut geordnet sein. Wer allerdings bisher Vereinbarungen nicht eingehalten hat, hat es auch nicht leichter, ein Darlehen zu erhalten.
DHZ: Täuscht der Eindruck oder ist es komplizierter als vor 20 Jahren, einen Bankkredit zu bekommen?
Das ist tatsächlich so. Das ist einerseits eine Folge der strengeren Regulierung, andererseits sind durch Fusionen aber auch größere Institute entstanden, in denen andere Regeln gelten als in kleinen Banken, bei denen persönliche Kontakte noch eine große Rolle spielen.
DHZ: Sind die Betriebsinhaber überhaupt ausreichend gewappnet, um Kreditverhandlungen zu führen - etwa durch die Meisterschulen?
Ehrlich gesagt ist die Ausbildung heute oft nicht mehr adäquat. Viele Meisterschulen kommen dem nicht mehr nach, was heute in Bankverhandlungen gefordert wird. Eine Vertiefung findet nur auf freiwilliger Basis statt.
DHZ: Was raten Sie Handwerkern, um fit zu werden für das Bankgespräch?
Falk: Gut geeignet ist die Weiterbildung zum Betriebswirt im Handwerk. Viele Kammern bieten auch Sprechtage mit Förderbanken an. Das ist eine gute Vorbereitung für das Gespräch mit der Hausbank.
DHZ: Wird es künftig noch schwerer, Kredite zu bekommen, wie kürzlich das baden-württembergische Handwerk zusammen mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken gewarnt ha t?
Falk: Die Befürchtungen sind begründet.
