Interview mit einem Fotografenmeister "Die Amateurfotografie macht den Profis zu schaffen"

Fotografenmeister Klaus Rausch über die schwarzen Schafe der Branche, Dumpingpreise für Bildaufnahmen und Amateure, die auf das schnelle Geld aus sind.

Michael Krabs

Professionelle Fotografen verfügen oft über eine hochwertige Ausrüstung und Studioflächen. - © Gassner

Fotografenmeister Klaus Rausch über die Ausbildung von Fotografen, den Arbeitsalltag und die Probleme der Branche.

Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es für Profi-Fotografen und wie lange dauert die Ausbildung?

Rausch: Die Ausbildung des Fotografen dauert 3 Jahre. Der größte Teil der Ausbildung findet im Lehrbetrieb statt, welcher von einer überbetrieblichen Ausbildung über mehrere Wochen durch die Kreishandwerkerschaft in Teilabschnitten unterstützt wird. Parallel findet eine regelmäßige Berufsschulausbildung statt.

Klaus Rausch ist Inhaber der Firma FOTO-TEAM PRO Verbund in Lünen (Einkaufs- und Betreuungsgruppe für Foto- und Medientechnik) und Vizepräsident des Bundesinnungsverband der Deutschen Berufsfotografen (CV / Centralverband). - © Klaus Rausch

Wie wird man Fotografenmeister?

Rausch: Erforderlich hierfür ist die Teilnahme am Meisterkurs der Handwerkskammer (Theorie, kaufmännische Ausbildung und Praxis). Das Ganze dauert etwa ein Jahr. Anschließend muss die Meisterprüfung vor der Handwerkskammer abgelegt werden.

Wie viel Geld muss ein Fotograf durchschnittlich investieren, um sich selbstständig zu machen?

Rausch: Das ist von vielen Kriterien abhängig: Handelt es sich um einen freien Fotograf, um einen Fotografen mit Studio, einen Fotografen mit Ladengeschäft und Studio oder einem Fotografen, der sich auf verschiedene Fototechniken und -Arten, auf Produkt- oder Industriefotografie spezialisiert hat. Es sollte mit einer Anfangsinvestition zwischen 10.000 und 100.000 Euro je nach Spezialisierung gerechnet werden. Nicht zu vergessen, sind die laufenden Kosten bei einer Selbstständigkeit, wie Mieten, Versicherungen, Personal, Technik, Verbrauchsmaterialien, Abgaben und Steuer an Behörden.

Wie darf man sich den Arbeitsalltag eines Profi-Fotografen vorstellen?

Rausch: Auch das ist von der Spezifizierung des Fotografen abhängig. Portraitfotografen haben viel Umgang mit Menschen und brauchen persönliche Einfühlsamkeit. Industrie- und Produktfotografen haben es meistens mit Sachaufnahmen der verschiedensten Produkten und Größen zu tun, welche meistens nach Vorgaben oder Vorstellungen des Auftraggebers für verschiedenste Anwendungen aufwändig mit spezieller Technik erstellt werden.

In welchen handwerklichen Bereichen werden besonders häufig Profi-Fotografen beauftragt?

Rausch: In allen erdenklichen Gewerken, irgendwann braucht jeder Betrieb  professionelle Aufnahmen für seine Selbstdarstellung oder seine Produkte.

Wie entgegnen Sie, wenn Sie hören Fotos von Profis anfertigen zu lassen, wäre zu teuer?

Rausch: Spätestens wenn Sie Fotos von Amateuren anfertigen lassen, werden Sie den gravierenden Unterschied zum professionellen Foto sehen. Fehler und Qualität von un professionellen Fotos können dann aber meistens nicht mehr durch Profis behoben werden. Gerade bei nicht zu wiederholenden Ereignissen ist das ein Spiel mit dem Feuer. Nicht umsonst wird der Profifotograf langjährig ausgebildet, es werden Prüfungen abgelegt, die Teilnahme an Weiterbildung und viel Geld in professionelle und aktuelle Technik gesteckt, um hochwertige und professionelle Fotos zu fertigen.

Wie schätzen Sie die Lage für Fotografen in Deutschland derzeit ein?

Rausch: Gerade die Amateur- und Schwarzfotografie im gewerblichen und privaten Bereich macht den Profis schwer zu schaffen. Es wird hier mit Dumpingpreisen gearbeitet, welche  jenseits von jeglichem kaufmännischen Verständnis zur Realität stehen. Überwiegend geht es hier um den schnellen Euro, mit kleinem Aufwand, in minderer Qualität und Ausführung. Diese schwarzen Schafe sind zwar nicht lange am Markt, sorgen aber für eine Preispolitik in der Gesellschaft, welche für den ordentlichen, gewerblichen Fotograf mit seinem laufenden Kostenapparat nicht nachzuvollziehen ist. Auch die öffentlichen Automaten bei Behörde, Städten und Gemeinden bereiten speziell den Portraitfotografen gravierende Umsatzeinbußen. Gewerbesteuer nimmt die Behörde aber gerne. Der Beruf Fotograf ist aber weiterhin mit seiner intensiven Ausbildung und Kreativität ein besonderer Beruf mit steigender Tendenz, welcher auch weiterhin mit seinem Berufsbild absolut zukunftsweisend ist

Wird die Arbeit von Fotografen verstanden und genügend wertgeschätzt?

Rausch: Vielen Außenstehenden ist das Berufsbild und der Aufwand eines professionellen Fotografen leider nicht bekannt. Der Kunde muss teilweise die Erfahrung von Amateuren erst gemacht haben, um den gelernten Fotografen zu wertschätzen. Wer aber einmal bei einem professionellen Fotograf gewesen ist, wird ihn bestimmt wieder aufsuchen. Durch das Absetzen seines Könnens, seiner fachlichen Qualifikation und Weiterbildung ist die Anerkennung bei vielen Kunden angekommen.

Klaus Rausch ist Inhaber der Firma FOTO-TEAM PRO Verbund in Lünen (Einkaufs- und Betreuungsgruppe für Foto- und Medientechnik) und Vizepräsident des Bundesinnungsverband der Deutschen Berufsfotografen (CV / Centralverband)