Bis Willkommenslotsen einen Flüchtling in Arbeit vermitteln können, müssen sie oft viel Vorarbeit leisten. Das Handwerk lässt sich trotzdem nicht abschrecken.
Karin Birk

Erwin Ott ist Willkommenslotse bei der Handwerkskammer Oberfranken in Bayreuth. Seit Frühjahr 2016 kümmert er sich um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. "23 Einstiegsqualifikationen und 22 Ausbildungsplätze konnte ich bis Jahresende vermitteln", sagt Ott. Mit unzähligen Besuchen in Schulen und Gesprächen mit Betrieben und Ämtern hat er so zum guten Abschneiden der Kammer im Ranking des Programms "Willkommenslotsen" des Bundeswirtschaftsministeriums beigetragen. Bei der Vermittlung der Flüchtlinge in Ausbildung liegt die Kammer nach der IHK zu Lübeck auf Platz 2. Und auch bei der generellen Vermittlung liegt die Kammer unter den zehn Besten.
Handwerk belegt Spitzenplätze
Insgesamt finden sich acht Handwerkskammern unter den „Top 10“ bei der Vermittlung in die Ausbildung. Darunter auch Berlin, Kassel und Nürnberg. Zählt man die Vermittlung in Praktika, Einstiegsqualifikationen, Hospitationen und in die Beschäftigung hinzu, finden sich sechs Handwerkskammern unter den zehn Spitzenplätzen. Für ZDH-Präsident Hans-Peter Wollseifer untermauern diese Zahlen, wie engagiert sich das Handwerk an vielen Stellen bei der Flüchtlingsintegration einbringt. Gleichwohl sieht auch er, dass es für die Eingliederung in den Arbeitsmarkt "einen langen Atem" braucht.
Unzählige Gespräche sind notwendig
Wie viel Beständigkeit und Engagement die Arbeit erfordert, zeigen auch die Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums für die ersten zehn Monate des Programms von Anfang März 2016 bis Jahresende 2016. So haben alle 150 durch das Ministerium geförderten Willkommenslotsen in Industrie, Handel und Handwerk rund 16.700 Gespräche mit kleinen und mittleren Unternehmen geführt, etliche Informationsveranstaltungen organisiert und rund und 11.000 Flüchtlinge kontaktiert. Unter dem Strich wurden so 3.441 Flüchtlinge vermittelt - davon 1.787 in Praktika, 289 in Hospitationen, 545 in Einstiegsqualifikationen und 463 in Ausbildungen. Rund 350 fanden direkt eine Arbeit.
Knapp die Hälfte der Vermittlungen im Handwerk
Im Handwerk selbst gibt es neben verschiedenen etwa über Länderprogramme finanzierten Integrationsberatern rund 50 über das Wirtschaftsministerium finanzierte Willkommenslotsen. Letztere haben laut ZDH ihre Arbeit im Laufe des vergangenen Jahres aufgenommen und insgesamt rund knapp 1.640 Flüchtlinge in Praktika, Hospitationen, Ausbildungen und Arbeit vermittelt und dieses Jahr könnten es noch mehr werden. Das sieht auch Willkommenslotse Ott so. "2017 wird die Bilanz besser ausfallen", sagt er. Der Grund: "Es werden immer mehr Flüchtlinge mit ausreichenden Sprachkenntnissen zur Verfügung stehen", betont er.