Spuren der Antike und byzantinische Kleinodien auf Zypern Insel der Aphrodite im Schnittpunkt der Kulturen

Wer den kalten Wintertagen unserer Breiten für eine Weile entfliehen und trotzdem in Europa und sogar in Euro-Land bleiben möchte, dem bleiben eigentlich nur die Kanaren, zwischen Afrika und Südamerika gelegen, oder aber Zypern, das geographisch eigentlich schon zu Asien zählt. Von Rudolf Baier

Insel der Aphrodite im Schnittpunkt der Kulturen

Dort erwarten den Winterflüchtling angenehme 19 Grad Durchschnittstemperatur sogar im Dezember und auch das Baden im Meer mit 18 Grad geht noch ganz gut. Doch wer nach Zypern reist, wird nicht in erster Linie einen Badeurlaub verbringen wollen, dazu hat die Insel der Aphrodite viel zu viel Kulturelles und auch Kulinarisches zu bieten.

Die zypriotische Küche ist im Prinzip griechisch, aber beeinflusst und inspiriert von arabischer und türkischer Kochkunst. Unbedingt probieren sollte man Mezé. Das türkische Wort bezeichnet eine kleine Speisenmenge auf dem Teller. Rund 15 Mezédes oder türkisch mezeler bilden eine ganze Mahlzeit. Aber Achtung: Man sollte für weniger Personen bestellen, als am Mahl teilnehmen und anfangs zurückhaltend mit den Portionen sein. Diese Köstlichkeiten sind so lecker, dass man alle kosten sollte. Als Nachspeise oder "Amuse Gueule" zu empfehlen: voureki, herrlich schmeckendes Gebäck aus Strudelteig mit Ziegenkäse und Zimt.

Eine zyprische Spezialität sind auch soutzioúko, "Würste“ aus Weintraubensaft mit einem Kern aus Mandeln oder Walnüssen, die auf einen Faden gezogen werden. Dazu gibt’s einen türkischen Kaffee, auf Zypern kafés kypriakós genannt. Und natürlich den köstlichen Landwein.

Begegnung mit der Geschichte

Die Griechen, die Römer, die Araber, die Byzantiner, die Türken, die Venezianer, die Kreuzritter, die Briten – sie alle haben ihre Spuren hinterlassen, die es zu entdecken gilt. Auf Zypern begegnet man der Geschichte, wo man auch hintritt. Beginnen wir im Südwesten der Insel beim Petra toú Romioú, dem Aphroditefelsen, dort wo die schaumgeborene Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit dem Mythos nach das Licht der Welt erblickt hat. Das Heiligtum der Göttin in Paphos war für das antike Griechenland gleichbedeutend mit dem Apollo-Heiligtum in Delphi. Noch heute kommen frischvermählte Zyprioten an den Strand der Aphrodite, um durch aus Steinen gelegte Herzen mit ihren Initialen die Hilfe der Göttin für eine unvergängliche Liebe zu erbitten.

Einige Kilometer weiter westlich in der einstigen Inselhauptstadt Pafos finden wir die mit am besten erhaltenen Mosaiken aus römischer Zeit im prächtigen Achäologiepark. Über das Türkische Fort im idyllischen Hafen, 1589 auf den Grundmauern eines byzantinischen und fränkischen Vorgängerbaus errichtet, wenden wir uns zum Ruinengelände mit der marmornen Paulussäule. Der Legende nach soll hier der Apostel an jener Säule gefesselt und gegeiselt worden sein. Der Apostelgeschichte gemäß, haben Paulus, Barnabas und Johannes die Insel missioniert. Das dürfte aber kaum hinkommen, da die Legende den Beginn der Christianisierung der Insel um 300 Jahre vorverlegt hat. Die wunderschöne spätbyzantinische Kreuzkuppelkirche Agia Kyriaki am Ende des Ruinenfeldes, besuchte auch Papst Benedikt XVI auf seiner Zypern-Reise im Juni 2010.

Ausflüge ins Landesinnere sind ein Muss, trotz der einladenden Strände und Städte am Meer. Das Troodosgebirge mit seinem Nationalpark und olympischen Göttersitz sollte unbedingt besucht werden. Zum einen, weil Flora und Fauna einzigartig sind, geologisch Interessierte voll auf ihre Kosten kommen. Zum anderen weil malerische Gebirgsdörfer mit einer unvergleichlichen Gastfreundschaft zum Verweilen einladen, und weil es hier traumhaft schön gelegene Kirchen und Klöster mit ihren Schätzen zu entdecken gilt. Beispielsweise die älteste Kirche Zyperns Agios Nikolaos ti Stegis (Hl. Nikolaus des Daches) über den Dächern des wunderschönen Dorfes Kakopetria mit seinen denkmalgeschützten Lehmziegelhäusern. Es ist eine von zehn noch erhaltenen Scheunendachkirchen, benannt nach dem zum Schutz vor den Naturgewalten zusätzlich über der Kirche errichteten Holzschindeldach. Die Fresken der Kirche aus dem 11. und 12. Jahrhundert zählen zu den wenigen erhaltenen Malereien dieser Zeit und gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Das Ein-Mann-Kloster Chrysorrogiatissa, benannt nach dem "Goldenen Berg Royia“, verdankt seine Gründung, der Legende nach, dem Fund einer Marienikone an dieser Stelle, die der Evangelist Lukas eigenhändig gemalt haben soll. Wenn man diese wertvolle Ikone heute auch nicht mehr zu sehen bekommt, so lohnen doch die wunderbaren Wandgemälde und Ikonen in der Klosterkirche. Es lohnt sich aber auch, den köstlichen Klosterwein zu versuchen, den Bruder Dionysios, wegen seines exzellenten Weinkellers auch Bruder Dionysos genannt, anzubieten hat. Er ist ein überaus freundlicher Zeitgenosse, der sich über interessierten Besuch freut, besonders wenn es dem an Ikonen gelegen ist. Dionysios hat ein kleines Zentrum für Ikonen-Studien aufgebaut und stellt Forschenden seine Bibliothek und auch Studierräume und Unterkunft zur Verfügung.

Das bekannteste und auch reichste Kloster mit herrlichen Fresken der Bibel- und Apostelgeschichte ist das Kloster Kýkko. Auch dieses Kloster verdankt seine Gründung im Jahre 1100 einer angeblich vom Evangelisten Lukas gemalten Marienikone. Auf dem Gipfel des namengebenden Berges befindet sich der sog. Marien-Thron und zu seinen Füßen das Grabmal des fast wie ein Heiliger verehrten Staatengründers Erzbischof Makarios III (1913-1977). Apropos Makarios: Im Weinbauerndorf Panagiá unterhalb des Weinberges Rogia, ist sein Geburtshaus zu besichtigen. Man bekommt hier einen tiefen Eindruck von der Armut, in der dieser bedeutende Mann der Weltgeschichte aufgewachsen ist. Man sieht hier noch den sprichwörtlich hoch gehängten Brotkorb.

Die geteilte Stadt

Ein Besuch Zyperns wäre nicht vollständig ohne den Besuch der Hauptstadt Nikosia, der geteilten Stadt. Zypern ist eine geteilte Insel. Dem griechischen Teil, der seit 2004 zur EU gehörende Republik Zypern, die völkerrechtlich die gesamte Insel umfasst, steht die Türkische Republik Nordzypern gegenüber. Die von UN-Schutztruppen bewachte "Grüne Linie“ teilt zwar die Stadt, der Besucher gelangt aber problemlos mit einem an den Checkpoints erhältlichen Visum in den anderen Teil. Die Teilung harrt ihrer politischen Lösung und sie ist wohl das Faustpfand der Türkei bei den Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union.

Zypernreisen bietet seit neuestem auch das Bayerische Pilgerbüro in München an. Informationen dazu unter pilgerreisen.de.