Die Zahl der Innungen ist seit Mitte der 1990er-Jahre dramatisch eingebrochen. Besonders die Lebensmittel- und Textilhandwerke sind davon betroffen. Eine Studie zeigt, wie die Innungen dem Abwärtstrend entgegentreten wollen.

Die Innungslandschaft in Deutschland ist deutlich kleiner geworden. Jede dritte Innung wurde in den vergangenen 25 Jahren aufgelöst oder ist in einer Fusion aufgegangen. Damit sind insgesamt mehr als 2.150 der Interessenvertretungen des Handwerks verschwunden. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsprojekt der Bergischen Universität Wuppertal, das sich auf Datensätze des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks stützt.
Besonders geschwächt wurden dabei der Organisationsgrad der Innungen in den Lebensmittelhandwerken (-49 Prozent) sowie den Bekleidungs-, Textil und Lederhandwerken (-72 Prozent). Der starke Rückgang in diesen Gewerbegruppen führt dazu, dass die Elektro- und Metallhandwerke sowie die Bau- und Ausbauhandwerke ihren Anteil am Gesamtbestand der Innungen zusammen auf mehr als 60 Prozent ausbauen konnten. Allerdings organisieren sich auch in diesen Gewerken kontinuierlich weniger Handwerker in Innungen.
Nur eine neu gegründete Innung im Verbreitungsgebiet gemeldet
Eine eigene Erhebung der Deutschen Handwerks Zeitung unter den Handwerkskammern im Verbreitungsgebiet bestätigt den negativen Trend. Lediglich eine der insgesamt 18 an der Umfrage teilnehmenden Kammern meldet einen gleichbleibenden Organisationsgrad der Innungen gegenüber der letzten Erhebung im Februar 2020. In 17 Regionen gibt es heute weniger Innungen als damals. Neben Auflösungen (23) tragen insbesondere Fusionen (54) zu dieser Entwicklung bei. Demgegenüber steht nur eine neu gegründete Innung in diesem Zeitraum.
Die Bergische Universität Wuppertal befragte zudem mehr als 1.000 Haupt- und Ehrenamtliche aus der handwerklichen Selbstverwaltung, was dieser Wandel der Innungslandschaft für ihre künftige Arbeit bedeutet. Mehr als 40 Prozent der Umfrageteilnehmer sind selbst in den Innungen aktiv. Sie sind sich einig, dass die niedrige oder nachlassende Bereitschaft von Handwerksbetrieben sich zu engagieren die größte Herausforderung darstellt. Neben der Mitgliederentwicklung betrachten mehr als die Hälfte der Befragten die geringe oder nachlassende Ausstattung der Innungen mit Geld und Personal als herausfordernd. Es gelte deshalb, die Beteiligungsbereitschaft für das Ehrenamt zu steigern – im Handwerk, aber auch in der Gesellschaft.
Vorteile der Mitgliedschaft besser herausstellen
Von vielen Befragten wird es als vordergründige Aufgabe betrachtet, die Vorteile einer Innungsmitgliedschaft besser zu vermitteln. Die persönliche Ansprache von potenziellen neuen Mitgliedern wird dabei als erfolgversprechendste Strategie bewertet. Auch engere Absprachen zwischen Haupt- und Ehrenamt, mehr Dienstleistungen und neue Geschäftsmodelle werden häufig genannt. Als die drei wichtigsten Themen der Innungsarbeit nennen die Befragten das Engagement gegen den Fachkräftemangel, die Lohn-/Tarifentwicklung sowie die Digitalisierung.
Einig sind sich die Befragten darüber, welche Bedeutung die Innungen für das Handwerk haben. Die wichtigste Aufgabe der Innungen ist demnach die Repräsentation des Handwerks. Dazu zählen Interessenvertretung, Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege für die Mitglieder. Dahinter folgt an zweiter Stelle die Bewerbung und Organisation der Aus- und Weiterbildung. Zudem seien die Innungen auch eine wichtige Informations- und Beratungsplattform, etwa zu rechtlichen Fragen.
Die vollständigen Studienergebnisse stehen auf der Website der Bergischen Universität Wuppertal zum Download bereit.