Die Innungen benötigen nach Ansicht von Markus Glasl, Geschäftsführer des Ludwig-Fröhler-Instituts, dringend eine personelle Erneuerung. Zudem sollte die Arbeit stärker auf die Bedürfnisse der nachkommenden Generationen zugeschnitten werden.
Die Innungen sind eine wichtige und tragende Säule der Handwerksorganisation. Ihr Beitrag zur berufsspezifischen Aus- und Weiterbildung ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Auch im Bereich der Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit kommt den Innungen eine bedeutende Rolle zu.
Kollektivleistungen benötigen keine Innungsmitgliedschaft
Trotzdem gehen die Mitgliederzahlen seit Jahrzehnten kontinuierlich zurück, weil von diesen Kollektivleistungen auch Nichtmitglieder profitieren können. In der Konsequenz sinken die Beitragseinnahmen und die Innungen verlieren kontinuierlich an Schlagkraft.
Dieser Trend muss durchbrochen werden. Dazu braucht es neue Ideen und moderne Konzepte, die insbesondere auf die Bedürfnisse der jungen Unternehmergeneration zugeschnitten sind. Junge Existenzgründer sind die Zukunft, sie gilt es zu begeistern und in die Innungsarbeit zu integrieren.
Dazu müssen Leistungsangebote geschaffen werden, die aktuelle Probleme der Jungunternehmer adressieren und deren Mehrwert damit unmittelbar ersichtlich ist.
Plattformen, Beratung und Coaching als Innungsleistungen
Beispielsweise sind viele Unternehmer in den ersten Berufsjahren von Zweifeln und Unsicherheit geplagt. In dieser Situation wünschen sich die meisten den Austausch mit Gleichgesinnten wie auch erfahrenen Kollegen, um Bestätigung zu erfahren oder Unterstützung zu erhalten. Aufgabe der Innungen ist es folglich, Plattformen für diesen Erfahrungsaustausch bereitzustellen sowie Netzwerke aufzubauen und zu pflegen. Darüber hinaus sollten sie mit Beratungs- und Coachingleistungen den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern.
Ebenso wichtig wie die Leistung selbst sind innovative Formate und Kommunikationskonzepte, die zu einer besseren Wahrnehmung und einem moderneren Image der Innungen beitragen. Die klassischen Stammtische haben damit keinesfalls ausgedient, aber sie bedürfen der Ergänzung. In der Folge kann ein Zugehörigkeitsgefühl entstehen und so etwas wie „berufliche Heimat“, die identitätsstiftend wirkt und Halt gibt.
Ein Wandel gelingt erfahrungsgemäß am besten mit neuen Köpfen. So hilfreich Erfahrung und Routine sind, so stehen sie Veränderungsprozessen doch oftmals im Weg. Außerdem bringen neue Köpfe auch neue Perspektiven und Denkhaltungen ein. Deshalb kann ein Führungswechsel der erste Schritt zu einer neuen Strategie sein. Dieser wird nicht leicht, denn Loslassen ist gewiss nicht einfach und die Übernahme von Verantwortung braucht viel Mut. Darum kann die Empfehlung nur lauten: Nehmen Sie die Zukunft in die Hand, es lohnt sich!
