Innovationsgutscheine: Finanzspritze für Tüftler

Ideen umzusetzen kostet meist eine Stange Geld. Mit Innovationsgutscheinen fällt das leichter. Von Barbara Oberst

Zimmermeister Robert Will hat ein System entwickelt, mit dem sich Schläuche einfach und schnell durch Dächer führen lassen, ohne die Dämmung zu gefährden. Foto: privat

Innovationsgutscheine: Finanzspritze für Tüftler

Vier Jahre lang tüftelte und bastelte Robert Will, suchte nach Lösungen, fragte sich durch, kurz: Er steckte viel Zeit in seine Idee. Heute kann sich der Zimmermeister "Erfinder" nennen. Sein "Will-Fix-System" ist marktreif und patentiert. "Jetzt muss ich damit nur noch Geld verdienen", sagt der 35-Jährige mit einem kleinen Lachen.

Bisher hat den Unternehmer aus Schöffau bei Uffing am Staffelsee seine Idee vor allem Geld gekostet. Rund 80.000 Euro hat Will in die Entwicklung einer Dachdurchführung gesteckt, die es auf einfache und schnelle Weise ermöglicht, Abluftkanäle oder Elektro- und Solarleitungen durch Dächer zu führen, ohne die Dämmung zu gefährden.

Handwerkskammer unterstützt

"Früher musste man da immer einen größeren Klotz aus dem Dach herausschneiden. Dann setzte man die Schläuche ein. Problematisch war immer die Abdichtung an die Dampfsperre und an die Unterdeckbahn", erklärt Will. Mit seinem Vater fing er deswegen an zu überlegen, wie sich das Problem besser lösen ließe. Die Gesamtkosten der Erfindung sind für Wills Kleinbetrieb enorm. Umso erfreuter war der Unternehmer, als er sich an einen Berater seiner Handwerkskammer wandte und der ihn auf Fördermöglichkeiten hinwies.

"Herr Will hat drei Innovationsgutscheine für den Produkttypenbau genutzt", erklärt Wolfgang Christl. Der Technologie- und Innovationsberater bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern begleitete den Zimmermeister während der Entwicklungsphase und unterstützte ihn vor allem auch bei der Patentierung. Für Letztere bekam Will sogar eine extra Förderung.

Schnelle Zusage

Eine willkommende Finanzspritze, denn die rechtliche Absicherung der Idee hat ihn schon jetzt weitere 17.000 Euro gekostet. "Und da kommen wohl noch mal 10.000 Euro dazu, je nachdem, wie viele Länder ich für das europäische Patent dazunehme", gibt sich der Unternehmer keinen Illusionen hin.

Innovationsgutscheine, wie sie Will für seine Erfindung genutzt hat, gibt es in vielen Bundesländern (siehe Kasten). In Bayern deckt die Förderung bis zu 50 Prozent der Ausgaben für eine Innovation ab, höchstens aber 7.500 Euro pro Gutschein. Maximal drei Gutscheine können Handwerker und Kleinunternehmer im Freistaat beantragen. Der bürokratische Aufwand für den Antrag hielt sich im Fall von Robert Will in vernünftigen Grenzen. Keine drei Wochen später hatte er in der Post schon eine Zusage.

Kreatives Potenzial fördern

Mit den Innovationsgutscheinen oder -prämien reagieren Bund und Länder auf die Tatsache, dass in kleinen und mittleren Betrieben zwar viel kreatives Potenzial sitzt, aber meist kein Geld vorhanden ist, um Personal für Forschung und Entwicklung zu beschäftigen. Mit Hilfe der Gutscheine sollen Unternehmer externe Dienstleistungen wie Marktrecherchen, Machbarkeitsstudien oder die Erstellung von Prototypen, die im Zusammenhang mit ihren Innovationen nötig werden, leichter finanzieren können.

So auch im Fall von Robert Will. Für den Prototypenbau benötigte er das Fachwissen eines Kunststofftechnikers. Zudem war eine kostspielige Brandschutzprüfung nötig, um das Will-Fix-System überhaupt auf den Markt bringen zu dürfen.

Zwar haben sich Wills Anstrengungen finanziell noch nicht bezahlt gemacht, aber er ist auf dem richtigen Weg: Für seine Erfindung erhielt der Zimmermeister auf der diesjährigen Internationalen Handwerksmesse den Bundesinnovationspreis.

Wer sich für das Will-Fix-System interessiert, kann sich unter dach-wandbedarf.de informieren oder es direkt auf der Messe Dach+Holz International 2012 in Stuttgart besichtigen: