Teilhabestärkungsgesetz Inklusion: Was leisten die neuen Ansprechstellen für Arbeitgeber?

Viele Arbeitgeber scheuen sich noch davor, Menschen mit Behinderungen einzustellen. Ein neues Gesetz soll das ändern: Seit dem 1. Januar 2022 schreibt es "Einheitliche Ansprechstellen" vor, die Arbeitgeber bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung unterstützen sollen. Die Beratungsstellen haben den Auftrag, proaktiv auf Betriebe zuzugehen.

Hände beim Handschlag
Die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber sollen besonders praxisnah agieren. - © Worawut - stock.adobe.com

Noch immer haben es Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt schwer: Knapp 57 Prozent der Menschen mit Behinderung zwischen 15 und 64 Jahren waren 2019 berufstätig oder suchten nach einer Tätigkeit, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) im Mai 2021 mit. Zum Vergleich: Die Erwerbsquote nichtbehinderter Menschen in dieser Altersgruppe betrug im selben Jahr knapp 82 Prozent.

Um Menschen mit Behinderung bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen, hat die Regierung seit 1. Januar 2022 "Einheitliche Ansprechstellen für Arbeitgeber" vorgeschrieben. "Beratungsangebote für Arbeitgeber gab es auch in der Vergangenheit bei den Integrationsfachdiensten, aber vermutlich waren diese nicht weit genug sichtbar", erklärt Berthold Deusch vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS). Praxisnah und mit Fokus auf die Perspektive der Arbeitgeber sollen die neuen Einrichtungen den Unternehmern zur Seite stehen. Zu ihrem Auftrag gehört auch, Betriebe, Handwerkskammern, Innungen und Arbeitgeberverbände proaktiv anzusprechen. "Die Integrationsfachdienste wurden bisher vor allem in konkreten Einzelfällen kontaktiert. Wir möchten, dass Arbeitgeber früher zu uns kommen. Auch mit normalen Problemen, die sie lösen möchten oder mit ihrem generellen Interesse, den Kreis ihrer Beschäftigten in dieser Hinsicht zu erweitern", so Deusch.

Potentiale aufzeigen und Hürden abbauen

Seiner Erfahrung nach ist Arbeitgebern oft nicht bewusst, wie viele Potentiale die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung mit sich bringe. So könne gerade dem Personalmangel im Handwerk wirkungsvoll begegnet werden. Allerdings würde die Einstellung eines Menschen mit Behinderung meist nicht als Lösung mitgedacht werden. Umso mehr gelte es, ein Bewusstsein für diese Möglichkeit bei den Führungskräften zu verankern.

Eine weitere Hürde, der begegnet werden soll, ist das Stellen von Anträgen. Durch ihre tägliche Arbeit wissen Betriebe meist nur wenig über rechtliche Hintergründe, die bei der Ausbildung, Einstellung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung wichtig sind. Daher ist es eine gesetzliche Aufgabe der Einheitlichen Ansprechstellen, sie dabei zu unterstützen.

Flächendeckendes Netz noch im Aufbau

Obwohl der entsprechende Paragraf des Teilhabestärkungsgesetzes zum 1. Januar in Kraft getreten ist, werden die Ansprechstellen erst im Verlauf des Jahres nach und nach ihre Arbeit aufnehmen. Die Einrichtung obliegt den Integrationsämtern. Diese entscheiden sich, ob sie die im Gesetz genannten Integrationsfachdienste oder andere arbeitsmarktnahe Dienstleister beauftragen. In Baden-Württemberg liegen die neuen Zuständigkeiten beispielsweise bei den Integrationsfachdiensten. Andernorts werden andere Träger beauftragt. Aus diesem Grund schreitet die Entwicklung in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich schnell voran.

Infomaterialien und Öffentlichkeitsarbeit sollen in Zukunft dazu beitragen, auf die Einheitlichen Ansprechstellen aufmerksam zu machen und Arbeitgeber zu sensibilisieren. Eine Übersicht, über die für sie zuständige Stelle können Handwerker auf der Website des Integrationsfachdienstes oder bei den Integrationsämtern des jeweiligen Bundeslands finden.

Die Aufgaben der Einheitlichen Ansprechstellen sind in § 185a SGB IX geregelt. Der Paragraf ist Bestandteil des Teilhabestärkungsgesetzes, das im Juni 2021 verabschiedet wurde. Zum 1. Januar trat er in Kraft. Weitere Informationen über die Zuständigkeit der Ansprechstellen bietet das Empfehlungsschreiben der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH).