Umfrage des IW Köln Kaputte Straßen, schlechtes Netz: Unternehmen klagen

Schlaglöcher und marode Brücken in Baden-Württemberg und Norddeutschland, dazu langsame Internetverbindungen in Bayern: Eine Umfrage zeigt, dass die deutsche Wirtschaft dringenden Handlungsbedarf bei der Infrastruktur sieht. Die Probleme zeigen sich mit regionalen Unterschieden und beeinträchtigen die Geschäfte.

Marode Infrastruktur: Viele Unternehmen in Deutschland bewerten den Zustand der Straßen als Hemmnis für ihre Arbeit. - © Foto: Peter Atkins/Fotolia

64 Prozent der Unternehmen in Deutschland sehen durch Mängel im Straßenverkehrsnetz ihre Geschäftstätigkeit beeinträchtigt. Die Infrastruktur ist marode beklagen sie laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Und dabei gehen sie weit über das Straßenverkehrsnetz hinaus. Probleme gibt es auch bei den Kommunikationsnetzen und der Stromversorgung – allerdings mit regionalen Unterschieden.

So beklagen Unternehmen in Baden-Württemberg und in den norddeutschen Bundesländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen am häufigsten Beeinträchtigungen im Straßenverkehr. 70 Prozent der Unternehmen sprechen hier von Problemen. 31 Prozent in Baden-Württemberg und 27 Prozent in den Nordländern sprechen sogar von deutlichen Beeinträchtigungen ihrer gegenwärtigen Geschäftsabläufe durch Mängel bei der Straßeninfrastruktur.

120 Milliarden Euro an Investitionen nötig

Bei den Kommunikationsnetzen bestehen die größten Probleme in Bayern. 58 Prozent der Unternehmen melden Beeinträchtigungen, 21 Prozent sprechen dort sogar von deutlichen Mängeln. Bei der Energieversorgung gibt es laut IW eine vergleichsweise geringe Streuung zwischen den Bundesländern. Doch auch hier weisen Bayern mit 47 Prozent den höchsten und Nordrhein-Westfalen mit 41 Prozent den niedrigsten Wert auf.

Für die Studie haben die Wirtschaftsforscher 2.800 Unternehmen befragt. Neben den 64 Prozent der Befragten, die große Mängel im Straßenverkehrsnetz sehen, bewerteten rund 54 Prozent den Zustand der Kommunikationsnetze als Hemmnis für ihre Arbeit. Mit Blick auf eine sichere und bezahlbare Stromversorgung waren es insgesamt 43 Prozent.

Nach IW-Berechnungen müssten in den kommenden zehn Jahren rund 120 Milliarden Euro in die Infrastruktur investiert werden, um den Investitionsstau aufzulösen – 40 Milliarden Euro sowohl für den Erhalt der Straßen als auch für einen guten Ausbau des Breitband-Internets und für Stromnetze, die den Ansprüchen der Energiewende genügen müssten.

Private Investoren statt Geld vom Staat

Dabei geht es nach Ansicht von IW-Direktor Michael Hüther vor allem bei Internet und Stromnetzen nicht nur um Geld vom Staat, sondern auch von privaten Investoren. Hüther sprach sich zugleich dafür aus, den Erhalt und Ausbau von Fernstraßen einer Betreibergesellschaft zu übertragen, mit der eine klare Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung abgeschlossen werden müsste.

Mit dem Modell könne die Investitionsplanung "aus den Zwängen des öffentlichen Haushaltsrechts" befreit werden, sagte der IW-Direktor. "Anders als der Bund können private Unternehmen Budgets und somit Projekte über mehrere Jahre planen, wodurch sie schneller und günstiger werden könnten", fügte er hinzu.

Nach den Plänen der Bundesregierung soll der Breitbandausbau bis 2018 auch kleine Orte erreicht haben. So sieht es jedenfalls der Koalitionsvertrag vor. Vorankommen will Schwarz-Rot auch bei der Verkehrsinfrastruktur. "Angesichts der seit vielen Jahren bestehenden strukturellen Unterfinanzierung werden wir die Planung und Finanzierung unserer Verkehrswege durch eine grundlegende Reform auf eine neue, dauerhaft verlässliche und effiziente Grundlage stellen", heißt es im Koalitionsvertrag. Dafür sollen auch die Investitionen aufgestockt werden. Um wie viel bleibt allerdings offen. dhz/dpa