Sparen trotz Preissteigerungen Inflation und niedrige Zinsen: Was Sparer tun können

Schlechte Zeiten für Sparer: Die Zinsen im Euroraum sind im Dauertief und die Inflation trägt gleichzeitig dazu bei, dass Ersparnisse schleichend an Wert verlieren. Jetzt kommt es auf die richtige Strategie an – und diese heißt: Geldanlagen mischen.

Euro in der Klemme: Die Inflation steigt und die angelegten Ersparnisse auf den Konten der Deutschen verlieren an Wert. - © Foto: nmann77/Fotolia

Ein Preisanstieg bei Butter um 30 Prozent, bei Kartoffeln sogar um mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – die höheren Lebensmittelpreise treiben die Inflation in die Höhe, die nur noch knapp unter der kritischen Zwei-Prozent-Marke liegt. So lag diese im Juli auf den höchsten Stand seit Dezember 2012. Die Jahresinflationsrate stieg von 1,8 Prozent im Vormonat auf 1,9 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit und bestätigte eine erste Schätzung.

Zum Problem wird die hohe Inflationsrate aber nicht nur beim Lebensmitteleinkauf. Sie drückt auch auf den Wert der Geldanlagen. Dazu kommt, dass die EZB die Zinsen im Euroraum im Dauertief hält und die Inflation über den Zinsen liegt. Sparbuch, Tagesgeld & Co. werfen derzeit kaum etwas ab. Sparer verlieren real sogar viel Geld.

Niedrige Zinsen kosten Milliarden

Experten schlagen Alarm: Die extrem niedrigen Zinsen in Europa vernichten das Vermögen der Deutschen und belasten die private Altersvorsorge. Nach Berechnungen der Postbank kosten die extrem niedrigen Zinsen in Europa Sparer hierzulande Milliarden. Demnach verlieren die Sparvermögen bei Banken in Deutschland allein in diesem Jahr real rund 14 Milliarden Euro an Wert. Sollte die Inflationsrate im kommenden Jahr auf 2,0 Prozent ansteigen, würde sich die reale Entwertung auf 21 Milliarden Euro erhöhen.

In Niedrigzinszeiten mit hoher Inflation können Sparer die Preissteigerung also nur schwer ausgleichen. Jetzt kommt es auf die richtige Strategie an. Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf hat deshalb Tipps zur richtigen Mischung bei der Geldanlage."Der beste Inflationsschutz für ist ein guter Mix aus verschiedenen Anlagen", rät sie.  Auf welche Produkte Sparer setzen sollten im Überblick:

  • Aktien oder Fonds: "Um Aktien kommen Anleger derzeit nicht herum", erklärt die Finanzexpertin. Allerdings müsse man sich hier immer fragen, wie viel Risiko man erträgt. Denn die Kurse entwickeln sich nicht nur nach oben. Je länger Anleger dabei bleiben können, desto größer die Chance, auch Verlustphasen wieder auszugleichen. Für Einsteiger gut geeignet sind börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs, die vergleichsweise günstig sind.
  • Zinsanlagen: Einen gewissen Schutz bieten Tagesgeldkonten. Der Vorteil: Das Geld ist täglich verfügbar. Laut der unabhängigen FMH-Finanzberatung in Frankfurt können Kunden bei guten Angeboten derzeit bis zu 1,5 Prozent Zinsen bekommen (Stand: 12.08.13). Etwas mehr gibt es bei Festgeldkonten. Wer 5000 Euro für zwei Jahre fest anlegt, bekommt etwas über 2,00 Prozent Zinsen (Stand: 12.08.13). Der Nachteil: Das Geld ist im Anlagezeitraum nicht verfügbar.
  • Immobilien: Auch die eigenen vier Wände bieten einen Schutz vor Inflation. "Allerdings sind hier meist andere Gründe für den Kauf ausschlaggebend", erklärt Oelmann. Kleinanleger, die sich kein eigenes Haus zulegen wollen, können auch in offene Immobilienfonds investieren. Hier können sie sich schon mit kleinen Beträgen an Immobilien beteiligen. "Allerdings sollten Anleger hier die neuen Haltefristen beachten, die seit Juli gelten." Danach kommen Anleger nicht sofort an ihr Geld, sondern müssen eine Weile warten.
  • Edelmetalle: "Edelmetalle wie Gold sind riskant", sagt Oelmann. Der Gold-Anteil im Depot sollte nicht mehr als zehn Prozent ausmachen. Denn hier setzen Anleger allein auf den Kurs. Zinsen oder Ausschüttungen gibt es nicht. "Hinzu kommt ein Wechselkursrisiko", erklärt die Verbraucherschützerin. Denn gehandelt wird Gold in Dollar. dhz/dpa