Die hohe Inflationsrate und die Stärke der Gemeinschaftswährung Euro haben die mittelfristigen Konjunkturerwartungen in Deutschland drastisch gesenkt. Anlass zu Pessimismus besteht aber scheinbar nicht.
Inflation und Euro-Stärke schwächen Konjunkturaussichten
Nach der Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim fiel der Index der Konjunkturerwartungen im April im Vergleich zum Vormonat wider Erwarten um 8,7 Punkte auf minus 40,7 Punkte.
ZEW-Präsident Wolfgang Franz sagte: "Der leichte Optimismus der Finanzanalysten im Vormonat war anscheinend nur ein kleines Zwischenhoch. Neue Höchststände des Euro und des Ölpreises trüben die Erwartungen wieder ein." Gleichwohl bestehe derzeit kein Anlass zu stärkerem Konjunkturpessimismus. Ein Wachstum in Deutschland von 1,7 Prozent in diesem Jahr, wie von der Bundesregierung erwartet, sei nach wie vor realistisch.
Außergewöhnlich hohe Preissteigerungsraten hätten die ZEW-Konjunkturerwartungen in diesem Monat belastet, erklärte das Institut. Hohe Preissteigerungen verringerten das verfügbare Einkommen der Verbraucher und schwächten daher den Konsum. Zudem signalisierten derzeit schwache Auftragseingänge bei den deutschen Unternehmen eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik.
Deutschland profitiert von den Reformbemühungen
Experten der NordLB zufolge müssen die aktuellen ZEW-Konjunkturerwartungen als Ausdruck einer pessimistischen Grundhaltung angesehen werden. Sollte sich diese Stimmung in "harten Fakten" manifestieren, könne es eine Reaktion der Europäischen Zentralbank geben. Allerdings profitiere Deutschland immer noch von den Reformbemühungen der vergangenen Jahre und könne im europäischen Konjunkturvergleich bestehen.
Die von der ZEW erhobenen Konjunkturerwartungen für das Euroland liegen mit minus 44,8 Punkten deutlich unterhalb des Deutschlandwertes. Vor allem Spanien und Italien hätten mit schwerwiegenden Problemen zu kämpfen.
Auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sprach von einer hohen Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Wachstumsverlangsamung in Deutschland. Für Pessimismus bestehe indes nach wie vor kein Anlass, da die Lage in Deutschland weiterhin als die beste in allen in der Befragung enthaltenen Wirtschaftsräumen eingeschätzt werde.
ddp