Niedrigzinspolitik im Euro-Raum Inflation: In Deutschland auf tiefstem Stand

Die Verbraucherpreise im Euro-Raum gehen zurück und die Inflationsrate liegt hierzulande auf dem tiefsten Stand seit vier Jahren. Doch was hat die Leitzinssenkung der EZB damit zu tun?

Der Euro schmilz dahin. Die Verbraucherpreise gehen zurück und die Inflationsrate ist in Deutschland auf dem niedrigsten Stand seit vier Jahren. Die Leitzinssenkung der EZB soll das beheben. - © Foto: julianelliott/fotolia

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Euro-Raum auf 0,15 Prozent gesenkt. Grund für die Maßnahme ist die seit Monaten anhaltende niedrige Teuerungsrate (Inflation). Laut Statistischem Bundesamt liegt diese aktuell bei 0,9 Prozent. Das liegt weit unter der von der EZB angestrebten Marke von knapp unter zwei Prozent.

Energiepreise dämpfen Inflation

Als Inflation bezeichnet man den andauernden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Waren und Dienstleistungen verteuern sich kontinuierlich. Das führt letztendlich dazu, dass man sich für einen bestimmten Geldbetrag immer weniger kaufen kann. In diesem Fall spricht man auch von Geldentwertung oder von Kaufkraftverlust. Gegenwärtig sind die Verbraucherpreise allerdings so schwach wie seit Juni 2010 nicht mehr. Im Monatsvergleich sind die Preise um 0,1 Prozent zurückgegangen. Zusätzlich gedämpft worden ist die Preisentwicklung durch geringe Energiepreise. Diese haben die Inflation in Deutschland im Mai auf den niedrigsten Wert seit fast vier Jahren fallen lassen.

Sie lagen im Mai 0,8 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Zudem schwächte sich der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln weiter ab. Die Preise für Dienstleistungen stiegen demgegenüber überdurchschnittlich stark.

Den Euro schwächen

Mit der Leitzinssenkung versucht die EZB gegen die niedrige Inflationsrate anzukämpfen. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und können so die Wirtschaft antreiben. Das stärkt in der Regel auch den Preisauftrieb. Auch der negative Einlagenzins für Banken soll die Inflation beflügeln. Der gegenwärtig starke Euro soll geschwächt und Importe verteuert werden.

Darüber hinaus sollen Banken dazu gebracht werden, überschüssiges Geld nicht bei der EZB zu parken, sondern Verbrauchern und Unternehmen Kredite zu geben. Diese könnten investieren und so der Konjunktur auf die Sprünge helfen. Ein weiterer Grund für die Leitzinssenkung sind wachsende Befürchtungen vor einer Deflation – einer Abwärtsspirale der Preise. Verbraucher und Investoren verschieben ihre Ausgaben mit der Erwartung, dass die Preise bald noch niedriger sein könnten. cle/dpa