Wiesbaden -

„Handwerk aus Leidenschaft“ Individuelle Teile aus Aluminium-Guss

Hier wird geschafft – und das ganz ohne Einsatz von Computern, sondern mit – gegebenenfalls kranunterstützter – Muskelkraft: In der Aluminiumgießerei „Tural“ schmilzt Metall in mehreren Öfen, um anschließend in die unterschiedlichsten Formen gegossen zu werden.

Die dabei entstehenden Teile werden zum Beispiel an den Greifvorrichtungen von Müllfahrzeugen verbaut – „einer unserer größten Kunden“, sagt Geschäftsführer Carsten Helbig. Da haben seine acht Mitarbeiter auch mal größere Stückzahlen zu bewältigen. Aber Tural ist auch für knifflige Einzelfälle zuständig und besetzt dabei eine Nische, die, so meint Helbig, im Rhein-Main-Gebiet weitgehend konkurrenzlos ist. Man kann manche Werkstücke zwar auch im Schmiedeverfahren anfertigen lassen, und auch der 3-D-Druck wirft hier schon seine Schatten voraus, denn auch hier wird bereits Metall verwendet.

Aber, so Carsten Helbig, der die seit 1949 in Wiesbaden bestehende Firma vor einigen Jahren gekauft hat: Das Gussverfahren empfehle sich wegen unterschiedlicher Vorteile für sehr viele Zwecke. Gerade Einzelstücke sind die Spezialität der Gießerei, die von Friedrich Russ und Erich Töpfer kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde – der Firmenname kürzt dabei „Töpfer und Russ Aluminium“ griffig ab. Carsten Helbig, gebürtiger Sachse und Gießereiingenieur, arbeitete schon länger in der Branche, „aber in Großbetrieben“, erklärt der sportliche 50-Jährige.

Er hegte den Wunsch, eine eigene kleine Firma zu leiten und stieg zunächst beim Sohn des Gründers Manfred Russ als Geschäftsführer ein. 2013 erwarb er dann die Gießerei in der Schiersteiner Hüttenstraße. Und er bemüht sich jetzt um Erhöhung des Bekanntheitsgrades der Firma, sowohl in der Metallbaubranche als auch bei Einzelkunden. Denn bei Tural können fast alle Sonderwünsche im Bereich Aluminiumguss erfüllt werden: Ob es Füllstäbe für denkmalgeschützte Balkongeländer sind, von denen im Firmenarchiv zahlreiche Modelle vorhanden sind, ob Einzelteile für Oldtimer – „zwei- bis dreimal pro Woche stehen Oldtimerbesitzer bei uns vor der Tür und fragen, ob wir ihnen etwas nachbauen können“, so Helbig.

Skulpturen im Auftrag von Künstlern habe man auch bereits gegossen. „Wenn im Kurpark mal wieder eine Laterne umgefahren wird, können wir passenden Ersatz liefern“, sagt Helbig. Die Eisengussteile vergangener Jahrzehnte werden jetzt durch den „Zahn der Zeit“ marode. „Da können wir mit Aluminium guten und haltbaren Ersatz liefern.“

Poller für den Frankfurter Römer

Auch Poller werden angefertigt: „Diese hier stehen zum Beispiel vor dem Frankfurter Römer“, zeigt der Chef ein Ausstellungsstück. Dabei wird hier tatsächlich noch gearbeitet fast wie zu Zeiten der Gründer: Beim Sandgussverfahren wird das zu gießende Stück mit verdichtetem Quarzsand in zwei Teilen abgeformt. Nachdem das Modell entfernt ist, wird die Form zusammengefügt und das Aluminium eingefüllt. So formt sich das neue Stück, genau nach den Maßen des alten. Das Aluminium befindet sich in unterschiedlichen Legierungen in mehreren Schmelzöfen, die für ordentliche Wärme in der Werkstatt sorgen.

Die Mitarbeiter seien „Allroundpraktiker“, so Helbig. Man könne den Beruf „Gießereitechniker“ erlernen, aber wichtig sei vor allem, dass man anpacken könne. „Es ist ein körperlich harter Beruf“, weiß der Chef, der auch selbst mit zugreifen kann, sich momentan aber vor allem um die Akquise kümmert. Zum Beispiel ist er auf Denkmalschutz-Veranstaltungen aktiv, um die Leistungsfähigkeit von Tural im Bereich der historischen Fassaden, Geländer und Leuchten darzustellen.

„Es ist einfach wichtig, dass sich herumspricht, was wir bieten können“, findet Helbig. Denn der Bedarf an den unterschiedlichsten Metallteilen in Kleinserie sei da. „Nur wissen viele nicht, dass es uns gibt.“ Doch Metallbaubetriebe in Wiesbaden seien schon auf Tural aufmerksam geworden, arbeiteten hervorragend mit ihnen zusammen, freut sich der Geschäftsführer. Auch Schmiede lassen manches bei ihm gießen.

Handwerksbetriebe können von der Kompetenz der kleinen Gießerei unzweifelhaft profitieren. Und wer etwas Besonderes braucht, wie zum Beispiel ein Besitzer eines „Dixi“-Oldtimers aus dem Jahr 1928, dessen Wassereinfüllstutzen erneuert werden muss, der wird bei Tural auch fündig.

tural-gmbh.de

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