Wer sich im Landeanflug auf den Münchener Flughafen befindet, kann bei gutem Wetter ein für seine Architektur mehrfach preisgekröntes Bauwerk am Boden entdecken.
Steffen Guthardt

Gemeint ist aber nicht eine der zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt, sondern eine Gewerbehalle am Ortsrand des Dörfchens Pulling. Gelten Gewerbehallen in der Regel als langweilige Blechkisten, rein ausgerichtet auf Funktionalität und ohne jeden Anspruch auf formschönes Design, hebt sich die Halle design.s wohltuend aus der Tristesse hervor. Die neuen Werkräume für die Schreinerei von Richard Stanzel zeigen eindrucksvoll, dass ein Gewerbebau zugleich funktional, kostengünstig, energieeffizient und auch noch architektonisch wertvoll sein kann.
Die im Sonnenlicht dunkel schimmernde Gebäudehülle wurde aus schwarz lasierten Fichtenhölzern gefertigt, die sich oberhalb der Fenster zu einem praktischen Sonnenschutz umfunktionieren lassen. Um eine Optik wie aus einem Guss zu realisieren, haben die Architekten die Dachentwässerung hinter der Traufkante versteckt und dort eine von außen unsichtbare Regenrinne installiert. Ein riesiger Sonnenspeicher ist das Dach der Halle. 714 Photovoltaikmodule aus amorphem Silizium, umrahmt von schwarzem Aluminium, wurden hier verbaut. Durch die asymmetrische Konstruktion konnte eine große Fläche mit Südausrichtung geschaffen werden, die das Potenzial der Solaranlage bestmöglich ausnutzt. Der benötigte Strom des Betriebs kann so komplett lokal erzeugt werden. Mit einer Fläche von 1.200 m² und einer Leistung von 70.000 kWh/Jahr wird der Bedarf sogar überschritten.
Auch die Heizenergie kann die Schreinerei weitgehend selbst erzeugen. Die beim Anfertigen der Werkstücke anfallenden Späne werden nicht weggeschmissen, sondern zu Pellets weiterverarbeitet, mit deren Verbrennung sich der Wärmebedarf für Heizung und Lackiererei decken lässt.
Arbeiten mit Freiluftatmosphäre
Zu den weiteren Höhepunkten der Konstruktion zählt die Nordfassade. Polycarbonat-Stegplatten sorgen für eine gute Wärmedämmung und ähnlich wie bei einem Kunstatelier für blendfreien Einfall von Tageslicht. Damit kommt die Schreinerei in den Sommermonaten, wenn es tagsüber lange hell bleibt, fast ohne elektrische Beleuchtung aus. Zudem schützt das gleichmäßige Tageslicht die zu verarbeitenden Hölzer vor Materialveränderungen durch Schlagschatten.
Im Einklang mit der Natur wurde auch der Innenraum der Werkhalle gestaltet. Der Dachstuhl aus unbehandeltem Fichtenholz schafft eine warme Atmosphäre. Die Bodenplatten bestehen aus flügelgeglättetem Beton.
Die Halle design.s wurde als beispielhafter Gewerbebau unter anderem mit dem Architekturpreis „Gebäudeintegrierte Solartechnik“ ausgezeichnet und erhielt beim Wettbewerb „Geplant + Ausgeführt“ auf der Internationalen?Handwerksmesse den dritten Preis.