In Zukunft unerlässlich

Mehr frauengeführte Betriebe

Prof. Astrid Kruse, Fachhochschule des Mittelstands und wissenschaftliche Leiterin des Forschungsprojekts „Gründerinnen im Handwerk“. Foto: FHM

In Zukunft unerlässlich

Das Handwerk steht vor grundlegenden Herausforderungen. Angesichts von demografischem Wandel und drohendem Fachkräftemangel wird die Gewinnung von qualifiziertem Nachwuchs zu einer der dringlichsten Aufgaben der nächsten Jahre. Um Nachwuchskräfte zu gewinnen, müssen Potenziale von Frauen stärker in den Blick genommen werden. Insbesondere selbstständige Frauen sind im Handwerk unterrepräsentiert: 24 Prozent der Betriebe werden pro Jahr von Frauen gegründet. Damit ist der Anteil der weiblichen Gründungen im Handwerk besonders gering.

Das Forschungsprojekt „Gründerinnen im Handwerk“ der Fachhochschule des Mittelstands rückt die Unternehmerinnen im Handwerk in den Fokus. Deren Potenziale werden oft unterschätzt. Da Frauen anders gründen als Männer, ist auch die Optimierung der Beratung in den Kammern für diese Zielgruppe ein besonderes Anliegen.

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass jedes zweite frauengeführte Handwerksunternehmen von einer Friseurin oder Kosmetikerin - also einem Gewerk mit hoher Marktdichte - betrieben wird. Das wird sich nur dann ändern, wenn Mädchen ihre Ausbildungsberufe vielfältiger wählen. Hier zeigen sich viele Hemmnisse: So positionieren sich viele Gewerke nach wie vor als typische Männerberufe. Und das, obwohl Mädchen in technischen Berufen nachweislich erfolgreich tätig sind.

Es fehlt an Vorbildern: Auszubildende, die in männertypischen Berufen öffentlich sichtbar gemacht werden. Erfolgreiche Frauen, die als Unternehmerinnen und Nachfolgerinnen auf Websites und in Broschüren sowie in Handwerkspublikationen porträtiert werden.

Um das Handwerk zukunftsfähig zu machen, reicht es nicht länger aus, Mädchen als Bewerberinnen um eher männertypische Ausbildungsplätze zu akzeptieren oder gründungsbereite Frauen im Handwerk individuell zu beraten. Um mehr Frauen für das Handwerk zu begeistern, muss diese Zielgruppe aktiv angesprochen und ihre Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden.