Der DFB-Pokal und die Saisonvorbereitung im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de In fremden Gewässern segeln

Man kennt das aus den alten Piratenfilmen mit Errol Flynn: Der Kapitän bekommt am Ende immer die größten Schätze und alle Frauen. Michael Ballack dürfte ein großer Fan der Freibeuter-Streifen sein, vermutet Stefan Galler in der DHZ-Bundesligakolumne.

In fremden Gewässern segeln

Meisterbetrieb: Harter Mann ganz weich

Fünf Wochen nach der WM wird es endlich wieder ernst: Der Ball rollt wieder und die Bayern haben gleich den gewohnten Rhythmus aufgenommen: Am Freitag gegen Real Madrid, am Montag gegen Germania Windeck. So mag es der Rekordmeister: Internationale Großkaliber und deutsche Laufkundschaft wechseln sich ab – so wird es auch in dieser Saison sein.

Allerdings hat Trainer van Gaal da noch ein kleines Problem zu lösen: Er hat zwar keinen einzigen Neuzugang verpflichtet, dennoch reichen selbst in der feudalen Umkleide an der Säbener Straße die Spinde nicht mehr aus, so aufgebläht ist der Kader. Das liegt daran, dass es sich bei den Herren Ottl, Breno, Braafheid und Sosa so ähnlich verhält wie mit Ameisen in der Speisekammer: Man macht und tut, bis man sie endlich los ist, aber irgendwann kommen sie dann doch wieder zurück. Doch das ist kein Grund, gleich loszuheulen.

Dass jedoch ausgerechnet der eisenharte Mark van Bommel am Freitag vor dem Real-Spiel einen Weinkrampf bekam, weil er am Schicksal eines vermissten Mädchens Anteil nahm, verwunderte dann doch ein wenig. Der Obermacho als Sensibelchen – vielleicht liegt es am verlorenen WM-Finale.

Da hatte sich Thorsten Nehrbauer, Kapitän des Fünftligisten Windeck fürs Pokalspiel am Montag gleich etwas ganz perfides ausgedacht: Zum Wimpeltausch vor dem Spiel kam er – mit leeren Händen. Der Schelm hatte wohl gedacht, der neuerdings so weiche Bommel würde ob der Respektlosigkeit sogleich in Tränen ausbrechen. Doch der Holländer blieb cool und seine nicht gerade zauberhaft kickenden Bayern kamen letztlich locker weiter.

Gesellenstück: In fremden Gewässern

Man kennt das aus den alten Piratenfilmen mit Errol Flynn: Der Kapitän bekommt am Ende immer die größten Schätze und alle Frauen. Michael Ballack dürfte ein großer Fan der Freibeuter-Streifen sein, schließlich scheint er – wenn man der Boulevardpresse glauben darf – voll auf diesem – allerdings falschen – Dampfer zu sein. Oder sollen wir besser sagen: Auf dieser Fregatte.

Aber der Reihe nach: Früher jagte Ballack in Leverkusen zusammen mit dem Leichtmatrosen Christoph Daum vergeblich Geschmeide und Pokalen hinterher, aber da war er selbst ja noch ein Smutje. Dann reifte er bei den Bayern zum Trophäensammler und Capitano, womit dem sächselnden Fußball-Haudegen schon bald die Herzen zuflogen wie einst den Leinwandhelden der 40-er Jahre. Im British Empire festigte sich der Ruf des sturmerprobten Admirals, auch wenn so mancher dicke Schatz von anderen gehoben wurde, etwa der sagenumwobene Silberpokal der Europaischen Fußball-Union. Zuletzt lief es nicht mehr so gut, die alle vier Jahre stattfindende Weltregatta musste ohne den maladen Seebären stattfinden. Und jetzt meldet sich auch noch das ehemalige Crewmitglied Master Lell zu Wort und unterstellt Ballack, in fremde Gewässern gesegelt zu sein – genauer gesagt in seinen Ehehafen.

Ballack bleibt gelassen, schließlich weiß er seit Errol Flynn, dass der Kapitän am Ende praktisch immer gewinnt. Doch er sollte Obacht geben, dass sich nicht eine Meuterei zusammenbraut. Deren Anführer heißt Lahm, ein für Piraten typisches Holzbein soll er aber nicht haben.

Erstes Lehrjahr: Keine Chance für Tintenkiller

Ein anderer etwas aus der Mode gekommener Glamour-Boy der Balltreterbranche ist David Beckham. Übrigens auch ein früherer Kapitän, dessen Tragik darin bestand, dass ihm das mit den vielen Frauen keiner gesagt hat, weshalb er immer bei seiner eigenen geblieben ist. Beckham kickt zwar nicht mehr so gut wie früher, ist aber mit Sicherheit immer noch so reich. Seine Schwester allerdings lebt von der Sozialhilfe, genauer gesagt von 164 Pfund, also rund 200 Euro in der Woche. Das ist laut britischer Presse weniger als Beckham in zwei Sekunden verdient, womit auch klar wird, dass der fesche Metrosexuelle gar nicht mehr weiß, wohin mit der ganzen Knete.

Wie viele reiche Leute investiert "Becks" gerne in nachhaltige Dinge. Etwa in Tätowierungen, die gehen auch mit Kernseife oder Tintenkiller nicht mehr weg, was allerdings dann und wann peinlich werden kann. Hollywoodstar Johnny Depp etwa hatte sich einst den Namen seiner Freundin Winona unter die Haut ritzen lassen, doch Miss Ryder hatte alsbald den Kanal voll von der großen Liebe, weshalb Depp dastand wie ein solcher und im Tattoo-Studio den Schriftzug in "Vino" ändern ließ – Wein schmeckt schließlich immer gut.

Da war der oftmals fälschlicherweise als doof dargestellte Beckham schon schlauer: Er ließ sich praktisch den ganzen Körper in tintenblau einfärben, damit man das Konterfei seiner launenhaften Gattin nicht gleich erkennt. Nur die Namen seiner drei Söhne hat er sich übersichtlich auf den Rücken malen lassen: Brooklyn, Romeo und Cruz heißen die Steppkes, was den Verdacht nahelegt, Beckham hätte die Namen seiner Buben nach deren Tattoo-Kompatibilität ausgesucht. Wer liefe schon gerne mit den Schriftzügen "Giesbert", "Eberhard" und "Reinfried" auf dem Körper durch die Gegend.

Zwei linke Hände: Von Krähen und Schlachtopfern

Zum Schluss noch ein paar Worte über die vogelwilden Hannoveraner, die offenbar dankbar wie in der vergangenen Saison in die Rolle des Schlachtopfers schlüpfen. Damals konnten sie als Alibi noch den tragischen Selbstmord von Robert Enke anführen – mittlerweile stellt sich heraus: Diese Chaos-Truppe kann es nicht besser.

Sang- und klanglos purzelte 96 gegen den Viertligisten Elversberg aus dem Pokal, hinterher hackten vor allem Coach Slomka und Manager Schmadtke wie wild gewordene Krähen aufeinander ein. Die Fans quittierten die Blamage im Saarland mit einer Busblockade, Präsident Martin Kind ist völlig geschockt, hat mächtig Muffe vor dem neuerlichen Abstiegskampf. Und weil der Boss sein Geld mit Hörgeräten verdient, hat er doch sehr wohl vernommen, wie sich Trainer und Sportdirektor öffentlich bekriegten. Bei den Wettbüros lässt sich jedenfalls nicht viel Geld verdienen, wenn man auf einen baldigen Rauswurf mindestens eines der beiden Streithähne setzt.