"Global Wealth Report" Immobilienboom: Immer mehr Reiche und Superreiche

In Deutschland wächst der Club der Superreichen. Daran dürfte sich auch in den kommenden Jahren so schnell nichts ändern. Doch weltweit wächst die Schere zwischen Arm und Reich.

In Deutschland gibt es immer mehr Reiche und Superreiche, so die Ergebnisse des "Global Wealth Report". - © beeboys/Fotolia.com

Deutschland liegt weltweit auf einem der Spitzenplätze - jedenfalls bei der Zahl der Superreichen. So die Ergebnisse des "Global Wealth Report" der Schweizer Großbank Crédit Suisse. Grund dafür sei der Immobilienboom.

Das Durchschnittsvermögen pro Erwachsenem stieg in diesem Jahr gegen den weltweiten Trend um 2,8 Prozent auf 185 175 Dollar (rund 174 157 Euro). Deutschland verzeichnete damit nach Japan und den USA den drittstärksten Zuwachs. Vor allem die Zahl der Reichen und Superreichen stieg kräftig. Weltweit ging die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander.

Auch eine Studie der Allianz hat sich mit der Verteilung des weltweiten Vermögens beschäftigt. Fokus war hier die Zinsentwicklung. Auf die Frage, ob die die Konzentration in den Händen der Wohlhabenden also auch aufgrund der Minizinsen immer weiter zunimmt, erklärt Chefvolkswirt Michael Heise: "Unsere Daten erlauben nicht den Schluss, dass die Kluft zwischen Arm und Reich global und im Euroraum insgesamt größer geworden wäre."

Wie viele Superreiche gibt es in Deutschland?

Der Studie zufolge erhöhte sich die Zahl der Dollar-Millionäre in Deutschland von Mitte 2015 bis Mitte 2016 um 44 000 auf rund 1,6 Millionen. Bis 2021 dürfte sie um 30 Prozent auf rund 2,1 Millionen zulegen. Der Club der Superreichen, die ein Vermögen von mindestens 50 Millionen Dollar haben, vergrößerte sich um 500 auf nun 6100 Mitglieder. Deutschland lag damit auf dem dritten Rang nach den USA und China.

Bis 2021 werde es rund 1800 neue Superreiche zwischen Kiel und Berchtesgaden geben, sagten die Studienautoren voraus. Beim Durchschnittsvermögen kam Deutschland allerdings nur auf Rang 19. An der Spitze lag erneut die Schweiz mit 561 900 Dollar je Erwachsenen.

Wie hoch ist das Pro-Kopf-Vermögen weltweit?

Angetrieben wurde die Entwicklung in Deutschland, aber auch in anderen Teilen Welt vor allem von steigenden Immobilienpreisen. Aktien fielen als Wachstumstreiber aus, Wechselkursentwicklungen schlugen zum Teil negativ zu Buche. Weltweit stieg das Vermögen der Menschen um 1,4 Prozent auf 256 Billionen Dollar. Vor der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 hatte es - befeuert vor allem vom Boom an den Aktienmärkten - noch zweistellige Zuwachsraten gegeben.

Das Pro-Kopf-Vermögen stagnierte den Angaben zufolge durch die Zunahme der Weltbevölkerung bei 52.800 Dollar. "Die Folgen der Rezession von 2008–2009 werden das Wachstum weiterhin stark belasten. Immer mehr deutet auf eine langfristige Stagnation hin", sagte Crédit-Suisse-Experte Loris Centola voraus.

Die Studienautoren des "Global Wealth Report"gehen davon aus, dass dem obersten ein Prozent der Reichen inzwischen 50,8 Prozent des weltweiten Haushaltsvermögens gehören. Die Schere zwischen armen und vermögenden Menschen hatte sich den Angaben zufolge bis zum Ausbruch der Finanzkrise etwas geschlossen, ist seitdem aber wieder auseinander gegangen. In der Krise war die Zahl der Millionäre gesunken. Mittlerweile sei sie mehr als doppelt so hoch wie im Jahr 2000. Die Reichen profitierten in den vergangenen Jahren vor allem von steigenden Kursen an den Börsen.

Wie ist das Geld verteilt?

Deutschland weist laut der Allianz in Verteilungsfragen seit dem Jahr 2000 eine Stabilität ohne große Veränderungen auf. Etwa 40 Prozent des Netto-Geldvermögens entfallen danach auf die Vermögensmittelklasse - Menschen mit Ersparnissen zwischen 7.000 und 42.000 Euro nach Abzug der Schulden.

Das ist aber nur die Lage hierzulande. In den Euro-Ländern Italien, Irland und Griechenland sowie in den USA, Japan und Großbritannien halte die Mittelklasse dagegen immer weniger am Gesamtvermögen. Die Allianz spricht von einem "schleichenden Prozess der Auszehrung der Mitte". Weltweit wächst dagegen die Mittelklasse - angetrieben vor allem von der Entwicklung in Asien.

Wie wird Geld in Deutschland angelegt?

Etwa 9,01 Millionen Menschen besaßen nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts im vergangenen Jahr Aktien und/oder Anteile an Aktienfonds. Das war zwar der höchste Stand seit 2012. In Zeiten des Börsenbooms um die Jahrtausendwende lag die Zahl der Aktienanleger in der Bundesrepublik allerdings noch bei fast 13 Millionen.

Hätten die Deutschen in den vergangenen vier Jahren nur Prozent 30 Prozent ihres Vermögens in Bankeinlagen gesteckt statt 40 Prozent und die übrigen 10 Prozent je zur Hälfte auf Aktien und Investmentfonds verteilt, hätten sie nach Berechnungen der Allianz zusätzlich rund 200 Milliarden Euro erzielen können. Sparen entpuppe sich daher derzeit vor allem als Geldparken und nicht als Investieren. dhz/dpa