Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland haben ihre Geschäftserwartungen für die nächste Zeit deutlich heruntergeschraubt. Die Umsatz- und Ertragsindikatoren gingen in einer Umfrage der Vereine Creditreform auf ein 15-Jahres-Tief zurück.
Immer mehr Mittelständler im Sog der Krise
Deutlich pessimistischer als noch vor einem Jahr bewerten die mittelständischen Unternehmen in Deutschland ihre derzeitige Geschäftslage. Die Auftragslage in der derzeitigen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise sei desaströs, sagte der Chef der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, Helmut Rödl, unter Berufung auf eine Frühjahrsumfrage unter 4.219 Unternehmen.
Angesichts dessen hätten sich die Umsätze schlechter entwickelt als es die Unternehmen noch im Herbst erwarteten. Knapp die Hälfte der Befragten verzeichneten rückläufige Erträge, damit gerechnet hatten nur 16 Prozent.
17,2 Prozent der Befragten kündigten laut Rödl einen Stellenabbau an. Weit mehr als zwei Drittel hätten allerdings versichert, ihren Bestand an Mitarbeitern zu halten. Darunter seien vor allem Unternehmen mit einer geringen Mitarbeiterstärke. Bei Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten planten rund 41 Prozent die Verkleinerung der Belegschaft. Darunter litten dann in erster Linie die Zeit- beziehungsweise Leiharbeitskräfte und einfachen Facharbeiter. Jedoch werde versucht, Fachkräfte mit langjähriger Erfahrung zu halten, betonte Rödl. Vor allem mit Hilfe von Kurzarbeit. Das sei ein "positives Signal". Allerdings könnten die Mittelständler das nur noch bis Ende des Jahres gewährleisten. Danach werde es angesichts der Umsatzrückgänge bereits schwierig allein die laufende Geschäftsfähigkeit zu finanzieren.
Der Blick in die Zukunft fällt bei vielen Unternehmen düster aus. Laut der Umfrage befürchten 38,2 Prozent der Mittelständler fallende Umsätze, nach 13 Prozent vor einem Jahr. Gut 17 Prozent, also rund 330 000 Unternehmen, rechnen mit einem Erlösanstieg. Aufgrund dessen sehen sich auch nur rund 40 Prozent der Befragten in der Lage, Investitionen vorzunehmen. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe sei kein neuer Kapitaleinsatz geplant. Als einen Grund dafür wurden laut Creditreform Finanzierungshemmnisse genannt. 43,2 Prozent schätzten die Finanzierungsbedingungen heute schwieriger als vor einem Jahr ein, ergab die Umfrage laut Creditreform.
Laut dem Verband, der seinen Sitz im nordrhein-westfälischen Neuss hat, wird sich das auch auf die Zahl der Insolvenzen auswirken. Nach rund 30.000 Firmenpleiten im vergangenen Jahr werden die Unternehmensinsolvenzen Rödl zufolge dieses Jahr auf 33.000 bis 35.000 steigen. Das liege vor allem daran, dass die Zahl der Forderungsausfälle zunehme.
Nach Angaben des Wirtschaftsdienstleisters Creditreform schätzen die Unternehmen ihre Geschäftslage je nach Bundesland anders ein. Dabei sei der Westen Deutschlands aufgrund seiner Industriestruktur und Exportorientierung stärker von der Wirtschaftskrise betroffen und beurteile die aktuelle Lage schlechter. Nur 31,6 Prozent der Mittelständler im Westen bewerteten die derzeitige Situation mit "gut" oder "sehr gut" im Vergleich zu 41,3 Prozent im Osten des Landes. Vor allem Unternehmen in Sachsen, Berlin und Brandenburg seien guter Dinge. Schlecht geht es der Umfrage zufolge vor allem Firmen in Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Baden-Württemberg.
Insgesamt bewertete im Frühjahr 2009 nur ein Drittel der Befragten die derzeitige Geschäftssituation mit "gut" beziehungsweise "sehr gut". Vor einem Jahr war es noch fast die Hälfte.
Creditreform zufolge wurden 4.219 Unternehmen zwischen dem 20. Februar und 20. März befragt. Der Schwerpunkt lag auf Firmen mit 10 bis 100 Mitarbeitern.
Nadine Schimroszik/ddp
