Ausländische Berufsqualifikationen Immer mehr ausländische Abschlüsse anerkannt

Menschen, die im Ausland einen Beruf erlernt haben und jetzt hier leben, können ihre berufliche Qualifikation in Deutschland anerkennen lassen. Die Statistik zeigt: Immer mehr nutzen diese Möglichkeit. Eine Chance auch im Handwerk.

156 Kraftfahrzeugmechatroniker ließen sich 2013 ihre im Ausland erworbene Berufsausbildung anerkennen. - © Foto: www.amh-online.de

2013 bemühten sich rund 16.700 Menschen um die Anerkennung ihrer beruflichen Qualifikation. Drei Viertel von ihnen erreichten eine vollkommene Anerkennung. Nur vier Prozent wurden ganz abgelehnt. Beim Rest stellten die Prüfer zumindest eine teilweise Gleichwertigkeit fest, zeigt die aktuelle Veröffentlichung des Statischen Bundesamtes für 2013.

Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeit, die das Anerkennungsgesetz seit April 2012 bietet. Seitdem gingen rund 26.500 Anträge ein. "Das große Interesse an den Anerkennungsverfahren ist sehr erfreulich. Wir brauchen diese ausländischen Fachkräfte, und die Anerkennung öffnet ihnen die Türen zum deutschen Arbeitsmarkt", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

Vor allem Ärzte und Pflegekräfte

Fast 80 Prozent der Anerkennungsverfahren fallen auf reglementierte Berufe, vor allem Ärzte, Krankenpfleger und Krankenschwestern ließen ihre Ausbildung anerkennen. Damit kommen die meisten Interessenten aus genau den Bereichen, in denen der Fachkräftemangel am stärksten drückt und wo die Anerkennung der Ausbildung zwingende Voraussetzung für die Berufsausübung ist. "Für jeden Einzelnen, der ein Anerkennungsverfahren erfolgreich durchlaufen hat, bedeutet dies Wertschätzung seiner Qualifikationen und in aller Regel einen Schub für seine berufliche Karriere", sagte Wanka.

Aus dem Handwerk bemühten sich vor allem Elektroniker, Elektroniker für Betriebstechnik, Kraftfahrzeugmechatroniker und Friseure um die Anerkennung. Diese Handwerksberufe sind zulassungspflichtig und bedürfen der Zulassung.

Um die Zuwanderung für ausländische Fachkräfte weiter zu erleichtern, hat die Bundesregierung am 3. Dezember den Gesetzentwurf zur Neubestimmung des Bleiberechts beschlossen. Darin vorgesehen ist auch eine neue Möglichkeit für ausländische Fachkräfte, hier in Deutschland eine Anpassungsqualifizierung durchzuführen. "Das ist ein zusätzlicher Anreiz in Deutschland zu arbeiten und ein Signal, dass ausländische Fachkräfte willkommen sind", sagte Wanka.

Hohes Interesse an dem Anerkennungsverfahren

Das unvermindert hohe Interesse an den Anerkennungsverfahren zeigen auch die Zahlen der Informations- und Beratungsangebote der Bundesregierung. Über 1,8 Millionen Besucher nutzten seit seinem Start im März 2012 das Internetangebot www.anerkennung-in-deutschland.de, das in sieben Sprachen die wichtigsten Informationen zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen bereithält.

Von den monatlich rund 90.000 Besuchern kommen 45 Prozent aus dem Ausland. Auch die bundesweiten Anlaufstellen des Netzwerks "Integration durch Qualifizierung - IQ" haben über 36.000 Interessierte beraten. Mehr als 26.000 Personen baten die Anerkennungs-Hotline um Rat. Die Bundesregierung hat das Angebot Anfang Dezember zur umfassenden "Hotline Arbeiten und Leben in Deutschland" ausgeweitet. Neben Hinweisen zur Anerkennung bietet die Hotline jetzt auch Informationen zu allen Fragen rund um Einreise, Aufenthalt, Arbeit, Jobsuche und Deutschlernen an .

Um die Umsetzung des Anerkennungsgesetzes weiterhin gezielt zu verbessern, fördert das BMBF unter anderem ein Projekt, das Flüchtlingen, die zumeist keine Unterlagen für ein Anerkennungsverfahren vorlegen können, mittels einer Qualifikationsanalyse die Gleichwertigkeit ihrer Abschlüsse leichter ermöglicht. Weitere BMBF-geförderte Projekte sollen die Anerkennungskultur in Betrieben stärken und zielen auf die Sensibilisierung und Unterstützung der Personalverantwortlichen und Arbeitnehmervertretungen.

Hier geht es zur Statistik.

bst