Teamspieler oder Einzelgänger: Nur wenige Gründungen erfolgen im Team. Dabei hat es viele Vorteile sich nicht alleine selbstständig zu machen. Was man bei der Gründung mit Partnern beachten sollte und wozu Vesting gut ist.

Bei der Anzahl der Gründungen in Deutschland gibt es große regionale und thematische Unterschiede. Im Westen ist die Gründungsquote viel höher als im Osten. Spitzenreiter sind Hessen und Rheinland-Pfalz. 10,3 Prozent der Gründungen sind in der Baubranche angesiedelt. 5,1 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe. Der Anteil der Teamgründungen belief sich im Jahr 2013 auf nur 23 Prozent, so die Angaben des KfW Gründungsmonitors.
Welche Vorteile hat eine Gründung im Team?
Aber Teamgründungen lohnen sich. Disney gebe es vielleicht nicht, wenn Walter nicht Roy Disney an seiner Seite gehabt hätte. Ohne die zahlreichen Diskussionen mit Steve Wozniak hätte Steve Jobs Apple wahrscheinlich nicht zu solch einem Erfolg führen können.
Im Vergleich zu Sologründungen haben Gründungen im Team viele Vorteile:
- Kombination von unterschiedlichen Fähigkeiten und Erfahrungswissen
- Kompensation der Schwächen Einzelner
- höheres Grundkapital und leichtere Kapitalbeschaffung
- geringeres finanzielles Risiko für den Einzelnen sowie die Verteilung der Verantwortung auf mehrere Schultern
- gegenseitige Motivation und Unterstützung
- Zugriff auf ein größeres Netzwerk an Kontakten
Was muss man bei einer Gründung im Team beachten?
1. Mit Familie und Freunden gründen
Auf den ersten Blick scheint es angebracht, mit einer vertrauten Person zu gründen. Doch eine Vielzahl an Studien rät davon ab, mit Familienmitgliedern und engen Freunden zu gründen. Sonst werden Konflikte im Gründerteam schnell zu Konflikten zwischen Geschwistern oder Freunden. Eine bessere Option ist da ein ehemaliger Arbeitskollege oder eine neue Bekanntschaft, mit der man sich an klare vertragliche Vereinbarungen hält.
Wer doch mit Freunden gründen möchte, sollte folgende Punkte beachten:
- früh wasserdichte Verträge abschließen: So lange das Geschäft gut läuft, kümmert sich keiner um die Verträge – sollte man aber. Es empfiehlt sich vor einem Austritt eines Gründers oder einem Einstieg eines Investors Erwartungen auszutauschen und Vereinbarungen schriftlich festzuhalten.
- Freundschaften pflegen: In der Freizeit sollte es andere Gesprächsthemen als das eigene Unternehmen geben. Wenn es mit dem eigenen Unternehmen nicht gut läuft, färbt dies sonst auf die Freundschaft ab.
- Unterschiede kennen und ansprechen: Gründer sollten unterschiedliche Arbeitsweisen im Team früh ansprechen. Wer aus Rücksicht auf die "gute Freundschaft" keine Kritik ausübt, hilft dem Teamgeist meist nicht weiter.
- Kreditwürdigkeit des anderen kennen: Eine frühere Insolvenz oder negative Kreditbewertungen haben Einfluss auf die finanzielle Unterstützung von Investoren. Eine negative Kredithistorie eines Teammitgliedes kann also auch dazu führen, dass die Finanzierung nicht genehmigt wird.
- Ehrlichkeit währt am längsten: Es kann nie alles perfekt laufen, Fehler und Probleme gehören dazu und eine Freundschaft muss nicht vor schlechten Nachrichten geschützt werden.
2. In einem homogenen Team gründen
Bei einer Gründung ist nicht nur die zwischenmenschliche Ebene relevant, sondern auch die Fähigkeiten, die ins Team gebracht werden. In homogenen Teams treten oft weniger Konflikte auf. Daher scheint diese Arbeitsweise effizienter. Aber die ähnliche Denkweise der Gründer führt zu schlechteren Lösungen, Probleme werden leichter übersehen und manche Fähigkeiten fehlen komplett.
3. Mit voreiliger Arbeitsteilung gründen
Viele, gerade junge Gründer teilen sich die Aufgaben nach einem einfachen Prinzip: jeder ist für die Hälfte der Arbeit verantwortlich und jeder erhält auch die Hälfte der Anteile. Spätestens nach den ersten Turbulenzen gibt es jedoch eine oder mehrere Personen im Team, die mehr beitragen als andere. Eine Möglichkeit dieses Problem zu umgehen, ist es dynamische Komponenten zu verwenden, auch bekannt als Vesting. Hier werden nicht alle Anteile sofort an die Gründer übertragen, sondern erst im Verlauf der Jahre verdient . Dabei werden die Anteile entsprechend dem jeweiligen Beitrag zu einzelnen Meilensteinen und Zielen, die zu Beginn definiert werden. Es hat sich gezeigt, dass durch solche Maßnahmen die Motivation im Team steigt.
4. In einem altersgemischten Team gründen
In Betrieben gelten altersgemischte Teams bereits als wirksames Mittel zur Fachkräftesicherung. Aber auch bei Gründungen können sich Jung und Alt ergänzen. Solche Kooperationen können durch ein Mentoring Programm oder bei einer Unternehmensnachfolge entstehen. Aber auch eine gemeinsame Existenzgründung hat viele Vorteile: Ältere Personen können ihr Wissen weitergeben. Sie müssen dabei nicht als Vollzeitunternehmer aktiv sein. Ältere Menschen können auch nur Teilzeit an dem Gründungsprojekt beteiligt sein, oder sich im Ruhestand damit beschäftigen.
Laut DIHK Gründerreport 2013 verfügen ältere Gründer oftmals über bessere finanzielle Ressourcen und ein größeres Netzwerk. Davon können jüngere Gründer profitieren. Die Verbindung aus neuen Ideen und praxisorientiertem Know-how kann der neuen Existenz eine solide Grundlage verschaffen. jb