Im Sitzen in Bewegung bleiben

Moderne Ergonomie sollte Muskeln fordern

Im Sitzen in Bewegung bleiben

Die klassische Sitzergonomie über Jahrzehnte propagiert und weiterentwickelt habe in die Sackgasse geführt. In richtiges und falsches Sitzen zu unterscheiden sei ebenso kontraproduktiv wie Bewegungsabläufe vorzuschreiben, sagte Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln während der während der Messe Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Düsseldorf.

Grundlagen vieler Thesen zur Sitzergonomie seien nicht naturwissenschaftlich als vielmehr sozialgeschichtlich zu interpretieren: Das aufrechte Sitzen ist aus dem „Stramm-Stehen“ abgeleitet. Dreidimensionale Bewegung, kombiniert mit vielfachen Haltungswechseln, sei besser als jede Warnung vor einem falschen Sitzen. Die Muskulatur bildet das größte Stoffwechselorgan des Körpers. Haltearbeit und Bewegungsmangel behindern sämtliche Stoffwechselfunktionen und Regelkreise des Organismus. Die Inaktivität führt zum schleichenden Verlust motorischer Kompetenzen, sie verändert den Zellstoffwechsel und ersetzt Muskulatur durch Fettaufbau. Rezeptoren, die nicht stimuliert und gefordert werden, verkümmern, schwinden und schalten sich ab. Aus dem Bewegungsmangel durch die Einschränkung beim Sitzen wird ein Bewegungsmangel durch die verkümmerte Selbststeuerung des Organismus.

Bei der Büroarbeit sei der äußere Bewegungsreiz auf die Bedienung von Tastatur und Maus reduziert. Die „neue Freiheit des Sitzens“ fordert deshalb: Stimulation möglichst vieler, auch kleiner Bewegungen in alle Richtungen, Freiheitsgrade und Positionierung der Drehpunkte analog dem Körper sowie synchrone Abstützung in jeder Haltung und Bewegung, um Überforderung und Ermüdung entgegenzuwirken. dhz