Während die Militärkapelle am Amtssitz des Präsidenten noch den Gassenhauer "Nimm mich mit Kapitän auf die Reise" schmetterte, musste Angela Merkel auf ihren Gastgeber warten. Eine Viertelstunde später als verabredet nahm Präsident Mwai Kibaki die Kanzlerin am Dienstag in der kenianischen Hauptstadt Nairobi in Empfang, um sie dann mit militärischen Ehren offiziell willkommen zu heißen.
Im Land der Gegensätze
Nairobi (dapd). Während die Militärkapelle am Amtssitz des Präsidenten noch den Gassenhauer "Nimm mich mit Kapitän auf die Reise" schmetterte, musste Angela Merkel auf ihren Gastgeber warten. Eine Viertelstunde später als verabredet nahm Präsident Mwai Kibaki die Kanzlerin am Dienstag in der kenianischen Hauptstadt Nairobi in Empfang, um sie dann mit militärischen Ehren offiziell willkommen zu heißen. Aus Delegationskreisen hieß es dazu weiter, der Präsident sei noch nicht ganz fertig gewesen.
Die Anekdote passt zu einem Land, dass wirtschaftlich aufstrebend ist, in dem europäisches Engagement aber stets mit örtlichen Gegebenheiten kollidiert.
So ist das Rauchen in der Öffentlichkeit zwar strengstens verboten und Touristen werden bei Verstößen gerne kräftig zur Kasse gebeten, andererseits sieht man Einheimische an vielen Ecken kräftig paffen. Auch das Rauchen im Auto sei verboten, allerdings nur bei geöffnetem Fenster, berichten Einheimische. Wenn die Scheiben geschlossen seien, stehe dem Nikotinkonsum hingegen nichts im Wege.
Hupen ist eigentlich auch verboten, ebenso wie laute Musik im Auto, aber daran hält sich kaum ein Kenianer. Nur Auswärtigen geht es ans Portemonnaie.
Der Amtssitz von Präsident Kibaki erinnert mit seinen mächtigen Säulen und dem prächtigen Garten ein wenig an das Weiße Haus in Washington, wo Merkel unlängst ebenfalls militärische Ehren zuteilwurden. Mit der Präzision der Amerikaner haben die Kenianer hingegen offenbar nicht ganz so viel gemein. Noch wenige Minuten vor dem Eintreffen der Kanzlerin wurde eifrig am Roten Teppich gewerkelt. Vor dem Merkel-Besuch fuhr ein Bus mit der Aufschrift "Kenya Prisons Service" und Männern in Häftlingskleidung auf das Gelände. Kräfte, die zu Gartenarbeiten eingesetzt würden, hieß es.
Trotz dieser kleinen Unterschiede kam Kanzlerin Merkel bei der ersten Station ihrer Afrika-Reise weit voran. Das heikle Thema Korruption sprach die CDU-Politikerin an und erhielt von Ministerpräsident Raila Odinga prompt die Zusicherung "alles zu tun", um die Korruption im privaten und öffentlichen Sektor zu bekämpfen. Merkel sagte dabei Unterstützung zu.
Eine Vereinbarung zur Einrichtung eines Delegiertenbüros der deutschen Wirtschaft wurde unterzeichnet, beide Seiten wollen ihre wirtschaftlichen Beziehungen mit Volldampf vorantreiben. Im Gegensatz zu den Öl-Staaten Angola und Nigeria, den weiteren Stationen auf Merkels Reise, lebt Kenias Wirtschaft vor allem von Land- und Forstwirtschaft sowie von der Fischerei. Ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts werden in diesen Bereichen erwirtschaftet. Rund 70 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft. Deutschland könne gerade im Agrarbereich gute Hilfestellung geben, versicherten Merkel und die sie begleitende Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und stießen damit auf durchweg offene Ohren.
Bei der Bewältigung der Konflikte rund um das Horn von Afrika und dem Kampf gegen die Piratenüberfälle insbesondere vor Somalia spielt Kenia eine Schlüsselrolle. Auch dieses Thema wurde offen besprochen, ebenso wie die aus deutscher Sicht mangelhafte Zusammenarbeit Kenias mit dem Internationalen Strafgerichtshof. Es gibt immerhin schon Bewegung in der Sache: Sechs Kenianer, sie sollen nach den Wahlen 2007 bewusst Unruhen provoziert haben, leisteten einer Vorladung zur Anhörung nach Den Haag tatsächlich Folge. Ein Fortschritt, der in der deutschen Delegation als kleiner aber positiver Schritt bewertet wurde.
Die Beziehungen zwischen Kenia und Deutschland gelten als sehr gut. Was auch damit tun hat, dass es Deutschland war, das den unabhängigen Staat Kenia 1963 als erstes anerkannte. Konsularbeamte profitieren davon noch bis heute und freuen sich über die Ziffer "1" auf dem Diplomaten-Kennzeichen ihres Dienstwagens. Rauchen dürfen sie darin aber auch nur hinter vorgehaltener Hand.
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