Die Hiobsbotschaften bei der durch die US-Immobilienkrise angeschlagenen IKB Deutsche Industriebank reißen nicht ab. Die Mittelstandsbank muss weitere 590 Millionen Euro abschreiben.
IKB muss erneut Millionen abschreiben
Wegen der zusätzlichen Verluste geht die IKB für das in wenigen Tagen endende Geschäftsjahr 2007/2008 von einem Konzernverlust von rund 800 Millionen Euro aus. Die Aktie wurde teilweise vom Handel ausgesetzt. Nach der Wiederaufnahme verloren die Papiere bis 14 Uhr mehr als sieben Prozent.
Der beabsichtigte Verkauf von Wertpapierpaketen sei wegen der aktuellen Marktbedingungen gestoppt worden, teilte die IKB mit und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des "Handelsblattes". Die erhöhten Bewertungsverluste belasteten auch das Eigenkapital.
Deswegen gewähre der IKB-Hauptaktionär, die staatliche Förderbank KfW, die mit rund 43 Prozent beteiligt ist, erneut ein Darlehen über diesmal 450 Millionen Euro, teilte die IKB weiter mit. Dieser Ausgleich sei bereits bei der letzten Rettungsaktion im Februar verabredet worden und ist laut IKB ein "Darlehen mit Forderungsverzicht und Besserungsabrede". Erst im Februar hatte die KfW 600 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die 450 Millionen Euro werden laut IKB jetzt benötigt, um Marktwertverluste aus den Investments in teils risikobehaftete Wertpapiere ausgleichen zu können. Dem "Handelsblatt" zufolge ist bisher ungewiss, ob die Summe dafür ausreicht.
Seit Sommer vergangenen Jahres gab es bereits drei spektakuläre Rettungsaktionen durch den Hauptaktionär KfW, den Bund und die Bankenverbände. Mit insgesamt 8,5 Milliarden Euro wurde die IKB bisher vor dem Zusammenbruch gewahrt. Das letzte, im Februar vereinbarte Rettungspaket hatte ein Volumen von 2,3 Milliarden Euro.
Die KfW wie auch die Stiftung Industrieforschung wollen ihre IKB-Anteile verkaufen. Seit Montag können ausgewählte Interessenten die Bücher der Düsseldorfer Bank einsehen. Um den Verkauf der Bank zu ermöglichen, nimmt die KfW getrennte Gebote für das Mittelstandsgeschäft sowie das ausfallgefährdete Wertpapierportfolio entgegen, das sich auf nominal 5,7 Milliarden Euro beläuft. Aus KfW-Sicht hat das Verkaufsvorhaben durch die aktuellen Meldungen keinen Rückschlag erlitten. "Der Verkaufsprozess läuft planmäßig", sagte ein KfW-Sprecher.
Nach früheren Presseberichten sollen die WestLB sowie die schwedische SEB am IKB-Mittelstandsgeschäft interessiert sein. Für die kritischen Wertpapiere waren angeblich Beteiligungsgesellschaften wie Lone Star, Cerberus, Ripplewood und JC Flowers im Rennen.
Für April hat das Institut den Ausweis von Halbjahres- und Neunmonatszahlen angekündigt. Dabei geht es um den Zeitraum April bis Dezember 2007. Am Donnerstag nächster Woche hält die IKB ihre diesjährige Hauptversammlung ab.
ddp