Bauhauptgewerbe IG BAU erklärt Tarifverhandlungen für gescheitert

Der Bundesvorstand der IG BAU hat die Tarifverhandlungen für die rund 700.000 Beschäftigten des deutschen Bauhauptgewerbes offiziell für gescheitert erklärt. Jetzt soll im Laufe nächsten Tage die Schlichtung angerufen werden.

IG BAU erklärt Tarifverhandlungen für gescheitert

Vor der Sitzung des Gremiums hatte IG BAU-Vorsitzender Klaus Wiesehügel den Arbeitgebern vorgeworfen, sich in den bisherigen drei Verhandlungsrunden "schamlos" der Krise bedient zu haben. Das bislang vorgelegte Angebot hätte die angestrebte Angleichung der Ost- und Westlöhne auf unbestimmte Zeit verschoben und für die Mehrheit der ostdeutschen Arbeiter Lohneinbußen bedeutet.

Die Schlichtung solle nun unter Führung des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers Wolfgang Clement erfolgen. Eine erste Sitzung sei bereits für den 22. Mai geplant. Wiesehügel sagte, er rechne mit einem schnellen Ergebnis. Für den Fall, dass die Schlichtung ebenfalls scheitern sollte, kündigte die IG Bau bereits für den Juni Streiks an. Die Vorbereitungen dafür hätten bereits begonnen.

In den bisherigen Verhandlungsrunden haben sich beide Seiten nicht annähern können. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten sechs Prozent mehr Lohn und eine Angleichung der Tariflöhne im Osten an das Westniveau. Die Arbeitgeber kritisierten nach der jüngsten Verhandlungsrunde, dass sich die IG BAU "am Mindestlohn festgebissen" habe und warfen ihr "fehlende Verhandlungsbereitschaft" vor.

Baugewerbe rechnet mit Umsatzrückgang und Stellenstreichungen

Unterdessen vermeldet das deutsche Baugewerbe, es werde im laufenden Jahr mit einem Umsatzrückgang und Stellenstreichungen gerechnet. Insgesamt würden die Erlöse mit 83,9 Milliarden Euro zwei Prozent geringer ausfallen als im Vorjahr, erklärte der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Vor diesem Hintergrund erwartet der Verband den Verlust von rund 10.000 Arbeitsplätzen.

Laut der Prognose rechnet der ZDB im Wohnungsbau mit 25,0 Milliarden Euro (minus 3,5 Prozent), im Wirtschaftsbau mit 31,0 Milliarden Euro (minus 8,6 Prozent) und im öffentlichen Bau mit 27,9 Milliarden Euro (plus 8,1 Prozent) Umsatz. Unter dem Strich reiche der Umsatzzuwachs im öffentlichen Bau nicht aus, um die Rückgänge im Wohnungs- und Wirtschaftsbau auszugleichen, sagte ZDB-Präsident Hans-Hartwig Loewenstein.

Im Februar sei der ZDB noch davon ausgegangen, aufgrund der Maßnahmenpakete der Bundesregierung ein geringes Umsatzplus erwirtschaften zu können. "Die Entwicklung in den ersten beiden Monaten des Jahres weist eine andere Richtung," erklärte Loewenstein jedoch.

Die größte Sorge der mittelständischen Bauwirtschaft gelte dem Wohnungsbau. 2008 seien es nur noch knapp 170.000 Wohneinheiten fertiggestellt worden, nachdem 2007 erstmals die Grenze 200.000 Wohnungen unterschritten worden sei, hieß es. Verheerend sei auch die Entwicklung der Auftragseingänge, für die in den ersten beiden Monaten ein Rückgang von 30 Prozent verbucht worden sei. Im öffentlichen Bau lägen die Auftragseingänge per Februar um sechs Prozent im Minus.

Loewenstein machte die zögerliche Umsetzung der Konjunkturpakete durch Bund, Länder und Gemeinden für die enttäuschende Entwicklung im öffentlichen Bau verantwortlich. Der ZDB-Präsident forderte die Bundesregierung auf, über weitere Konjunkturimpulse nachzudenken, die insbesondere auf den Wohnungsbau zielen müssten.

Der Verband vertritt nach eigenen Angaben rund 35.000 mittelständische Bauunternehmen. Ende 2008 waren in der Branche rund 705.300 Mitarbeiter beschäftigt.

ddp