Konjunktur Ifo-Chef Sinn: Keine Auswirkungen auf Konjunktur durch Libyen

Der Chef des Münchener Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts, Hans-Werner Sinn, glaubt nicht an negative Auswirkungen der Unruhen in Libyen für die Ölversorgung oder Konjunkturentwicklung in Deutschland.

Ifo-Chef Sinn: Keine Auswirkungen auf Konjunktur durch Libyen

"Libyen alleine ist noch nicht das Problem", sagte Sinn im Deutschlandfunk. Der Ausstoß betrage ein Fünftel der saudi-arabischen Produktion. Der Ausfall könne somit leicht kompensiert werden.

Sollten die Unruhen allerdings auf Länder wie Saudi-Arabien oder Katar übergreifen "würde es knapp mit dem Öl in der Welt", sagte er weiter. Er sehe jedoch keine Anzeichen für eine bevorstehende Revolution beispielsweise in Saudi-Arabien. "Dort geht es den Leuten ja gut, sie haben einen privilegierten Status, die Bürger zahlen keine Steuern, es werden öffentliche Sozialleistungen zur Verfügung gestellt."

Auch die Konjunktur in Deutschland würde von den Unruhen noch nicht beeinflusst. Die hiesige Konjunktur laufe "ja sowieso besonders gut". Das liege vor allem daran, dass Anleger ihr Geld wieder eher zu Hause in Deutschland anlegten, weil ihnen die Lage in anderen Ländern zu unsicher sei. Das habe einen "wundervollen Investitionsboom" gebracht. "Die Binnennachfrage schoss hoch und wir hatten ein Wachstum, wie kein anderes europäisches Land ähnlicher Größe", sagte Sinn.

Sinn wandte sich zudem gegen einen Ausbau der EU-Rettungsschirme, zur Unterstützung von in Finanznot geratenen Banken oder Staaten. "Die können wir uns sowieso nicht leisten, die sind schon ziemlich groß dimensioniert." Schon jetzt sei Deutschland mit 220 Milliarden Euro beteiligt, bei einer Aufstockung wären es 350 Milliarden Euro. "Wo soll das noch hinführen?", fragte Sinn.

Er forderte einen Rettungsmechanismus, bei dem auch die Banken und andere Gläubiger der Staaten beteiligt werden. Es könne nicht angehen, dass nur der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird. "Der Steuerzahler wird hier wohl für dumm verkauft, insbesondere der deutsche", kritisierte Sinn.

dapd