Panorama -

Handwerkerin und Model "Andere Models fragen mich nach Reparatur-Tipps"

Sandra Hunke, 25, kommt aus einer Handwerksfamilie aus der Nähe von Paderborn. Früh stand für sie fest, dass sie dieser Tradition folgen möchte. Dank der Teilnahme an der Wahl zur "Miss Handwerk" öffnete sich für sie ein weiteres Berufsfeld.

DHZ: Wann stand für dich fest, dass du Handwerkerin werden möchtest?

Sandra Hunke: In der Schule im Werkunterricht. Ich war das einzige Mädchen, das sich immer aufs Werken gefreut hat. In unserer Werkstatt zu Hause habe ich dann immer viel selber ausprobiert. Ich habe das Werkzeug von meinem Vater geklaut, der dann immer ängstlich hinter mir stand, damit bloß nichts passiert.

DHZ: Wie ging es nach der Schule weiter?

Hunke: Nach der Schule habe ich dann im Rahmen eines Berufsvorbereitungsjahres mehrere Praktika gemacht. Ich habe mich als im Elektro-, Maurer-, Maler- und Tischlerhandwerk ausprobiert und habe mich dann in den Beruf der SHK-Anlagenmechanikerin verliebt.

DHZ: Und in Folge dessen auch ins Modeln?

Hunke: Ja, ich habe 2012 meine Lehre begonnen und im gleichen Jahr auch sofort bei der Wahl zur Miss Handwerk teilgenommen.

DHZ: Wie war die Erfahrung für dich?

Hunke: Es war sehr aufregend. Ich war ja Neuling. Ich wusste zu Beginn nicht, wie ich vor der Kamera posen soll. Ich habe aber schnell Gefallen dran gefunden und den zweiten Platz belegt. Daraufhin kamen die Model-Agenturen und seitdem mache ich beides.

DHZ: Wie bringst du beides unter einen Hut?

Hunke: Ich bin montags, dienstags und jeden zweiten Mittwoch auf der Baustelle. In der übrigen Zeit bin ich auf Fotoshootings oder Modeschauen, wie der Berlin Fashion Week oder auch im Fernsehen zu sehen.

DHZ: Wie war die Berlin Fashion Week für dich?

Hunke: Beim ersten Mal war ich mega aufgeregt. Ich war ja Neuling und kannte niemanden. Dieses Jahr war ich entspannter und konnte es mehr genießen. Der beste Moment ist immer, wenn ich auf den Laufsteg rausgehe und das Blitzlichtgewitter sehe.

DHZ: Auf der Berlin Fashion Week trifft man hauptsächlich weltweit bekannte Designer. In einem früheren Interview hast du gesagt, dass es dein Traum ist, Werbung für ein handwerkliches Produkt zu machen. Wie sieht es damit aus?

Hunke: Ich bin seit kurzem offizielle Markenbotschafterin der Firma Mascot und arbeite in deren Arbeitskleidung. Früher musste ich dafür viel Geld ausgeben, jetzt bekomme ich sie zugeschickt. Für die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld werde ich demnächst auf Werbeplakaten zu sehen sein und auf der SHK Essen 2018 moderiere ich den Stand eines großen Sanitär Herstellers.

DHZ: Durch die Aufträge mit Handwerksbezug werden auch bald viele deiner Kollegen im Handwerk wissen, dass du modelst. Wie gehst du damit um?

Sandra Hunke bei der Arbeit als SHK-Anlagenmechanikerin.

Hunke: In der Firma bin ich ja alleine mit meinem Chef und der weiß das ja schon immer. Ohne seine Unterstützung, dass ich nur zwei bis drei Tage die Woche arbeiten kann, wäre das alles ja gar nicht möglich. Viele Kollegen auf der Baustelle wissen es aber auch schon. Die fragen dann immer, wo ich am Wochenende war und für wen ich gemodelt habe. Die finden das ganz cool.

DHZ: Und wie ist das mit deinen Model-Kollegen?

Hunke: Bei Fotoshootings und Modeschauen wissen es viele nicht, aber man sieht es mir ja auch nicht an, dass ich Handwerkerin bin. Ab und zu kommt aber auch die Frage: "Und was studierst du?" Ich antworte dann, dass ich nicht studiere, sondern Anlagenmechanikerin bin. Ich muss dann erklären, dass das mit Sanitär, Heizung und Klima zu tun hat und Beweisbilder zeigen. Viele können das gar nicht glauben. Einige fragen mich aber auch nach Reparatur-Tipps, wenn sie Probleme im Badezimmer oder mit der Heizung haben. Das sind immer ganz lustige Gespräche.

DHZ: Klingt ja als würde gerade alles gut für dich laufen. Hast du schon Pläne, wie es weitergehen soll?

Hunke: Das ist schwierig zu sagen. Ich genieße jeden Tag, an dem es so läuft wie es gerade ist. Es könnte ja morgen schon vorbei sein. Auch wenn ich mehr Modelaufträge bekomme, könnte ich nicht monatelang ins Ausland gehen. Ich hänge schon sehr an meiner Heimat und freue mich immer wenn ich von einem Job zurückkomme und mich auf dem Bau wieder auspowern kann. Ich könnte das Handwerk nie aufgeben.

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