Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation: Umkämpfter Markt beflügelt Messe

Mit viel Schwung fährt die Nutzfahrzeugbranche nach Hannover. Und mit Kia kommt ein interessanter Neuling zur IAA Transportation.

Kia PV5
Ihre Europa-Premiere erleben zur IAA in Hannover die neuen Kia-Transporter PV 5 und PV 7. - © Kia

Die IAA Transportation, zu der sich vom 17. bis 22. September die Fachwelt wieder in Hannover trifft, spiegelt den Wandel in der Mobilität, der auch vor der Nutzfahrzeugbranche nicht Halt macht. Elektroantriebe bewegen immer schwerere Lasten, gleichzeitig rollen leichte flexible Fahrräder als Transportträger durch die Straßen. Besondere Spannung verspricht die diesjährige Messe auch für Handwerker, denn Kia bringt Bewegung in den europäischen Transportermarkt.

Kia kommt mit neuem Konzept 

Bislang bieten die Südkoreaner ihre Kleinlaster vor allem im asiatischen Raum an. Aber auch in Deutschland wurden mit dem Kia Besta oder dem Pritschenwagen K2500 schon leichte Nutzfahrzeuge der Marke verkauft, die vereinzelt noch als Gebrauchte zu haben sind. Mit dem ersten Auftritt bei der Nutzfahrzeug-IAA will der Hersteller nun ein Zeichen für die Zukunft setzen.

Vier Studien zu den künftigen Modellen PV5 und PV7 sollen die Idee der "Platform Beyond Vehicle" (PBV) sichtbar machen – ein Mobilitätskonzept, das über den traditionellen Fahrzeugbegriff hinausgeht. Der PV5 wird laut Kia nächstes Jahr in den Handel kommen. Im Großraum Frankfurt, wo Kia Deutschland seinen Sitz hat, sollen schon stark getarnte Erlkönige unterwegs sein. Die DHZ wird nach der IAA näher über die Vorhaben von Kia berichten.

Maxus eDeliver 5
Der eDeliver 5 schiebt sich zwischen die Nummern 3, 7 und 9 der Baureihe, hebt sich aber vom Design her von den Maxus-Schwestermodellen ab. - © Maxomotiv

China lässt grüßen

Generell ist zu beobachten, dass mit der voranschreitenden Elektrifizierung der Transporter immer mehr Anbieter in den Markt drängen. Das wird auch zur IAA Transportation in Hannover deutlich. Das Unternehmen Ari Motors aus Borna bei Leipzig, bietet seit seiner Gründung im Jahr 2017 vor allem Lastenmopeds und Kleinsttransporter an. Nun steigen die Sachsen, die ihre Fahrzeuge aus China beziehen und in Borna sowie im tschechischen Ricany an europäische Qualitätsstandards an­­passen, in die Sprinterklasse ein. In Hannover erlebt mit dem Ari 1710 der erste 3,5-Tonner der Marke seine Premiere. In der größeren Variante mit 4,25 t zulässigem Gesamtgewicht kann er Nutzlasten bis zu 1.475 kg schultern. Der Einstiegspreis liegt bei 44.990 Euro und für die größere Variante bei 48.990 Euro, jeweils netto.

Ari 1710
Mit dem Ari 1710 Kastenwagen steigt Ari Motors in die Sprinterklasse ein. - © Ari Motors

Zu den Neulingen im Transportersegment darf auch Maxus gezählt werden. Die Modelle der Nutzfahrzeug-Tochter des chinesischen Saic-­Konzerns werden in Deutschland von Maxomotiv vermarktet. Zur IAA stellt Maxus mit dem eDeliver 5 seinen ersten Transporter vor, der auf einer neuen Plattform basiert, die durch ihre Architektur neue Maßstäbe bezüglich Ladevolumen und Nutzlast sowie Komfort und Fahrverhalten setzt, wie der Hersteller betont. Durch sein windschnittiges Design hebt sich der eDeliver 5 deutlich von anderen Maxusmodellen ab. Angeboten in zwei Längen kann der Transporter, der mit dem VW ID. Buzz in einer Klasse fährt, in der größeren Variante bis zu 1.190 kg Nutzlast befördern und weitere 1.500 kg an den Haken nehmen. Preise hat Maxus noch keine veröffentlicht.

Die Brennstoffzelle zündet

Natürlich setzen auch die etablierten Hersteller aus Europa alle auf Alternativen zum klassischen Verbrenner. MAN stellt zur IAA als Weltpremiere den elektrifizierten TGL auf die Bühne und schließt damit die Lücke im Portfolio elektrischer Lkw zwischen 12 und 42 t Gesamtgewicht. Der eTGL mit bis zu 6 t Nutzlast soll im April nächsten Jahres in den Verkauf gehen.

FES Brennstoffzellen-LKW
FES hat einen Brennstoffzellen-LKW zur Serienreife gebracht, der ab kommendem Jahr lieferbar sein soll. - © FES

Derweil wurde von der Firma FES (Fahrzeug-Entwicklung Sachsen) ein 18 t schwerer Lkw auf Basis eines TGM von MAN mit wasserstoffbetriebener Brennstoffzelle zur Serienreife entwickelt. Zur Premiere Mitte Juli in Zwickau zeigte sich Geschäftsführer Christian Schwamberger besonders erfreut darüber, dass es dem Unternehmen mit rund 850 Mitarbeitern gelungen sei, dieses innovative Projekt komplett aus Eigenmitteln ohne staatliche Förderung zu stemmen. 

Als einer der Pioniere im Bereich Wasserstoffantrieb hat sich Opel etabliert. Zur IAA stellen die Rüsselsheimer mit dem Movano Hydrogen nach dem Vivaro schon ihr zweites Transportermodell mit Brennstoffzelle vor. Der 3,5-Tonner kann laut Opel bis zu 500 km emissionsfrei fahren und ist in fünf Minuten wieder aufgetankt. Das Ladevolumen unterscheidet sich nicht von dem der anderen Movano-­Varianten. 

Toyota zeigt Prototyp eins Wasserstoff-Pick-ups

Fuel Cell Hilux-Prototyp von Toyota
Einen Teil seines Auftritts widmet Toyota den Lösungen für die Wasserstoffmobilität. Der Fuel Cell Hilux-Prototyp gehört dazu. - © Toyota

Auch Toyota stellt in Hannover mit dem Fuel Cell Hilux ein Brennstoffzellenfahrzeug vor. Die Prototypen des Pick-ups stehen sogar nach Anmeldung für Probefahrten bereit. Interessanter aus Sicht des Handwerks dürfte am Toyota-Stand jedoch der Proace Max sein, mit dem die Nutzfahrzeugsparte Toyota Professional in Europa in die Sprinterklasse einsteigt. Neben einer batterieelektrischen Version wird der Neuling mit vielen verschiedenen Aufbauten an­geboten.

Insgesamt haben sich für die IAA Transportation 2024 mehr als 1.650 Aussteller aus 41 Ländern angekündigt – 20 Prozent mehr als vor zwei Jahren. Die Nutzfahrzeugbranche drückt wieder auf die Tube – und das weltweit. Der Anteil ausländischer Aussteller liegt bei 73 Prozent. Noch nie war die IAA in Hannover internationaler.