Neuling unter den Transportern der Sprinter-Klasse Hyundai H350: Das Gerüst stimmt, die Vielfalt fehlt noch

Zum ersten Mal seit vielen Jahren fährt mit dem H350 von Hyundai wieder ein richtiger Neuling vor im Segment der 3,5-Tonner. Kann der Koreaner in der Sprinter-Klasse bestehen? Eine Probefahrt im Kastenwagen.

Ulrich Steudel

© Foto: Ulrich Steudel
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Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem großen Vorbild von Mercedes-Benz, dessen Name für diese Gewichtsklasse begriffsprägend war, lässt sich nicht verleugnen. Wie schwer es aber ist, mit einer neuen Fahrzeuggattung in einem besetzten, wenn auch wachsenden Markt seinen Platz zu finden, wird beim Variantenreichtum deutlich. Zwei Radstände, zwei Motorvarianten, eine Dachhöhe, kein Allradantrieb und keine Automatikschaltung kürzen die Optionsliste des H350 doch gewaltig ein.

Davon abgesehen ist den Entwicklern ein respektabler Transporter gelungen, wie bei ersten Probefahrten im Rhein-Main-Gebiet unweit der neuen Hyundai-Europazentrale in Offenbach klar wurde.

Beide Dieselmotoren – egal ob mit 150 oder 170 PS – haben den beladenen Kastenwagen mit ausreichend Zugkraft über Autobahn, Landstraße oder durch die Stadt bewegt. Unebenheiten wurden vom Fahrwerk sanft abgefedert. Im Cockpit gibt es viele Ablagen und alle Bedienelemente sind gut überschau- und handhabbar. Nur kleine Ärgernisse, wie die im Serienfahrzeug nur von Hand einstellbaren Außenspiegel, trüben den Fahrspaß.

Wen die relativ lange Hinterachsübersetzung stört, kann gegen einen Aufpreis von nur 80 Euro eine kürzere Übersetzung wählen. Allerdings muss dann auch die rund 1.500 Euro teurere Ausstattungsvariante „Profi“ gewählt werden, bei der im Vergleich zur einfachen „Eco“-Ausstattung unter anderem eine Beifahrer-Doppelsitzbank mit abklappbarer Lehne als Schreibtischunterlage und ein Tempomat an Bord sind. Das macht besonders für das Bauhandwerk Sinn, weil der Transporter bei unbefestigtem Untergrund dann etwas anzugskräftiger agieren kann. Die geringere Höchstgeschwindigkeit (156 statt 170 km/h) dürfte verkraftbar sein.

Drei Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung

Im Laderaum haben die Koreaner auf großes Volumen geachtet. Vier Europaletten – bei langem Radstand sogar fünf – kann der Kastenwagen aufnehmen. Bei einer Höhe von knapp zwei Metern können die meisten Mitteleuropäer stehen, ohne den Kopf einziehen zu müssen. Die seitliche Schiebetür nutzt wie die Flügeltüren am Heck die gesamte Fahrzeughöhe aus, was durchaus nicht bei allen Mitbewerbern üblich ist.

Viele seiner Pkw-Kunden hat Hyundai mit einer fünfjährigen Garantie für sich gewonnen. Beim Nutzfahrzeug war das dem Hersteller aus gutem Grund zu riskant. Trotzdem setzt Hyundai mit drei Jahren Garantie ohne Kilometerbegrenzung auch beim H350 ein Zeichen. Das Wartungsintervall liegt bei 30.000 Kilometern oder zwei Jahren. Für die Mobilitätsgarantie kooperieren die Koreaner mit dem ADAC-Truck­Service.

Händlernetz wird ausgebaut

Den Vertrieb startet Hyundai in diesen Tagen mit 44 Verkaufs- und 20 Servicestationen. Zum Auftakt gibt es den H350 vor allem bei Mehrmarken-Händlern mit Transporterkompetenz. Durch Schulungen soll das Händlernetz aber bis 2017 auf 100 Häuser ausgebaut werden.

Wer glaubt, dass Hyundai als Neueinsteiger mit Kampfpreisen in der 3,5-Tonnen-Klasse punkten möchte, der irrt. Dem Image des Billiganbieters aus Fernost verwehrt sich Hyundai mit Netto-Einstiegspreisen von 30.980 Euro für den Kastenwagen und 28.440 Euro für das Fahrgestell. Doch dabei bleibt es wohl selten. Die beiden Testwagen mit langem Radstand und „Profi“-Ausstattung für die Probefahrten im Rhein-Main-Gebiet waren mit Netto-Preisen von 37.651 bzw. 40.281 Euro ausgezeichnet.