Der durch die Finanzmarktkrise angeschlagene Münchener Immobilien- und Staatsfinanzierer Hypo Real Estateerhält eine dringend benötigte Finanzspritze aus dem deutschen Bankensektor.
Hypo Real Estate muss gerettet werden
Damit sei die Marktfähigkeit des DAX-Konzerns gesichert, teilten Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mit. Das Unternehmen war offenbar durch Spekulationen der irischen Tochter Depfa Bank in Schieflage geraten. Die Bundesregierung wird das Hilfspaket mit einer Bürgschaft über 35 Milliarden Euro absichern. Die Aktie stürzte um rund 70 Prozent ab.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) verteidigte die Bürgschaft des Bundes. "Ich halte die Operation für erforderlich", sagte Steinbrück. Bei einer Insolvenz wäre ein erheblicher Schaden für deutsche Unternehmen entstanden. Darüber hinaus hätte eine Erschütterungsdynamik gedroht, "wie wir sie bisher nicht gekannt haben". Eine Lösung habe noch vor Börsenbeginn am Montag gefunden werden müssen, erläuterte Steinbrück weiter. Er habe sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegen eine Verstaatlichung entschieden.
Gut informierten Kreisen zufolge beläuft sich nicht nur die Absicherung des Bundes auf 35 Milliarden Euro, sondern auch das Rettungspaket des Bankenkonsortiums ist entsprechend hoch. Die Risikoabschirmung werde in zwei Tranchen aufgeteilt, hieß es. Eine erste Tranche über 14 Milliarden Euro teilten sich Banken und Bund, wobei die privaten Banken für 60 Prozent und der Bund für 40 Prozent aufkämen. Eine zweite Tranche über 21 Milliarden Euro entfalle allein auf den Bund.
Laut Hypo Real Estate (HRE) hat das deutsche Bankenkonsortium für die HRE-Holding und deren Töchter kurz- und mittelfristige Kreditlinien über "mehrere" Milliarden Euro arrangiert, deren Umfang den Refinanzierungsbedarf der Gruppe auf absehbare Zeit abdecke. Als Konsequenz der neuen Finanzierungsarrangements wird der DAX-Konzern nach eigenen Angaben Abschreibungen auf seine Beteiligung an der Depfa Bank vornehmen müssen. Das werde sich auf die Gewinn- und Verlustrechnung auswirken, kündigte HRE an. Eine Dividendenausschüttung für dieses Geschäftsjahr sei nicht zu erwarten.
Trotz der schlechten finanziellen Lage der HRE soll der Konzern nach eigenen Angaben bestehen bleiben. Es gebe keine Pläne über eine Abwicklung oder Zerschlagung der HRE, sagte ein Sprecher des Unternehmens, das etwa 2.000 Mitarbeiter beschäftigt. HRE-Vorstandsmitglied Bo Heide-Ottosen und der Chef der Tochter Depfa Bank, Paul Leatherdale, kündigten indes ihren Rücktritt an.
Der "Financial Times Deutschland" zufolge haben die deutschen Banken seit Tagen nach einer Lösung zur Rettung des DAX-Konzerns gesucht. Verantwortlich für die Schieflage seien extrem kurzfristig refinanzierte Langfristprojekte, für die die Depfa Bank Geld verliehen hat. Das sei wegen des Misstrauens an den Märkten inzwischen nicht mehr möglich.
Die Depfa Bank mit Sitz im irischen Dublin ist einer der weltweit führenden Finanzierer für die öffentliche Hand. Im Juli 2007 hatte HRE für etwa fünf Milliarden Euro die Depfa übernommen. Dass die HRE angeschlagen ist, wurde bereits Mitte Januar bekannt. Damals räumte das Unternehmen überraschend ein, doch von den Auswirkungen der US-Immobilienkrise betroffen zu sein und Wertkorrekturen in Höhe von 390 Millionen Euro vorgenommen zu haben. Seit Ende Juni ist die US-Beteiligungsgesellschaft J.C. Flowers Großaktionär des Konzerns.
ddp