Foodwatch veröffentlicht Kontrollergebnisse Hygieneskandal in Großbäckereien: Bäckerverband reagiert

Mäusekot, Schaben und Schimmel: Die Organisation Foodwatch hat Ergebnisse von Hygienekontrollen in bayerischen Großbäckereien veröffentlicht. Der Bäckerverband hält das für eine öffentliche Panikmache. Dieser hätte nur ein Ziel: die Diskussion um die Hygieneampel wieder zu eröffnen.

Kontrollergebnisse veröffentlicht: Großbäckereien geraten durch einen Report von foodwatch in die Kritik nicht sauber zu arbeiten. - © industrieblick/Fotolia.com

Foodwatch berichtet von ekelerregenden Zuständen, von verschimmelten Wänden in den Produktionsräumen und von Ungeziefer, das sogar in den Backwaren selbst gefunden wurde. Die Verbraucherschutzorganisation hat bei den Behörden die Herausgabe von Ergebnissen der Hygienekontrollen in acht Großbäckereien in Bayern gefordert und dazu den Report "Bayerisches Brot - Über ekelerregende Zustände in Großbäckereien, schweigende Behörden und ein bundesweites Problem" veröffentlicht. Die Ergebnisse stammen aus den Jahren 2013 bis 2016 und Foodwatch zeigt sich vor allem darüber empört, dass die Behörden selbst dazu übergegangen sind, die Verbraucher über die erkannten Missstände aufzuklären.

Zwar stammen die aufgedeckten Mängel allesamt aus Großbäckereien in Bayern. Doch Foodwatch sieht bundesweit ähnliche Probleme. "Jedes Jahr wird in Deutschland jeder vierte kontrollierte Lebensmittelbetrieb beanstandet, vor allem wegen Hygieneverstößen", meldet die Organisation. Das und auch in welcher Form Foodwatch die Hygieneverstöße nun in die Öffentlichkeit bringt, wertet der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks allerdings als ungerechtfertigte Panikmache.

So erwecke der Report den Eindruck, als würden Unternehmer, Überwacher und die Politik böswillig zusammenarbeiten, um die Verbraucher systematisch mit ungenießbaren Lebensmitteln zu vergiften. "Das klingt doch zu unglaublich, um wahr zu sein – und es ist auch nicht wahr", teilt der Verband als Reaktion auf die Veröffentlichung mit. Er kritisiert, wie dadurch Unternehmen der öffentlichen Anprangerung ausgeliefert werden.

Hygienemängel: Bäckerverband verurteilt Panikmache

Aus Sicht des Bäckerhandwerks macht der Report bei genauerem Hinsehen dagegen deutlich, dass das System der amtlichen Lebensmittelüberwachung in Deutschland funktioniert: So seien von den Behörden unverzüglich alle Maßnahmen getroffen worden, um die Verstöße zu beseitigen. Insbesondere seien regelmäßige Nachkontrollen durchgeführt worden. Genau das werde nun in der Darstellung von Foodwatch jedoch verschwiegen. "Aus vielen der angeblichen gravierenden Hygienemängel werden beim Lesen des Kleingedruckten dann doch sehr schnell Kennzeichnungsfehler oder absolute Lappalien", sagt  der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Daniel Schneider.

Einblick hat Foodwatch von den Behörden teilweise in vollständige Kontrollberichte der Bäckereiunternehmen Bachmeier, Der Beck, Heinz, Hiestand, Höflinger, Hofpfisterei, Ihle und LSG bekommen; doch die Organisation musste auch vor Gericht ziehen, um alle Informationen uneingeschränkt lesen und darüber berichten zu dürfen. Berufen hat sich Foodwatch auf das sogenannte Verbraucherinformationsgesetz (VIG), um von den Behörden Auskunft zu bekommen. Nun fordern die selbsternannten "Essensretter" eine Neuausrichtung der Lebensmittelüberwachung in Deutschland. So sollten die Behörden dazu verpflichtet werden, künftig ausnahmslos alle Ergebnisse der amtlichen Kontrollen zu veröffentlichen. Damit tritt Foodwatch eine neue Diskussion über die sogenannte Hygieneampel in Gang.

Genau diese Hygieneampel gilt bei Bäckereien jedoch als stark umstritten. Bislang ist es Ländersache, ob und in welcher Form Kontrollergebnisse der amtlichen Lebensmittel- und Hygieneüberwachung öffentlich gemacht werden. Es gab mehrere Vorstöße und Testphasen, doch diese sind immer wieder unter anderem an Klagen der Unternehmen gescheitert. Derzeit plant nur noch Niedersachsen die Einführung einer Hygieneampel. In Nordrhein-Westfalen steht sie vor dem Aus.

Auch aus Sicht des Bäckerverbands hat der Foodwatch-Report das Ziel, die Forderung nach einer bundesweiten Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen im Rahmen eines "Smiley-Systems" bzw. der sogenannten Hygieneampel zu erheben. "Doch anstatt sich an die verantwortlichen politischen Stellen zu wenden, trägt der Verein den Kampf um diese Forderung lieber medial wirksam auf dem Rücken des bayerischen Bäckerhandwerks aus", kommentiert Michael Wippler, Präsident des Zentralverbandes, den aktuellen angeblichen Hygieneskandal.

Kontrollergebnisse veröffentlichen: keine rechtliche Grundlage

Foodwatch fordert dagegen, dass es endlich eine rechtliche Grundlage geben müsse, damit die Kontrollergebnisse öffentlich gemacht werden können, ohne dass Klagen der Betroffenen das verhindern können. "Erst das schafft für Lebensmittelbetriebe einen Anreiz, sich jeden Tag an die Hygieneregeln zu halten, und sorgt für einen fairen Wettbewerb, in dem die sauberen Betrieben nicht länger die Dummen sind", so die Verbraucherschützer.

Einige der von den aktuellen Veröffentlichungen betroffenen Großbäckern haben Stellung zu den Vorwürfen genommen und weisen jeweils darauf hin, dass die Mängel bereits vor einigen Jahren festgestellt wurden und längst beseitigt sind. Darüber berichtet faz.net. So würden die Vorwürfe von Foodwatch nicht die aktuelle Situation zeigen. Damit kommt auch einer der Hauptkritikpunkte an der Hygieneampel wieder in die Debatte: dass Kontrollergebnisse immer nur zeitversetzt veröffentlicht werden können und der Betrieb dann eventuell schon nachgebessert und die Hygienemängel beseitigt hat. Als fraglich gilt zudem, wie schnell eine Nachkontrolle stattfinden kann, deren Ergebnisse auch wiederum öffentlich dargestellt werden können. In vielen Bundesländern sind die zuständigen Behörden personell  sehr knapp ausgestattet.

Der Bäckerverband weist nun auch nochmals darauf hin, dass Behörden auch jetzt schon die Möglichkeit haben, Kontrollergebnisse zu veröffentlichen und sich im Einzelfall dafür entscheiden. Doch eine Veröffentlichung als Automatismus stelle Unternehmer weitgehend rechtlos. Für Daniel Schneider ist der Report von Foodwatch ein Versuch Medienresonanz im beginnenden Sommerloch zu erzeugen. jtw

Den Report "Bayerisches Brot" können Sie hier nachlesen.>>>