Airbag, Spurwechselwarner und ESP: In modernen Autos ist sehr viel Elektronik verbaut. Um sie überprüfen zu können, muss sich auch der TÜV weiterentwickeln. Ab 1. Juli gibt es daher mit dem HU-Adapter neue Prüfmethoden bei der Hauptuntersuchung.

Auf Deutschlands Autofahrer kommt ab Juli eine Neuerung zu. "Am 1. Juli 2015 startet die Revolution der Prüftechnik bei der Hauptuntersuchung", sagt TÜV-Nord-Geschäftsführer Hartmut Abeln. Denn dann werden - egal, ob bei Dekra, TÜV, GTÜ oder KÜS - neuartige elektronische Prüfinstrumente eingesetzt.
Vorbei sind die Zeiten, als der Sachverständige mit kritischem Hammerschlag nach maroden Stellen forschte. Die neuen Geräte - HU-Adapter - werden im Auto an den Bordcomputer angeschlossen und zeigen dem Prüfer alle relevanten Fahrzeugdaten an. Teurer soll die bei Autobesitzern gefürchtete Hauptuntersuchung dadurch aber nicht werden.
Systemprüfung mit HU-Adapter
Nötig ist das, das die Autos heute mit sehr viel Elektronik ausgestattet sind. Die Prüfer müssen mit der Entwicklung Schritt halten.
Mit dem Adapter führt der TÜV künftig folgende Kontrollen durch:- Prüfung auf Ausführung und Einbau Ermittlung, ob serienmäßige sowie sicherheits- und umweltrelevante Systeme noch unverändert vorhanden sind.
- Funktionsprüfung: Untersuchung von beispielsweise ABS (Antiblockiersystem), ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) oder adaptiven Scheinwerfern und Geschwindigkeitsregelanlagen (ACC = Adaptive Cruise Control).
- Wirkungsprüfung: Überprüfung der Wirkung der Bremsanlage anhand von vorgegebenen Sollwerten mit Kontrolle der Bremskraftverteilung. Dabei wird die am Rad gemessene Bremskraft mit dem Druck im hydraulischen System in Bezug gesetzt. Mithilfe des HU-Adapters kann der Prüfer die Werte des Bremsdrucksensors im ESP auslesen. Das Programm vergleicht anschließend die tatsächlichen Werte mit denen vom Fahrzeughersteller für das entsprechende Modell vorgegebenen Daten.
- Zustandsprüfung der verbauten Systeme.
Entwickelt wurden die Geräte gemeinsam von den deutschen Prüfunternehmen, die dafür 2004 die Fahrzeugsystemdaten GmbH (FSD) mit über 100 Mitarbeitern in Dresden (Hauptsitz) und Radeberg (Prüflabor) gründeten. Die Neuerung beim Elektronik-Check ist ein Beispiel dafür, wie sich Prüfgesellschaften auf die fortschreitende Digitalisierung vorbereiten.
TÜV muss Kompetenzen aufbauen
"In wenigen Jahren werden automatisierte Fahrzeuge zusätzliche Fahraufgaben übernehmen, zum Beispiel selbstständig im Parkhaus einen Stellplatz ansteuern; all dies bedeutet noch mehr Technik im Wagen", sagt Abeln.
"Natürlich heißt das, dass wir Kompetenzen aufbauen müssen - sowohl Expertenkompetenz wie auch Kompetenz bei der Weiterentwicklung der Technik", meint der für die Automobilsparte der Prüfungsgesellschaft Dekra zuständige Sprecher Wolfgang Sigloch. Das autonome Fahren basiere ja auf Komponenten wie Spurhalte-Assistent oder Abstandsregler, wie sie heute schon vorhanden sind. "Wir müssen allerdings schon bei der Entwicklung drauf hinweisen, dass sie prüfbar sein müssen", meint er. dhz/dpa