Horizonterweiterung

Die alte Tradition der Bäckerwalz bekommt neuen Schwung. Bäckerverband will Idee wiederbeleben

In den Startlöchern: Ursula Völkl und Tobias Wächter aus dem Allgäu. Urs Büttner (re.), Bäckermeister aus Niedersachsen, war fünf Jahre auf der Walz. Foto: ZV Bäckerhandwerk

Horizonterweiterung

Ursula Völkl und Tobias Wächter stehen in den Startlöchern. Beide sind 22 Jahre alt, beide sind Bäckergesellen und beide möchten auf die Walz gehen. „Wir brauchen nur noch jeder einen Exportgesellen“, erzählt Völkl. Sie meint damit andere Wandergesellen, denen sie sich in den ersten Wochen der Walz anschließen können, um von ihnen das Einmaleins der Walz zu lernen.

Dazu gehört vor allen Dingen, sich auf das Nötigste, sprich auf Bäckerkluft, Kleider zum Wechseln und ein paar wenige persönliche Sachen, zu beschränken. „Man lernt, mit ganz wenig auszukommen“, erzählt Urs Büttner, Bäckermeister aus Neetze in Niedersachsen, der selbst von 1991 bis 1996 auf Walz ging.

Nicht immer dauert eine Wanderschaft so lang. „Drei Jahre und ein Tag sollten es aber sein“, sagt Büttner. Vorwärts geht es zu Fuß oder per Anhalter. Nur in Ausnahmefällen sollten Bahn oder Bus benutzt werden. Dabei immer auf der Suche nach einem Bäcker oder Konditor, bei dem man für ein paar Wochen gegen Kost und Logis oder für einen normalen Lohn arbeiten kann.

Auch Büttner hat so manche Backstube von innen gesehen. In Deutschland, Schweden, der Schweiz und Spanien, in Ekuador, Peru und Chile hat er Brot und Brötchen gebacken. „Drei Jahre und sieben Monate habe ich gearbeitet, den Rest bin ich gereist“, erzählt er und zeigt sein Wanderbuch mit den Arbeitszeugnissen.

Er ist freundlichen und weniger freundlichen Menschen begegnet, hat unter freiem Himmel geschlafen oder lang am Autobahnkreuz gestanden. Bereut hat er es nicht: „Ich habe meinen Beruf lieben gelernt“, sagt er. Und die Fahrt auf einem Segelschiff nach Südamerika zählt er noch heute zu den Höhepunkten seiner Walz.

Büttner ist einer der wenigen, die in den vergangenen Jahren auf Bäckerwalz gegangen sind. „Die Tradition ist mit dem Zweiten Weltkrieg fast zum Erliegen gekommen“, sagt Amin Werner, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Jetzt wolle der Verband mithelfen, die Idee wiederzubeleben. „Unser Ziel ist es, einmal zehn bis 20 Lehrlinge im Jahr auf den Weg zu schicken“, sagt er. Es mache Sinn, zwischen Lehrzeit und Meisterprüfung auf Wanderschaft zu gehen und verschiedene Betriebe, Arbeitsweisen und Mentalitäten kennen zu lernen, bevor man vielleicht einen eigenen Betrieb führt.

Auch Ursula Völkl und Tobias Wächter sehen das so. „Wir wollen fachlich und menschlich Erfahrungen sammeln“, sagen die beiden, die seit ihrer Lehre im Allgäu ein Paar sind. Gerne würden sie auch im Ausland arbeiten. Noch ist offen, wo sie einmal landen werden. Sicher ist nur: „Wir werden alleine losmarschieren“, sagt Völkl.bir

www.baeckerwalz.de