Schreiner Florian Schwarz ist leidenschaftlicher Skifahrer. Mit seinen selbst entworfenen Holzskiern aus Esche gewinnt er Preise für Ökobilanz und Design.
Frank Muck
Holzski: Zurück in die Zukunft
Wer die Werkstatt von Florian Schwarz betritt, entdeckt eine Reihe stehender langer Bretter, die wie beim Hüttenwirt oben auf dem Berg auf die nächste Skiabfahrt warten. Schwarz ist Schreiner. Insofern ist es weiter nichts Ungewöhnliches, dass in seiner Firma in Hechendorf, nahe dem Starnberger See, Bretter an der Wand lehnen. Doch der erste Eindruck täuscht nicht, denn was dort lehnt, sind wirklich Skier. Allerdings aus Holz. Nagelneu. Ein Anachronismus, möchte man sagen. In Zeiten, wo vor allem die Hightechmaterialien die Kunden von den Vorzügen der Sportartikel überzeugen sollen und in jeder Saison mit der Bearbeitung und dem Materialmix wieder ein wenig an allen Stellschrauben gedreht wird, um den Absatz gleichmäßig hochzuhalten, sind Kunststoffe und Kohlenstofffasern eigentlich das Maß aller Dinge.
Skifahrer aus Leidenschaft
Doch von so viel unreflektierter Technikgläubigkeit hält Florian Schwarz nicht viel und er hat sich bei seiner Idee nicht entmutigen lassen, seine Skier aus Holz zu fertigen. Der 39-Jährige ist eben nicht nur Schreiner, sondern mit Leidenschaft auch Skifahrer. Bei seiner Arbeit mit Holz, die hauptsächlich in Entwurf und Fertigung von Massivholzmöbeln mündet, hat sich ihm das Material geradezu aufgedrängt und die Fertigung der Artisanskis herausgefordert. Der Name Artisan steht dabei für Handwerker.
Vor drei Jahren hat Schwarz die Produktion der ersten Skier in Angriff genommen. Mehr als Hobby, wie er sagt. "Ich habe mir gedacht, wenn das funktioniert, ist es umso spannender, so ein Produkt in Handarbeit zu fertigen", erinnert er sich. Mit seinem Produkt will Schwarz der Industrie allerdings keine Konkurrenz machen, sondern nur eine Alternative bieten. Dennoch sind die Anforderungen an so ein Produkt hoch, vielleicht sogar umso höher, denn die Ansprüche der Kunden sind – geschult am Highttechstandard der Industrie – ebenfalls sehr hoch. Den Standards darf ein Holzski in nichts nachstehen, wenn er sich verkaufen soll.
2005 testete Schwarz den ersten Ski
So wurden seine Holzskier eben auch ein Highttechprodukt mit entsprechendem Entwicklungsaufwand. Nach Feierabend, meist im Winter wenn die Abende lang waren, hat Schwarz rumgetüftelt. Dafür hat er sich sogar eine Vorrichtung gebaut, mit der sich der Biegekurvenverlauf messen lässt. Schließlich musste er wissen, wie sich der Ski unter extremen Belastungen verhält. Auch beim Einsatz des Materials war viel Forschungsarbeit nötig. Schließlich lässt sich über den Einsatz und die Positionierung des Carbongewebes das Verwindungsverhalten der Skier beeinflussen. Den ersten Ski hat er jedoch bereits 2005 auf der Piste getestet.
Im vergangenen Jahr hat der Ski schließlich ein Niveau erreicht, das Schwarz als angemessen ansieht, ihn im Direktvertrieb anzubieten. Optisch ist er außerdem so gut gelungen, dass er einen Designpreis gewonnen hat und für einen anderen nominiert wurde. Auf der Sportartikelmesse "ispo" in München wurde sein Ski mit dem "ECO Design Award" von Volvo für die Ökobilanz ausgezeichnet. Außerdem wurde der Artisanski noch für den "Deutschen Designpreis 09" nominiert.
Möglichst einfach und natürlich
Die Skier zeichnen sich durch eine schlichte Eleganz aus. Die Maserung des Holzes gibt ihnen ihre Unverwechselbarkeit, eingerahmt durch dünne Metallschienen. Erst in der Rundumansicht ergibt sich ein vollständiges Bild. Denn Schwarz hat für seine Skier natürlich nicht auf moderne Materialien verzichtet. Außer dem Holz hat der Ski mit den alten Brettern, wie sie bis Mitte der 50er Jahre in Gebrauch waren, nichts gemein. Die Grundlage für den Ski ist wie damals Eschenholz. Die Esche wird kombiniert mit Fichte und Ahorn, um Gewicht zu sparen. Der Kern des Skis besteht aus verleimten Streifen, die aus den Baumbrettern geschnitten werden.
Der Schreiner legt dabei Wert auf die hochwertigsten Rohstoffe. Schwarz sucht sich extra dafür im Sägewerk nur das beste Holz aus. Dabei achtet er auf ganz besondere Details, wie etwa die Jahresringe. Diese müssen exakt senkrecht zum Holzstreifen verlaufen. Sind die Streifen verleimt, bekommt der Skikern sein Profil, eine Keilform in der Länge. Seine Spannung und damit seine geschwungene Grundform bekommt der Ski dadurch, dass der Holzkern überspannt und dann entsprechend abgehobelt wird. Der so vorgeformte Kern wird dann in Schablonen mit verschiedenen Lagen aus Carbon und mit Epoxidharz verpresst. Zum Schluss erhält der Ski die Metallkanten und ein Furnier.
Im Material das Naturerlebnis finden
Ganz ohne Kunststoffe kommt also auch Florian Schwarz nicht aus. "Die brauche ich auch", sagt er, "um dem Ski seine Stabilität und Laufeigenschaften zu geben." Sein Anspruch sei es, möglichst viele einfache und natürliche Materialien zu benutzen. "Insofern ein Schritt zurück in die Zukunft", sagt Schwarz. Das Naturerlebnis soll sich auch im Material wiederfinden und als Rennski ist der Ski auch nicht gedacht. Eher für abseits der Piste, für Touren in unberührter Natur.
Florian Schwarz steht damit in einer Reihe mit jenen Produzenten, die wieder verstärkt auf hochwertige, nachhaltige Produkte setzen. Wie beim Möbelbau verwendet er einheimische Hölzer und sieht die Umweltverträglichkeit der Ware als wichtiges Kriterium. Er käme auch nie auf die Idee, seine Skier in großer Stückzahl zu bauen, sagt er. Aber er will dem anspruchsvollen Skifahrer eine Alternative bieten. Die Nachfrage gibt ihm Recht. Zwölf Bestellungen bearbeitet er im Moment. Anfragen kommen meist auf Festivals oder über das Internet und dabei auch aus dem benachbarten Ausland.
Maßgefertigt auf den Kunden
Schon wenn Schwarz in der Schlange am Lift steht, erregt er mit den Holzski Aufmerksamkeit und es kommt die eine oder andere neugierige Frage. Potenzielle Kunden lässt er gern beim gemeinsamen Skifahren die Ski testen. Besteht Interesse, wird der Ski auf den Kunden maßgefertigt und bekommt individuelle Designs durch ein besonderes Furnier oder eine Widmung an der Skispitze. Der Ski ist mit 900 Euro aufwärts nicht ganz billig und so darf bei aller Langlebigkeit und Nachhaltigkeit der Kunde eben etwas Besonderes erwarten. So besonders eben wie einen Ski vom Schreiner.