Regnauer Objektbau Holzbau im Holzhaus

Ein Firmensitz im Chiemgau vereint ein flexibles Raumkonzept, niedrigen Energieverbrauch und digitalen Einbruchschutz. So dient das Gebäude selbst als Anschauungsobjekt für potenzielle Kunden.

Christine Ryll

Das "Vitalbüro" benötigt 45 Prozent weniger Energie als gesetzlich vorgeschrieben. - © Foto: Regnauer Fertigbau

Wer die Pullacher Straße in Seebruck, unweit des Chiemsees, bislang gesenkten Kopfes passiert hat, sollte in Zukunft mindestens einen Seitenblick einplanen: Das neue
"Vitalbüro" am Sitz von Regnauer Fertigbau – einem mittelständischen Betrieb, der auf nachhaltigen Holzfertigbau spezialisiert ist – zeigt eine gelungene Kombination aus Gebäudedesign und -funktion.

Moderne Arbeitsplatzgestaltung

Besonders markant sind die auskragende Fassadenlandschaft mit modernen Holzpaneelen, patinaatmende Altholzsequenzen und großzügige Fensterflächen.

Hinter der abgeschrägten Außenhaut finden auf rund 2.070 Quadratmetern Bruttogeschossfläche die Büroräume des Regnauer Verkaufsteams, der Firmenleitung und mehrere Besprechungsräume Platz. Im Empfang, direkt hinter dem Gebäudeeingang, ist das großzügige „Working Café“ beheimatet, in dem sich Mitarbeiter und Kunden zum Gespräch treffen können.

Die Büros sind bewusst variantenreich konzipiert, um Besuchern die vielfältigen Möglichkeiten heutiger Arbeitsplatzeinteilungen nahezubringen. Damit ist das "Vitalbüro" selbst Anschauungsobjekt für Bauherren, die in der Musterausstellung des Unternehmens die gewünschten Böden, Wandbeläge und sonstige Details auswählen. Im ersten Stock gelegen, bietet sich dort ein direkter Blick auf den Chiemsee und das dahinter liegende Alpenpanorama.

Viel Raum mit wenig Energie

Möglich macht den variablen Grundriss das 5 × 5-Meter-Raster des in nachhaltiger Holzbauweise errichteten 15 Meter tiefen Systembaus. So kann das Gebäude vielseitig genutzt und bei Bedarf umgebaut werden.

Ergänzt wird das Tragsystem durch eine Passivhauswand und ein hoch wärmegedämmtes Gebäudedach, das für den Einbau einer Photovoltaikanlage vorgerüstet ist. Die energieeffiziente Hülle sowie ein durchdachtes Haustechnikkonzept führen dazu, dass das Vitalbüro 45 Prozent weniger Energie benötigt, als es die aktuelle Energieeinsparverordnung erfordert.

Die Restwärme deckt die regenerative Holzheizung im Betrieb von Regnauer ab. Den Basisstrombedarf erzeugt das Unternehmen mit einer Brennstoffzelle. Regnauer ist damit nach eigenen Angaben der erste Anbieter, der dieses auf der IHS (Internationale Messe für Bad, Sanitär, Heizung) vorgestellte System Kunden im Betrieb präsentieren kann.

Schall- und Sicherheitsschutz

Die durchgängig im Gebäude verbaute "Silence"-Decke, die mit dem Bundesinnovationspreis ausgezeichnet wurde, sorgt dafür, dass die ­Mitarbeiter gegenüber herkömmlichen Büroräumen nur eine sehr geringe Geräuschkulisse wahrnehmen. Schalltechnisch bietet sie bessere Werte als eine Betondecke.

In den Wänden sind Bauplatten mit Naturgips verbaut, die einen natürlichen Feuchteausgleich schaffen und so die klimatischen Bedingungen in den Büroräumen verbessern und Schimmelbildung vorbeugen.

Beim Bau wurde auch auf einen hohen Schutz vor Einbrüchen Wert gelegt. Fensterkontaktmagnete mit elektronischem Monitoring und Griffüberwachung machen es möglich, am Computerbildschirm festzustellen, ob gegebenenfalls Fenster offen stehen oder Griffe sicher verschlossen sind.

Holzbau in Serie

"Wir sehen in unserem Gebäude nicht nur einen Bürositz, sondern ein Musterhaus, mit dem wir unseren Kunden zeigen können, wie angenehm, kreativ und produktiv ein optimaler Arbeitsplatz ist", sagt Michael Regnauer, Geschäftsführer von Regnauer Fertigbau.

Regnauer will gemeinsam mit mittelständischen Partnern hochwertige Holzbauten in Serie etablieren und ist an einer Entwicklungsplattform beteiligt. Die Ergebnisse des Projekts sollen u.a. zusammen mit der TU München optimiert werden.

Die Umsetzung wird vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Rahmen der Initiative "Zukunft Bau" gefördert.