Design und Luxus Holz in Bewegung

Sie sind wunderschön anzusehen und haben vor allem technisch alles was ein Fahrrad braucht. Nur der Rahmen fällt aus dem Rahmen, denn Schreinermeister Christian Häupler baut Fahrräder aus Holz und Karbon.

Frank Muck

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    Das Arcus Sup9. Foto: Häupler
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    Christian Häupler im Hinterhof seiner Werkstatt mit einem seiner Holzfahrräder.
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    Die Rafinesse seiner Produkte steckt in Form und Detail, wie hier beim elektrischen Hinterradantrieb für den Roller "Dino".

Wer bei Holzsport Häupler ins Haus kommt, braucht nicht lang, um sich wohl zu fühlen. Wenn es nicht nach Klischee klingen würde, müsste man sagen, dass es im ehemaligen Bauernhof der Häuplers vor den Toren des mittelfränkischen Ansbach sehr familiär zugeht. Vater Wilhelm, die Brüder Christian, Raphael und Clemens, die Schwester Isabel und Neffe Collin sitzen mit am Mittagstisch und der Redakteur wird auch gleich mit eingeladen. Während sich die Gespräche um Nachbarschaft, Familie und den Beruf drehen, gibt es ganz rustikal von Mutter Edith zubereiteten Kartoffelsalat mit Fleischküchle.

Damit hat die Familie Häupler erst einmal alle Erwartungen unterlaufen, die Sohn Christian Häupler geweckt hat. Als Schreinermeister widmet er sich nämlich nicht der Ausstattung des einfachen, bäuerlichen Lebens, sondern wendet sich den teuren, luxuriösen Dingen zu, die man normalerweise nicht braucht. Häupler baut Fahrräder aus Holz. Vielmehr aus einer Mischung aus Karbon und Holz, in einer eigens entwickelten Technik, selbst entworfenen Formen und ausgestattet mit den besten technischen Komponenten.

Häupler schuf seine eigene Vorstellung vom Luxusrad

Vor rund zwei Jahren nach Abschluss der Meisterschule setzte sich der leidenschaftliche Fahrradfahrer hin und überlegte, wie er aus seinem Werkstoff ein Sportgerät für eine gut betuchte Kundschaft bauen konnte. Inspirieren ließ sich Häupler von einem Designer, der ein ähnliches Fahrrad bereits gebaut hatte. Doch der 27-Jährige veränderte es in allen Details und schuf seine eigene Vorstellung von einem Luxusrad. In der Form – zumindest vorne – angelehnt an den Bug einer Yacht, sollte es von Anfang an eine hohe Wertigkeit vermitteln und somit von vornherein eine begüterte Zielgruppe ansprechen. Auch das Furnierholz selbst, Esche zum Beispiel oder Zebrano, das sich abwechselnd mit Karbonmatten in Schichten gepresst zum Rahmen formt, signalisiert das Besondere.

Häupler will tatsächlich an die Käufer mit Geld. Auch wenn er mit den Holzfahrrädern in der Öffentlichkeit immer wieder die Blicke auf sich zieht, schlägt sich die Herstellung nicht in zählbarer Münze nieder. Noch hat er nämlich kein Fahrrad verkauft, wobei er seine Ziegruuppe nach eigenen Worten einfach noch nicht erreicht hat. "Meine Kunden fahren als Zweitwagen einen Porsche", stellt er sich vor. Erfährt man die Preise für die Fahrräder, weiß man auch warum. Das preiswerteste Rad kostet 7.500 Euro.

Ähnlich geringes Gewicht wie reine Karbonräder

Vergleiche mit teuren konventionellen Fahrrädern braucht er nicht zu scheuen. Ein Mountainbike testete er vor kurzem erfolgreich bei einem 12-Stunden-Rennen im Dauereinsatz. Seine eigene Vorliebe fürs Fahrradfahren verschafft ihm die nötigen Kenntnisse für die Technik. Der Vize-Europameister im Cross-Triathlon von 2009 nimmt nur die besten Komponenten für Lenker, Ritzel oder Sattel. Durch den Materialmix aus Holz und Karbon erreicht er ein ähnlich geringes Gewicht wie bei reinen Karbonrädern.

Mittlerweile hat er sieben Fahrräder gebaut, darunter ein Elektrofahrrad sowie einen E-Roller. Zum Einfachen kehrt er mit einem selbst entworfenen Schlitten zurück. Doch Häupler verwendet nicht nur viel Zeit auf die Vollendung der Form und die Verarbeitung seines Materials. Er lässt sich auch originelle Lösungen für sein Zubehör einfallen. Zum Schlitten etwa können die Kunden einen Satz Rollen dazukaufen, die mit einem simplen System an die Innenseite der Kufen angesteckt werden können, wenn der Schlitten über trocknen Untergrund gezogen werden muss. Auch für die Fahrräder gibt es Zubehör wie den im selben Holz gestalteten Fahrradständer oder einen Universal-Smartphonehalter.

Für die technischen ­Raffinessen hat er Helfer

Für all seine technischen Raffinessen hat er Helfer. Bruder Raphael ist Elektriker und hat die Umsetzung des Elektroantriebs mitentwickelt. Ohne die Metall-Sonderanfertigungen eines Freundes würde kein Fahrrad funktionieren. Vier bis fünf Jahre Zeit für den Erfolg seiner Produkte will er sich geben, sagt Christian Häupler. Wenn es dann nicht klappt? Dann solle es eher wieder das Einfache werden, günstige Möbel für Studenten zum Beispiel. Allerdings auch mit einem "gewissen Innovationsgrad". Da fällt ihm sicher etwas ein. holzsport-haeupler.de