Preisexplosion Warum hohe Erdgaspreise einen Engpass bei Ad-Blue verursachen

Wegen der hohen Gaspreise wird aktuell weniger Ammoniak hergestellt. Spediteure schlagen Alarm. Der ADAC rät Vielfahrern, sich einen Ad-Blue-Vorrat anzulegen – und gibt Tipps zur Lagerung.

AdBlue
Das Additiv Ad-Blue könnte knapp werden, weil wegen der hohen Gaspreise weniger Ammoniak hergestellt wird. - © ADAC

Nachdem die Kraftstoffpreise seit Wochen auf ständig neue Rekordmarken klettern, müssen sich vor allem Halter von modernen Dieselfahrzeugen nun auch um die Verfügbarkeit von Ad-Blue sorgen. Das Additiv wird allmählich knapp. Als Grund gibt der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) den rasanten Anstieg der Erdgaspreise an.

Bei Ad-Blue handelt es sich um eine Harnstofflösung. Sie dient in Fahrzeugen mit SCR-Katalysator zur Reduktion der Stickoxidemissionen. Hergestellt wird der hochreine Harnstoff synthetisch durch die chemische Reaktion von Ammoniak und Kohlen­dioxid. Für die Erzeugung von Ammoniak wiederum benötigt die chemische Industrie Methan, das Hauptbestandteil von Erdgas. Als Reaktion auf die steigenden Preise haben inzwischen wichtige Ammoniak- Hersteller wie BASF oder die SKW Stickstoffwerke Piesteritz ihre Produktion gedrosselt.

Bei hohen Laufleistungen für Vorrat sorgen

Der Logistik-Verband BGL ist deshalb in großer Sorge, weil inzwischen rund 90 Prozent der Lkw auf Ad-Blue angewiesen sind. Für große Laster ist die Ad-Blue-Einspritzung schon seit 2008 vorgeschrieben. Pkw und Transporter, in denen das Additiv hauptsächlich in Modellen mit neueren Dieselmotoren der Abgasnorm Euro 6 zum Einsatz kommt, sind noch nicht so stark betroffen wie die Spediteure, aber die Verknappung könnte auch sie bald erreichen.

Besitzern von Fahrzeugen mit hoher Laufleistung rät der ADAC, sich eventuell einen Vorrat anzulegen. Der Ad-Blue-Verbrauch liege bei etwa drei bis fünf Prozent des Kraftstoffverbrauchs, bei Transportern kann der Anteil auch höher sein. Allein die Preissteigerung von Ad-Blue sei jedoch kein guter Grund, um den Zusatzstoff lange daheim zu lagern. Hier stünden die Preissteigerung und Einsatzmengen im Pkw und der notwendige Aufwand der Lagerung nicht immer in einem guten Verhältnis.

Tipps zur Lagerung von Ad-Blue

Wer Ad-Blue lagern möchte, sollte laut ADAC folgende Punkte beachten:

  • Ad-Blue vor direkter Sonneneinstrahlung und Temperaturen über 30 Grad Celsius schützen und an einem gut belüfteten Platz lagern,
  • ideal sind Lagertemperaturen zwischen - 5 und + 20 Grad,
  • Ab minus 11,5 Grad gefriert Ad-Blue, kann aber nach dem Auftauen wieder ohne Qualitätsverlust verwendet werden,
  • Ad-Blue zersetzt sich – abhängig von der Lagertemperatur – zu Ammoniak. Bei weniger als 25 Grad beträgt die Haltbarkeit mindestens 18 Monate, bei mehr als 30 Grad mindestens ein Jahr,
  • Das Additiv sollte nicht mit anderen Substanzen in Berührung kommen. Bereits geringste Verunreinigungen können es unbrauchbar machen bzw. das SCR-System schädigen. Deshalb zum Umfüllen von Ad-Blue in Tanks niemals alte Diesel- oder Ölkanister verwenden. ste