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Berufsbildungsbericht Hohe Abbrecherquote: Karliczek warnt vor Falschinterpretation

Wer eine Ausbildung abbricht, geht dem dualen Ausbildungssystem noch lange nicht verloren, sagt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) warnt vor Falschinterpretationen bei den Abbrecherquoten. „In ungefähr 50 Prozent der Fälle lösen die jungen Menschen den Vertrag, um ihre Lehre an anderer Stelle oder in einem anderen Beruf fortzusetzen“, sagte Karliczek mit Blick auf die im jüngsten Berufsbildungsbericht genannte Abbrecherquote in Höhe von rund 25 Prozent. „Die Quote der echten Ausbildungsabbrüche liegt vielmehr bei 12 bis 13 Prozent und damit deutlich unter der Abbrecherquote im Hochschulbereich“, fügte sie hinzu. Gleichwohl sei jeder Ausbildungsabbruch einer zu viel und mache weitere Anstrengungen nötig. Die Bundesregierung wolle deshalb in der neuen Legislaturperiode die berufliche Bildung weiter stärken.

Passungsprobleme bleiben große Herausforderung

Als Erfolg wertete Karliczek, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit mehr als 520.000 leicht zugenommen habe. Dazu habe vor allem die „positive Entwicklung der betrieblichen Angebote beigetragen“, sagte sie weiter. Diese hätten sich insgesamt um rund 10.000 auf knapp 570.000 erhöht. Die Zahl der unbesetzten gebliebenen Ausbildungsplätze sei allerdings weiter auf knapp 49.000 gestiegen. Eine große Herausforderung sei nach wie vor, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Insgesamt standen den freien Ausbildungsplätzen immer noch rund 24.000 unversorgte Bewerber gegenüber.

Ausbildungswillige Handwerksbetriebe finden keine Lehrlinge

Auch im Handwerk konnten bei knapp 140.000 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen knapp 15.300 Lehrstellen nicht besetzt werden. „Wenn ausbildungswillige Betriebe aufgrund ausbleibender Bewerbungen nicht ausbilden können, ist das ein Alarmsignal“, warnte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Er betrachte die rückläufige so genannte Ausbildungsbetriebsquote mit Sorge. Sowohl Politik also auch Sozialpartner sowie Lehrer und Eltern blieben gefordert, die Entwicklungsmöglichkeiten in der dualen Ausbildung noch deutlicher zu kommunizieren und zu erhalten.

Karliczek will Mobilität von Auszubildenden fördern

Damit Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt besser zusammenpassen, will Karliczek vor allem die Mobilität der Jugendlichen fördern. Sie bezog sich dabei sowohl auf die tägliche Fahrt zur Arbeit als auch auf die Unterbringung vor Ort. Um die berufliche Bildung insgesamt attraktiver zu machen, will die neue Ministerin auch das Aufstiegs-Bafög weiter ausbauen. Außerdem will Karliczek, die selbst aus einem Ausbildungsbetrieb stammt, noch stärker kleine Betriebe bei der Ausbildung unterstützen. Sie kündigte deshalb ein „Sonderprogramm zur Erlangung der Ausbildungseignung“ an.

Noch immer beginnen weniger Migranten eine Lehre

Große Unterschiede in der dualen Ausbildung gibt es nach wie vor zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen, wie aus dem Berufsbildungsbericht hervorgeht. Insgesamt liegt die Ausbildungsanfängerquote für junge Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit mit 27,6 Prozent etwa halb so hoch wie die von Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit (55,8 Prozent). Deutlich erhöht hat sich laut Berufsbildungsbericht die Zahl der Bewerber mit Fluchthintergrund. Sie sei von 10.300 im Jahr 2016 auf rund 26.400 Geflüchtete im vergangenen Jahr angestiegen. Von ihnen hätten bis Ende September 2017 rund 9.500 eine Lehre angefangen. Viele davon auch im Handwerk.

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