Die Generation Z wird oft als faul und fordernd abgestempelt. Ein fataler Fehler, meint Kolumnistin und Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg – gerade für das Handwerk, das dringend Nachwuchs braucht. Ein Appell für neue Wege im Umgang mit jungen Menschen.

Immer wieder beobachte ich in meinen Workshops zur Bildung einer starken Arbeitgebermarke, wie über die Generation Z diskutiert wird, als handle es sich um Wesen von einem anderen Stern. Unabhängig von Gewerk oder Gruppenzusammensetzung stoppt die Diskussion stets bei diesem Thema. Die Kritik: Die jungen Leute seien anspruchsvoll und wenig belastbar – ein Bild, das Teilnehmer regelmäßig zeichnen. Doch trifft diese Einschätzung wirklich zu?
Ein altes Lied?
Ich frage mich, woher diese Kritik rührt. Ich erinnere an Sokrates, der bereits vor über 2.400 Jahren über die Jugend geschimpft haben soll: "Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte." Diese damalige Kritik fände auch heute noch bei vielen Zustimmung. Dennoch erscheint es mir eher wie ein Ausdruck eigener Unsicherheiten, die Generation Z auf vermeintliche Eigenheiten zu reduzieren und für aktuelle Probleme verantwortlich zu machen. Zudem werden dabei alle über einen Kamm geschoren.
Im Handwerk spüren wir diese Generationenkluft vielleicht besonders stark. Dort arbeiten die Teams oft in kleineren Strukturen als in anderen Branchen. Zusätzlich treffen über Jahrzehnte gefestigte Ansprüche auf neue Arbeits- und Denkweisen, die wir erst einmal verstehen lernen müssen. Für mich ist dies ein klares Zeichen, dass wir im Handwerk nicht nur neueste Maschinen, sondern auch moderne Ideen integrieren müssen.
Digital Natives mit neuen Ansprüchen
Was also bringt die junge Generation tatsächlich mit? Die Generation Z ist digital aufgewachsen und kennt Werkzeuge, die Effizienz und kreatives Arbeiten verbinden können. Es ist eine Generation, die sich fragt, wie Technologie ihren Arbeitsalltag erleichtern und Raum für Selbstentwicklung sowie Freizeit schaffen kann. In den von ihnen genutzten Werkzeugen steckt eine Flexibilität, von der wir im Handwerk profitieren könnten – vorausgesetzt, wir sind offen dafür.
Selbstfürsorge statt Selbstaufgabe
Selbstfürsorge ist für die Jüngeren nicht nur ein Modewort. Wo ältere Generationen es gewohnt sind, quasi auf Autopilot durchzuhalten, hinterfragen junge Menschen, was langfristig gut für sie ist. Das bedeutet auch, Arbeit mit einem neuen Fokus anzugehen: gesünder und nachhaltiger. Ich bin überzeugt, davon könnten viele Betriebe lernen und ihre eigene Arbeitsweise kritisch hinterfragen.
Weckruf für das Handwerk
Daher richte ich eine Frage an Sie, die Macher im Handwerk: Sind unsere Unternehmensstrukturen wirklich zukunftsfähig? Wenn schon die Generation Z auf Widerstände stößt, was wird dann mit der nachfolgenden Generation Alpha geschehen?
Unsere Welt verändert sich, und mit ihr das Handwerk. Wenn uns der Spagat zwischen traditionellem Wissen und neuen Ideen gelingt, können wir das Beste aus beiden Welten nutzen. Ich wünsche mir, dass mehr Menschen im Handwerk diesen Perspektivwechsel wagen. Die Zukunft des Handwerks lebt davon, dass wir den Dialog zwischen den Generationen aktiv fördern – auf Augenhöhe, die Neues zulässt. Und wo sonst, frage ich Sie abschließend, kann dieser Wandel direkter praktisch umgesetzt werden als im Handwerk?
Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.