Steuertipp Höhere steuerliche Werbungskosten für Bauleiter & Co.

Arbeitnehmer, die viel Zeit im Außendienst tätig sind, genießen steuerlich möglicherweise ein Privileg. Ihnen könnte ein höherer Werbungskostenabzug zustehen. Vorausgesetzt, die Einrichtung des Arbeitgebers wird nur sehr selten aufgesucht und im Arbeitsvertrag wird die Einrichtung nicht als "erste Tätigkeitsstätte" zugeordnet.

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Folgen einer ersten Tätigkeitsstätte

Kommt das Finanzamt zu der Erkenntnis, dass ein Arbeitnehmer am Ort der Einrichtung des Arbeitgebers eine erste Tätigkeitsstätte hat, löst das folgende steuerliche Folgen aus:

  • Die Fahrten zur Einrichtung des Arbeitgebers dürfen nur im Rahmen der Entfernungspauschale als Werbungskosten abgezogen werden (0,30 Euro/km für die ersten 20 Kilometer der einfachen Strecke; 0,38 Euro/km ab dem 21. Entfernungskilometer).
  • Befindet sich der Arbeitnehmer mehr als acht Stunden in der ersten Tätigkeitsstätte, steht ihm kein Werbungskostenabzug von 14 Euro für Verpflegungsmehraufwendungen zu. Denn dieser Werbungskostenabzug ist nur zulässig bei einer beruflichen Auswärtstätigkeit.

Das Finanzamt schaut im Zweifel in den Arbeitsvertrag des Arbeitnehmers. Steht dort schwarz auf weiß, dass die Einrichtung des Arbeitgebers dem Mitarbeiter als erste Tätigkeitsstätte zugeordnet wird, gelten die vorgestellten Folgen beim Werbungskostenabzug.

Höhere Werbungskosten abziehbar

Doch steht im Arbeitsvertrag lediglich, dass der Einstellungsort der Sitz der Einrichtung des Arbeitgebers ist, ist das nicht schon als Zuordnung einer ersten Tätigkeitsstätte zu qualifizieren (FG Mecklenburg-Vorpommern, Urteil v. 24.11.2021, Az. 3 K 6/20). Folge: Ein Arbeitnehmer hat dann keine erste Tätigkeitsstätten, sondern befindet sich quasi dauerhaft auf Geschäftsreise. Steuerliche Folgen: Als Fahrtkosten dürfen 0,30 Euro/km für die Hin- und Rückfahrt als Werbungskosten geltend gemacht werden. Zudem winkt der Abzug von Verpflegungsmehraufwendungen beim Werbungskostenabzug von 14 Euro pro Tag.

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Leider werden die Finanzämter dieses steuerfreundliche Urteil vorerst nicht anwenden. Hintergrund: Das beim Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern unterlegene Finanzamt hat die Revision beim Bundesfinanzhof beantragt (BFH, Az. VII R 27/21). Steht im Arbeitsvertrag also lediglich, Einstellungsort ist die Einrichtung des Arbeitgebers und legt das Finanzamt das als Zuordnung einer ersten Tätigkeitsstätte aus, sollte gegen nachteilige Steuerbescheide Einspruch eingelegt werden. dhz